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Diane Arbus, A widow in her bedroom, N.Y.C., 1963

Diane Arbus, A widow in her bedroom, N.Y.C., 1963

Vintage, Gelatinesilberabzug auf Agfa-Papier 1966-1969. 22,8 x 22,6 cm (35,4 x 27,7 cm). Rückseitig mit Copyrightstempel des 'Estate of Diane Arbus', darin mit Filzstift datiert '1963', sowie mit dem Stempel 'doon arbus administrator', darüber von Doon Arbus mit Filzstift signiert, mit dem Stempel 'a diane arbus print', darüber mit Filzstift beziffert '#1896-7-2U-1114' sowie von fremder Hand mit Bleistift bezeichnet. - Entlang der Ränder leicht gewellt. Unter Passepartout und Glas gerahmt.

Mit beiliegendem Zertifikat von Doon Arbus vom 21. Oktober 1986

Provenienz

Robert Miller Gallery, New York (Rahmen mit rückseitigem Etikett); Privatsammlung, Belgien.

Losnummer: 131


Literatur

Diane Arbus: An Aperture Monograph, New York 1972, o.S. mit Abb.; Diane Arbus. Revelations - Offenbarungen, München 2003, S. 44 mit Abb.

Das hier vorliegende Motiv wie auch die nachfolgende Aufnahme entstanden im Jahr 1963, als Diane Arbus, ausgestattet mit einem Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, an ihrem Projekt „American Rites, Manners and Customs“ arbeitete. Wird Arbus häufig vorrangig als Photographin wahrgenommen, deren Interesse der am Rande der Gesellschaft Stehenden galt, d.h. den Transvestiten, Kleinwüchsigen, psychisch Kranken, Nudisten usw., so nahm sie doch ebenso auch die scheinbar „normale“ Existenz gut situierter und fest in die Gesellschaft integrierter Individuen in den Blick. Dabei dokumentieren ihre Bilder „eher eine private als eine gesellschaftliche Realität, eher psychologische als visuelle Kohärenz, eher das Prototypische und Mythische als das Aktuelle und Zeitbedingte. Ihr eigentliches Sujet war nichts weniger als die einzigartige Innenwelt derer, die sie photographierte“ (John Szarkowski, zit. nach Diane Arbus: An Aperture Monograph, München 2003, Klappentext). „A widow in her bedroom, N.Y.C.“, ist ein gutes Beispiel dafür, mit welcher Eindringlichkeit es Diane Arbus gelang, die Befindlichkeit der Dargestellten einzufangen und das Charakteristische ihrer Person wie auch ihrer Lebenssituation herauszuarbeiten: Zwischen all den Asiatika, die das starke Blitzlicht der Photographin gleichermaßen reflektieren wie der glänzende Stoff ihres Kleides, wirkt die ältere Dame mit ihrem maskenhaften Blick sichtlich darum bemüht, Haltung zu bewahren - und erscheint letztlich doch selbst wie eine etwas verlorene, sehr zerbrechliche Staffagefigur inmitten all ihrer zusammengetragenen Kostbarkeiten. Mit ihrem verhältnismäßig groß gewählten Bildausschnitt lenkt die Photographin den Blick auf kleine, aber sprechende Details wie das zerknitterte und achtlos auf dem Boden liegende Blatt Papier oder die geöffnete Schublade mit ihrem unsortierten Innenleben, Details, die das repräsentative Umfeld samt seiner schweren Samtvorhänge und wertvollen Vasen konterkarieren. Arbus selbst hat auf das bisweilen schonungslose, sezierende Element in ihren Bildern hingewiesen: „Der Vorgang hat etwas sehr Gründliches, eine Art genauer Beobachtung, der wir normalerweise nicht ausgesetzt sind. Ich meine, der wir uns gegenseitig nicht unterziehen. Ohne Intervention der Kamera sind wir netter zueinander als mit. Sie ist ein bisschen kalt und streng.“ (zit. nach Diane Arbus: An Aperture Monograph, München 2003, S. 2).

Sah sich Diane Arbus von Seiten der zeitgenössischen Kritik immer wieder mit dem Vorwurf des Voyeurismus konfrontiert, so sind ihre Aufnahmen bei aller ungeschminkten Direktheit jedoch keineswegs frei von Mitgefühl für die Portraitierten. Darauf machte auch der bereits zitierte John Szarkowski aufmerksam. „A widow in her Bedroom, N.Y.C.“ gehörte zu jener Auswahl von Bildern aus Arbus' „American Rites, Manners and Customs“-Projekt, die dieser 1967 in seiner wichtigen Ausstellung „New Documents“ im Museum of Modern Art neben Werken ihrer Kollegen Lee Friedlander und Gary Winogrand zeigte (siehe eine entsprechende Ausstellungsansicht, abgedruckt in: Diane Arbus. Revelations - Offenbarungen, München 2003, S. 184). In seinem Einleitungstext der Ausstellung heißt es zum Werk der hier präsentierten Photographen: „Their aim has not been to reform life, but to know it. Their work betrays a sympathy - almost affection - for the imperfections and the frailties of society” (ebenda, S. 51).

Die hier vorliegenden Photographien zeigen mit dem mit abgebildeten schwarzen Negativrand ein wesentliches Charakteristikum der Handabzüge von Diane Arbus aus den Jahren bis 1969, eine Art der Präsentation, mit der sie die Authentizität des Abzugs gewahrt wissen wollte und auf die sie auch im Rahmen der genannten Ausstellung bestand.


Veranstaltungshinweise:

Am 27.11.2015 Auktion 1058: Photographie


Schätzpreis: 100.000 - 150.000  EURO

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