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Hans Christiansen, Armlehnsessel, um 1908-10

Hans Christiansen, Armlehnsessel, um 1908-10

Aus einer Saloneinrichtung. Armauflagen u. Rückenlehne rechteckig, innenseitig U-förmig gerundet, Seiten mit jeweils drei Rundstützen offen gearbeitet, Sitz u. Rückenlehne gepolstert, Vierkantbeine zum Stand verjüngt u. gerundet, Standmanschetten aus Messing. Ausführung: vermutlich Ludwig Schäfer, Mainz. Mahagoni, poliert, stilisierte Rosenmotive als Messingeinlagen auf Arm- u. Rückenlehnenauflage. H. 71 cm; B. 62 cm.

Zustand
Polsterung und gelber Bezugstoff erneuert; aufgearbeitet.

Losnummer: 54


Der Maler, Graphiker und Entwerfer für das Kunstgewerbe Hans Christiansen gilt als einer der Hauptvertreter des deutschen Jugendstils. Seine kunsthandwerklichen und graphischen Werke übten erheblichen Einfluss auf das Kunstgeschehen dieser Zeit aus, denn in seinem vielseitigen Schaffen spiegelt sich wie bei kaum einem anderen Künstler die Leitidee der gänzlichen Stilerneuerung durch eine Synthese von Kunst und Leben wieder. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Flensburg von 1881-1885 arbeitet Christiansen für zwei Jahre in einem Innendekorationsgeschäft in Hamburg, anschließend geht er zum Studium nach München. Eine Studienreise führt Christiansen 1889 nach Italien, im Anschluss übernimmt er ein Lehramt als Fachschullehrer in Hamburg. Daneben ist er als selbstständiger Dekorationsmaler tätig und engagiert sich im "Volkskunst-Verein" für eine Reform nach Vorbild der Arts- and Crafts-Bewegung. 1893 hinterlässt ein Besuch in Chicago, bei dem Christiansen mit den Glasarbeiten von Louis Comfort Tiffany in Berührung kommt, nachhaltigen Eindruck. 1895 verlegt der Künstler seinen Wohnsitz nach Paris und studiert dort von 1896-1899 an der Académie Julian Malerei. Christiansens Mal- und Zeichenstil ist beeinflusst von den Nabis und v.a. durch Vertreter des französischen Art Nouveau. Neben der Malerei beschäftigen Christiansen zunehmend Entwürfe für das Kunsthandwerk. Überdies arbeitet er an der Münchner Zeitschrift "Jugend" mit. Mit seinen Titelblattgestaltungen und graphischen Werbeentwürfen gelangt er zu großer Bekanntheit. Im Jahr 1898 wird dem Künstler der Professoren-Titel verliehen. Christiansen setzt nun seine Arbeit an der Darmstädter Künstlerkolonie fort und bleibt dort bis 1902. Seitdem verbringt er die Wintermonate häufig in Paris, wobei seine Hauptbeschäftigung das Kunsthandwerk und hierbei v.a. die Textilkunst wird. Ab 1914 ist Christiansen wieder vorwiegend als Maler und Schriftsteller tätig, ab 1918 widmet er sich verstärkt auch dem Porträt. Seine kunsthandwerklichen Tätigkeiten reichen von Tapetenmuster-, Wandteppich-, und Keramikentwürfen bis hin zu Vorlagen für Kunststickerei. Durch leuchtende Farbigkeit gekennzeichnet sind die Wand- und Deckenmalereien sowie die ab 1897 entstandenen Glasfenster mit landschaftlichen und floralen Darstellungen. Sein malerisches Werk blieb stets im Hintergrund.

Literatur

Vgl. Margret Zimmermann-Degen, Hans Christiansen, Königstein im Taunus 1981, S. 260, Salonmöbel MB 18.


Veranstaltungshinweise:

Am 19.04.2012 Sonderauktion 75: Darmstädter Künstlerkolonie


Schätzpreis: 3.500,-  EURO

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