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Hidden Treasures. Schätze aus dem Hause Württemberg

Johann Christian Jancke d.J., Ein Paar Deckelterrinen mit Untersatz, Breslau 1796-1804

„Hidden Treasures. Schätze aus dem Hause Württemberg“ heißt die kommende Sonderauktion des Münchener Auktionshauses NEUMEISTER am 30. März 2022. Jäger verlorener Schätze dürfen auf erlesene Beute hoffen, denn versteigert werden Kostbarkeiten aus dem Hause Württemberg – marktfrisch und bis jetzt im Kunsthandel unbekannt, da sie teils über 90 Jahre lang vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen blieben.

In die Auktion kommen rund 600 Kunst- und Einrichtungsgegenstände aus dem Nachlass von Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg (3.4.1925 bis 2.11.2020). Sie stammen aus dem früheren Schloss des Adelsgeschlechtes im oberschlesischen Carlsruhe (heute: Pokój). Das Schloss wurde 1945 zerstört, seine bewegliche Ausstattung war jedoch bereits einige Jahre zuvor in 60 Holzkisten nach Württemberg in Sicherheit gebracht worden. Dort gelangte sie später in den Besitz von Herzog Ferdinand.

„Mit HIDDEN TREASURES rufen wir den vergessenen Schatz einer der großen europäischen Dynastien auf. Dass so ein außergewöhnliches Konvolut in eine Auktion gelangt, ist heutzutage eine Seltenheit. Hier bietet sich Einsteigern und Kennern die einmalige Gelegenheit, ein Objekt hochadeliger Provenienz zu erwerben und damit auch ein Stück europäischer Kunst- und Kulturgeschichte“, erklärt Katrin Stoll, geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER.

Der Schatz der Württemberger traf im Herbst 2021 in München ein, wo er die Lager in der Barer Straße füllte und sorgsam aus den Holzkisten geborgen wurde. Auf ihnen waren der Bestimmungsort noch handschriftlich vermerkt und die Initialen des Eigentümers eingebrannt: H.F.v.W, Herzog Ferdinand von Württemberg. Ansonsten blieb zunächst ungewiss, was in den Kisten schlummerte. „Das war wirklich aufregend. So etwas erlebt man trotz langjähriger Auktionserfahrung nicht jeden Tag“, beschreibt NEUMEISTER Kunsthistorikerin Dr. Bettina Schwick den Prozess der außergewöhnlichen Inventarisierung. Nach und nach beförderten die NEUMEISTER Kunstexpert:innen Stück für Stück ans Tageslicht. Alles war behutsam in Holzwolle eingebettet, teils auch von vergilbten Zeitungen umwickelt, die bis ins Jahr 1912 zurückdatieren. Jede Kiste barg Überraschungen, zum Beispiel ein Silberdöschen mit einer zierlichen Aufschrift, die für den Schatz von Carlsruhe und die NEUMEISTER Auktion geradezu programmatisch ist: „Wiedergefunden“.

Das Faszinierende: In ihrer Fülle und Vielfältigkeit spiegeln die Objekte das Leben eines hochherrschaftlichen Haushalts im 18. und 19. Jahrhundert wider. Zu den Highlights zählt Breslauer Tafelsilber mit Wappenkartusche und Monogramm aus dem 18. Jh. Prächtige Empire-Deckelterrinen mit Untersatz, vier Platten und 84 Teller sind prädestiniert für spannende Bietgefechte. Auch Freunde feinen Porzellans kommen auf ihre Kosten, denn alle bedeutenden deutschen Manufakturen (u.a. Nymphenburg, Meißen, Fürstenberg, KPM und Gotha) zeigen mit reich bestückten Speiseservicen Präsenz. Besondere Liebhaberstücke sind Ansichtentassen aus der ersten Hälfte des 19. Jh. mit Veduten von Carlsruhe. Von fürstlicher Tischkultur zeugen auch Karaffen, Sektflöten und Hunderte weiterer Gläser, die zu attraktiven Preisen aufgerufen werden. Ebenso wie monogrammierte Tischwäsche, Zylinder, Spazierstöcke, Regenschirme, Degen und Orden. Abgerundet wird das Angebot durch zahlreiche Graphiken, Pastelle und der Forschung bislang teils noch unbekannte Gemälde, darunter Werke von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 – 1789), Joseph Stieler (1781 – 1858) und Ary Scheffer (1795 – 1858).

