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Vorbericht zur Auktion 100C - Jubiläumsauktion 'Künstler - Designer - Architekten'

Katalog Auktion 100C

Vorbesichtigung:
01./02. Dez.10 - 18 Uhr
03./04. Dez. 13 - 17 Uhr
05. Dez. 10 - 15 Uhr

Auf den ersten Blick mag das Motto unserer unserer Jubiläumsauktion am 6. Dezember vielleicht allgemein klingen. Doch wenn man die Gestalter und Entstehungsgeschichten der wunderbaren kunsthandwerklichen Objekte aus Glas, Metall und Porzellan und die Möbel aus dem 20. Jahrhundert betrachtet, auf die sich Quittenbaum Kunstauktionen seit seiner Gründung spezialisiert hat, so fällt auf, dass es in sehr vielen Fällen Künstler und Architekten waren, die sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Gestaltung des häuslichen Umfeldes von der Tapete bis zur Zuckerzange bis hin zu großen Möbeln widmeten.


Nicht überall gab es spezielle Ausbildungsstätten für Produktdesigner. England nahm in der Ausbildung qualifizierter Kunsthandwerker mit der Gründung des Department of Practical Art in London 1851 eine Vorreiterrolle ein, und in Deutschland wurde 1951 in Anknüpfung an das Bauhaus die Ulmer Hochschule für Gestaltung gegründet. In Italien jedoch, in dem Land, das seit 1945 bis heute die Führungsrolle im Bereich des Produktdesigns behauptet, war für die meisten erfolgreichen Designer das Studium der Architektur die Grundlage.


Das Phänomen, dass sich Architekten auch die Gestaltung der Innenräume und Einrichtung übernahmen, lässt sich verstärkt ab dem 19. Jahrhundert beobachten. Karl Friedrich Schinkel war nicht nur ein bedeutender Baumeister, sondern entwarf auch zahlreiche höfische Interieurs in unterschiedlichen Stilrichtungen von der Antike bis zur Gotik. Eine umfassende Gestaltung von Architektur und Innenräumen war auch das Ziel der der Arts and Crafts-Bewegung. Was zunächst William Morris und Charles Renni Mackintosh in England mit ihren Gesamtkonzepten des anspruchsvollen Wohnens realisierten, wurde dann um 1900 von den Protagonisten der Wiener Werkstätte, allen voran dem Architekten Josef Hoffmann und dem als Maler ausgebildeten Koloman Moser aufgegriffen. Die Aufwertung des Kunsthandwerks gegenüber der als seelenlos empfundenen industriellen Produktion von Möbeln und Gegenständen des Alltags stand im Zentrum ihrer künstlerischen Bemühungen. In Deutschland gehörten Weimar, München und Darmstadt zu den wichtigsten Zentren der künstlerischen Reformbewegungen des Jugendstils, die von Architekten und Malern wie Peter Behrens, Joseph-Maria Olbrich, Hans Christiansen, Albin Müller, Richard Riemerschmid und Henry van de Velde getragen wurde, die allesamt mit hochkarätigen Objekten in unserer Jubiläumsauktion vertreten sind.


Jugendstil und Art Déco
Zu den bedeutendsten Stücken des rund 300 Positionen umfassenden Angebots gehört zweifelsohne Henry van die Veldes silbernes Kaffe-und Teeservice 'Service I', das bisher weder in einem Museum noch in einer Privatsammlung dokumentiert war. Die Entwurfszeichnungen für das Service I wurden 2009 von Thomas Föhl und Antje Neumann innerhalb der Publikation über van de Veldes Metallarbeiten durch die Klassik Stiftung Weimar veröffentlicht. Wie eine historische Fotographie zeigt, befand sich ein Modell des 'Service I' im Besitz der Industriellenfamilie Esche, für die Henry van de Velde ab 1902 in Chemnitz eine repräsentative Villa und deren gesamte Inneneinrichtung von den Wandbespannungen über Türen, Fenster, Lampen, Teppiche bis hin zu Mobiliar, Porzellan, Silber und privaten Gebrauchsgegenständen entworfen hat. Es ist denkbar, dass aufgrund der großen Seltenheit des Services die Schätzung von € 60.000 bis 70.000 in der Auktion noch übertroffen wird.



