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Paolo di Stefano Badaloni, genannt Paolo Schiavo, Venus und Amor, um 1440-45

Paolo di Stefano Badaloni, genannt Paolo Schiavo, Venus und Amor, um 1440-45

Tempera auf Holz.


50,8 x 170 cm.

Provenienz:
- Sammlung L. Grassi, Florenz, um 1971.
- Sammlung J. Paul Getty Museum, Malibu, 1972-1992, Inv. Nr. 72.PB.9 (verso Etikette).
- Auktion Christie's, New York, 21.5.1992.
- Museo Privato Bellini, Florenz (verso Etikette “Mr. Luigi Bellini”).
- Europäische Privatsammlung.

Ausstellungen:
- Art and Love in Renaissance Italy, Metropolitan Museum of Art, New York, 11.11.2008-16.2.2009, Nr. 58b (verso Etikette).
- Doni d'amore. Donne e rituali nel Rinascimento, Pinacoteca cantonale Giovanni Züst, Rancate (Mendrisio), 12.10.2014-11.1.2015, Nr. 31.

Literatur:
- Callmann, Ellen: Un Apollonio di Giovanni per cassone nuziale, in: Burlington Magazine, Nr. 888, Vol. CXLX, März 1977, S. 178.
- Boskovits, Miklos: Ancora su Paolo Schiavo. Una scheda biografica, in: Arte Cristiana, 1995, Nr. 770, S. 332-340.
- Bayer, Andre / Cartwright, Sarah: Art and Love in Renaissance Italy, Metropolitan Museum of Art, New York 2009, Nr. 58b, S. 134-136.
- Lurati, Patricia: Doni d'amore. Donne e rituali nel Rinascimento, Pinacoteca cantonale Giovanni Züst, Rancate (Mendrisio), 12.10.2014-11.1.2015, Nr. 31, S. 100-101.

Losnummer: 3013


Diese seltene und prächtige Tafel mit der langgestreckten Gestalt der Venus in einer Landschaft und dem geflügelten Amorknaben, die sich ein Band aus Blüten reichen, war einst im Besitz des J. Paul Getty Museums in Los Angeles und zuletzt anlässlich der grossen Ausstellung „Art and Love in Renaissance Italy“ im Metropolitan Museum in New York 2008/2009 in der Öffentlichkeit zu sehen. Nun gelangt diese eindrückliche Arbeit nach langer Zeit in Privatbesitz wieder auf den Markt. Sie kann in die Zeit um 1440-45, dem Beginn der italienischen Renaissance, datiert werden und fungierte einst als Innenseite einer Hochzeitstruhe (cassone), von denen heute nur noch wenige erhalten sind.

Cassoni, in der die Braut ihre persönlichen Gegenstände in das Eheleben überführte, waren während der Renaissance nicht nur geschätzte Möbelstücke für die Aufbewahrung kostbarer Kleider und Textilien, sondern fungierten auch als wichtige Prestigeobjekte in den häuslichen Räumlichkeiten. Sie besassen auch einen symbolischen Charakter und sollten der Ehe als Glücksbringer dienen und vor allem Nachkommen garantieren. Dabei spielten die bemalten Deckelinnenseiten eine wichtige Rolle, denn diese enthüllten sich nur dem privaten Blick ihrer Besitzer beim Öffnen der Truhen und der Glaube, dass schöne Darstellungen einen Einfluss auf das Empfinden der Braut und ihres ungeborenen Kindes hatten, war weit verbreitet (siehe Gombrich, Ernst H.: Apollonio di Giovanni. A Florentine Cassone Workshop Seen through the Eyes of a Humanist Poet, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institute 18, Nr. 1-2, Januar-Juni 1955, S. 27). Dementsprechend wurden Motive gewählt, die auf die Liebe und die Fruchtbarkeit des Hochzeitspaares anspielten, wie etwa Putti, Amoretten sowie leicht bekleidete oder entblösste langgestreckte männliche und weibliche Figuren, wie das hier angebotene Gemälde exemplarisch vor Augen führt.

Unserer Tafel wird von einer mit einem durchsichtigen Schleier leicht bekleideten Venus vor einem tiefblauen, von Wolken durchzogenen Himmelsband bestimmt. Venus stützt sich auf drei mit Stoff überzogenen Kissen und greift das Ende einer Blütengirlande, welche am anderen Ende von einem geflügelten Amor gehalten wird und sich in seiner Form wie ein Hochzeitsgürtel anmuten lässt. Vergleichbare Kissen, sogenannte „intimelle“, finden sich in einer Miniatur von Apollonio di Giovanni (1415-1465) wieder (siehe Thornton, Peter: The Italian Renaissance Interior 1400-1600, New York 1991, S. 195, Abb. 219) und suggerieren eine Anspielung auf Häuslichkeit, in Kontrast zu dem pastoralen Hintergrund der Szenerie. Sowohl das Motiv wie auch die längliche, schmale Form der Holztafel belegen ihre ursprüngliche Funktion als Innenseite des Deckels einer Hochzeitstruhe.

Motivisch kann unsere Tafel mit den Innenseiten zweier casssoni von Giovanni di Ser Giovanni Guidi, genannt Lo Scheggia (1406-1486) in Verbindung gebracht werden, welche sich heute im Statens Museum für Kunst in Kopenhagen befinden (Inv. Nr. KMS4785 und KMS4786) und ebenfalls eine vergleichbare langgestreckte, unbekleidete Figur thematisieren (Abb. 1).

1971 untersuchte Federico Zeri das hier angebotene Gemälde und brachte es mit einer Tafel in Verbindung, die sich heute im Springfield Museum of Fine Arts befindet und die Geschichte der Callisto darstellt (siehe Springfield, MA, Museum of Fine Arts, Manuale delle Collezioni Americane ed Europee, 1979, S. 117, Nr. 202). Dabei vermutete er, dass diese zwei Tafeln dieselbe Truhe ausschmückten. Die Zuschreibung an Paolo Schiavo wurde zudem von Prof. Everett Fahy bestätigt, als das Gemälde aus der Sammlung des J. Paul Getty Museums verkauft wurde.

Der Maler Paolo di Stefano Badaloni, genannt Paolo Schiavo, war ein versierter und vielseitig ausgebildeter Meister der Renaissance, der 1429 in der florentinischen Malergilde aufgenommen wurde und nebst Altarwerken, Fresken und cassoni auch zahlreiche Buchmalereien und Vorzeichnungen für Tapisserien und Glasfenster schuf.

Das Gemälde ist im Archiv der Fondazione Zeri unter der Nr. 11839 als eigenhändiges Werk von Paolo Badaloni, genannt Paolo Schiavo, registriert.


Veranstaltungshinweise:

Am 19.09.2016 bis 24.09.2016 Auktionswoche A178: Silber & Porzellan, Möbel & Dekoration, Alter Meister, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Bücher


Schätzpreis: 250.000 - 350.000  SFR

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