Der Schatz von Carlsruhe erzählt von einem untergegangenen Abschnitt deutsch-polnischer Geschichte, lässt eine verlorene Zeit lebendig werden und lädt zum grenzenlosen Dialog ein – ganz im Sinne des Herzogs Ferdinand Eugen von Württemberg, dem die deutsch-polnische Verständigung ein Herzensanliegen war. Insofern erhalten auch die HIDDEN TREASURES der NEUMEISTER-Sonderauktion über den eigentlichen kunsthistorischen Wert hinaus eine ganz eigene, zeitlose Bedeutung.

„Wir freuen uns, dass der bedeutsame Nachlass aus dem Hause Württemberg in unsere Obhut gegeben wurde. Er ist hier in besten Händen. NEUMEISTER verfügt über eine anerkannte Expertise beim Auktionieren wichtigerNachlässe und Sammlungen aus Adelshäusern. Jüngstes Beispiel dafür war die Auktion KUNST IM EXIL mit Objekten aus dem ehemaligen Wittelsbachischen Schloss Sárvár in Ungarn, die im März 2021 unter großem öffentlichen Interesse erfolgreich versteigert wurden. Mit HIDDEN TREASURES schreibt NEUMEISTER diese Geschichte weiter“, so Katrin Stoll.

Schlossgeschichte(n)

Der bei NEUMEISTER zum Aufruf kommende Schatz von Carlsruhe hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Zum Großteil stammt er aus dem Schloss der Adelsfamilie im oberschlesischen Örtchen Carlsruhe (Pokój) im heutigen Polen. Die Gründung der Siedlung und die Errichtung des Schlosses gehen auf Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels (1716 – 1792) zurück. Dieser ließ acht Alleen durch die Nadelwälder schlagen, um sie sternförmig auf das Zentrum der Siedlung zulaufen zu lassen. Als stadtplanerisches Vorbild diente das badische Karlsruhe. An der Schnittstelle der acht Achsen positionierte man 1750 ein Jagdschloss, das jedoch schon ein Jahr später abbrannte und durch einen neuen Bau ersetzt wurde. 1798 ging auch dieses Anwesen in Flammen auf, um abermals durch ein neues Schloss ersetzt zu werden. Im 19. Jahrhundert blühte Carlsruhe als Kurort auf. Carl Maria von Weber war im Schloss zu Gast und komponierte dort unter anderem seine beiden Symphonien. Das Ende kam am 21. Januar 1945, als Truppen der Roten Armee Carlsruhe einnahmen und 80 Prozent des Ortes zerstörten, darunter auch das Schloss der Württemberger.

Ein liebenswürdiger Herzog

Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg (geboren am 3. April 1925) verbrachte in Carlsruhe, das sein Vater 1921 geerbt hatte, seine ersten sechs Lebensjahre. Er war das älteste von fünf Kindern aus der Ehe von Herzog Albrecht Eugen von Württemberg und der bulgarischen Prinzessin Nadejda. Nachdem seine Eltern dann das Schloss Lindach in Württemberg erworben hatten, zog man um, und Ferdinand Eugen besuchte Schulen in St. Gallen, im Kloster Ettal und in München. Sein Studium der Forstwirtschaft schloss der Herzog nach dem Krieg ab, um fortan als Forstmeister und Forstdirektor tätig zu sein. Nach dem Tod des Vaters 1954 erbte Ferdinand Eugen als ältester Sohn die Herrschaft Carlsruhe, die mittlerweile jedoch in polnisches Staatseigentum übergegangen war. Trotzdem zog es den wegen seiner liebenswürdigen Art geschätzten Herzog seit 1984 immer wieder zu seinem Geburtsort, wo er ein gern gesehener Gast war. Für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung verlieh ihm der polnische Staatspräsident am 18. November 2016 das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen. Am 2. November 2020 starb der Herzog in seinem schwäbischen Wohnort Friedrichshafen im Alter von 95 Jahren.

Veranstaltungen zum Bericht:
SONDERAUKTION HIDDEN TREASURES. SCHÄTZE AUS DEM HAUSE WÜRTTEMBERG

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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