Auch die wichtigsten Architekten und Künstler der Mathildenhöhe, die Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen nach Darmstadt berief, sind in der Auktion mit besonders qualitätvollen kunsthandwerklichen Arbeiten vertreten. Von Joseph Maria Olbrich, der einflussreichsten Künstlerpersönlichkeit der Künstlerkolonie, bieten wir zwei Uhren an. Ebenso von Albin Müller, von dem eine seltene Kaminuhr in Serpentinstein und eine aus brüniertem Messing mit emailliertem Pendel in der Auktion vertreten sind. Der als Maler und Graphiker ausgebildete Peter Behrens, der in Darmstadt mit seinem eigenen Wohnhaus sein erstes architektonisches Projekt realisierte, ist mit insgesamt 17 Gläsern aus dem Wertheim-Service vertreten. Der Maler Hans Christiansen, der lange in der Darmstädter Künstlerkolonie in seinem 'Haus In Rosen' residierte, schuf einige Keramikvasen für die Manufaktur Wächtersbach. In der Auktion wird eine Vase in schlanker hoher Zylinderform mit stilisierter Bemalung in Rottönen bei € 9.000 - 12.000 zum Aufruf gelangen sowie ein höchst seltene Silberbrosche.
Von dem ebenfalls zum Maler ausgebildeten Max Laeuger stammt eine bedeutende Vase mit Blütenmotiven, die vollständig mit Goldmosaik belegt ist und für € 2.800 - 3.500 angeboten wird.
Der Jugendstil war die Keimzelle für eine ästhetisch ganzheitliche Gestaltung des Lebensumfeldes, wie sie heute ganz selbstverständlich ist. Architektur, Design und Kunst werden heutzutage ganz selbstverständlich aufeinander abgestimmt. Mit dem Jugendstil wurde der Versuch unternommen, Kunst, Design und Architektur zu demokratisieren, das heißt ästhetisch anspruchsvolle Objekte auch der bürgerlichen Gesellschaft zugänglich zu machen.


Bauhaus
'Kunst am Bau' oder Kunstsammlungen großer Firmen, die die Büros der Mitarbeiter damit ausstatten sind heute genauso selbstverständlich, wie die Kaffeemaschine von Alessi und der Stahlrohrfreischwinger, die nicht nur funktional sind, sondern auch einen ästhetischen Genuss bieten. Um die Demokratisierung der Kunst ging es auch am 1919 gegründeten Staatlichen Bauhaus in Weimar. In den Weimarer Werkstätten, in denen zuvor bereits die 1907 von van de Velde gegründete Kunstgewerbeschule untergebracht war, sollten Entwürfe für die Massenherstellung entstehen. 'Kunst und Technik - eine neue Einheit' lautete ab 1923 die Devise. Hier entstanden Gegenstände, die aus der Wohnlandschaft von heute nicht mehr wegzudenken sind wie etwa die Freischwingerstühle. Der Architekt Mart Stam entwarf einen der ersten Freischwinger. Marcel Breuer, Leiter der Möbelwerkstatt von 1925 bis 1928, von dem wir in der Auktion den Hocker 'B8', den Arbeitsstuhl 'B7' sowie eine Liege anbieten, befasste sich mit dem Thema. Mies van der Rohe entwarf 1927 für die Stuttgarter Weissenhofsiedlung den berühmten 'MR-20'-Freischwinger. In der Jubiläumsauktion bietet Quittenbaum einen Weissenhof-Sessel MR-10 (10.000 – 12.000) an, den Ludwig Mies van der Rohe höchst persönlich in den vierziger Jahren dem Architekten Herbert Hirche für geleistete Dienste überlassen hat.
Zu den erwähnenswerten Losen aus den dreißiger Jahren gehören außerdem Heinrich Siegfried Bormanns Schwenkleuchte zur Wandbefestigung (1931, 4.200 – 5.000) sowie der 'Rote Sessel' von Eckhart Muthesius, den der Architekt für den ebenfalls von ihm entworfenen Palast des Maharadschas von Indore schuf. 1931 entwarf der finnische Architekt Alvar Aalto den Freischwinger '31' für das Sanatorium in Paimio, den wir in einer sehr frühen Ausführung für einen Schätzpreis von 6.000 – 7.000 anbieten. 1930 wurde die von Gio Ponti entworfene Vase auf der 4. Triennale von Mailand ausgestellt.


Design nach 1945
Frühes Nachkriegsdesign aus Deutschland wird durch Max Bills auf € 3.000 bis 3.800 geschätzten Ulmer Hocker aus dem Jahr 1953 repräsentiert. Nach 1945 war jedoch Italien führend auf dem Gebiet des Produktdesigns. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten zählte Gio Ponti, von dem wir einige Objekte anbieten. Der Architekt machte sich in fast allen gestalterischen Disziplinen einen Namen. Er entwarf Einfamilienhäuser, Wohntürme, Wolkenkratzer, Wohnanlagen und Alltagsgegenstände und bot mit seinem 1928 gegründeten Magazin Domus ein bedeutendes Forum für die Verbreitung avantgardistischer Ideen in den Bereichen Architektur und Design. Von seinem ebenso vielseitigen Zeitgenossen Carlo Mollino stammen drei Stühle aus dem von ihm entworfenen RAI Auditorium (€ 4.500 – 6.000). Und auch die führenden Entwerfer Frankreichs sind mit ihren Entwürfen in er Auktion vertreten. Ein Schrank von Le Corbusier, der um 1952 entstand, ist mit € 4.500 bis 5.000 taxiert, Charlotte Perriand ist mit Hockern, Stühlen und Wandlampen vertreten.
Der dänische Architekt Poul Kjaerholm schuf 1955 einen schlichten Schreibtisch für die Architektenschule von Kopenhagen im Jahr 1955 (Schätzpreis: € 5.000 - 6.000).


Die vergangenen vier Jahrzehnte sind von Gegenbewegungen gekennzeichnet. In Italien waren es vor allem kleine Gruppen von ambitionierten Architekten, die mit ihren frechen Entwürfen gegen das italienische Bel Design aufbegehrten. Die Gruppen Archizoom mit Andrea Branzi als einem ihrer Wortführer vertreten in der Auktion mit drei Sitzobjekten 'Safari' (€ 7.000 bis 8.000) und die Gruppe Superstudio vertraten die Bewegung des Radical-Design. Exemplarisch für diese Bewegung steht auch Ettore Sottsass Spiegelobjekt 'Ultrafrogola', das er 1970 entwarf.
Zahlreiche Architekten-und Künstlerentwürfe dokumentieren die Entwicklungen der Desingeschichte der letzten dreißig Jahre. Im Jahr 1972 schuf Frank Gehry die drei Satztische 'Easy Edges' – seine wichtigsten architektonischen Entwürfe hatte er da noch vor sich. Aus dem gleichen Jahr stammt ein Architekturmodell zur Münchner Olympiade, das mit € 5.000 - 6.000 taxiert ist. Als Architekt ausgebildet, konzentrierte sich Alberto Rosselli jedoch ab den fünfziger Jahren auf das Produktdesign. 1974 schuf er das Gartenmöbel 'Moby Dick' aus glasfiberverstärktem Polyester, das tatsächlich an einen weißen Wal erinnert und heute bei Sammlern äußerst begehrt ist (€ 3.500 bis 4.000).
Noch nie auf internationalen Auktionen angeboten wurde die ‚Mobile Totale’ Living Unit der Architekten TITINA AMMANATI AND GIAMPIERO VITELLI. Sie besteht aus einer Wohneinheit mit Regalen, Schüben, einer Kochnische, Kühlschrank und einem Sofa dass sich gegebenenfalls zu einem Doppelbett umbauen lässt. Dieses Wohnobjekt entstand aus der Utopie einer ‚Wohnmaschine’ für drei Personen und wurde 1965 entworfen. Ähnliche Entwürfe finden sich auch in etwa zur gleichen Zeit bei Joe Colombo. Schätzpreis € 18.000 – 22.000.
Aus dem Jahr 1980 stammt die Stehleuchte der berühmten Mailänder Architektin Gae Aulenti (Schätzpreis: € 2.200 - 2.500). In den achtziger Jahren schreiben auch immer häufiger Architekten aus Japan Designgeschichte. In der Auktion sind vier Stühle von Kisho Kurokawa auf € 2.000 - 3.000 geschätzt und eine Chaiselongue von Katsuhito Nishikawa auf € 2.000 – 2.200.
Zu den Werken der jüngsten Vergangenheit zählt Marc Newsons Regal 'W. & L.T.', das er 1996/97 entwarf und nun für € 7.000 - 8.000 offeriert wird sowie Zaha Hadids seltenes Sofa 'Moraine' aus dem Jahr 2000 (Schätzpreis: 18.000 - 22.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
100. Auktion: Jubiläumsauktion

Quelle: © Quittenbaum Kunstauktionen

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