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Galerie Nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder - Wien -  PERMANENT RECEPTION curated by_Clemens von Wedemeyer

Galerie Nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder - Wien - PERMANENT RECEPTION curated by_Clemens von Wedemeyer

PERMANENT RECEPTION curated by_Clemens von Wedemeyer

vom 07.04.2010 bis 12.06.2010

Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder

Grünangergasse 1/2

AT-1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 512 126 6

Telefax: +43 (0)1 513 430 7

E-Mail: galerie@schwarzwaelder.at

URL: www.schwarzwaelder.at

PERMANENT RECEPTION

Esse est percipi aut percipere (George Berkeley)

curated by_vienna ist ein ambitioniertes Wiener Projekt zur Förderung einer systematischen Zusammenarbeit zwischen Galerien und KuratorInnen. Nach einem erfolgreichen Start im Jahr 2009 wird curated by_vienna nun zum zweiten Mal von 6. Mai bis 5. Juni 2010 in Wien stattfinden. Für das Projekt 2010 haben die 20 teilnehmenden Galerien KünstlerInnen eingeladen, zum diesjährigen Thema „art&film“ Ausstellungen in den betreffenden Galerieräumlichkeiten zu kuratieren.

Selektiv auf die Realität zu schauen, ist ein notwendiges Übel meiner Aufmerksamkeit. Ständige Wahrnehmung meint aber, Augen und Ohren offen zu halten, nicht einzuschlafen und nicht wegzuschauen. Ich meine eine Kritik an einer permanenten Überwachung, aber ein waches Auge des Individuums. Es liegt eine Schleife von Überprüfungen nach dem ersten Blick, den das Auge wirft, bis sich das Gehirn diese Untersuchung vergegenwärtigt… dabei kann es zu (produktiven) Missverständnissen kommen.
Anders ausgedrückt: Wie kommen überhaupt Bilder in den Kopf, der Film auf die DVD und die Kunst auf die Straße? Wo bleiben die Trennungen zwischen innen und außen bestehen? Eins nach dem anderen:
Wie eine Synapse steht ARNOLD VON WEDEMEYERs Installation „Passage“ im ersten Raum und empfängt den Besucher mit einem animierten weißen Rechteck, das von einer Leinwand auf eine ihr gegenüber gestellte springt. Was in der Malerei das schwarze Quadrat, ist im Kino die helle rechteckige Leinwand und in der digitalen Welt das weiße Viereck: Und auf einfachste Weise sieht man hier der Produktion eines autonomen dreidimensionalen Raumes zu, nur durch ein sich vergrößerndes rechteckiges Pixel, das aus seinem virtuellen Raum heraus - für den Bruchteil einer Sekunde - durch den realen Raum pendelt, durch den freien Korridor zwischen den Leinwänden.
Dass wir nicht nur Werke wahrnehmen, sondern die Werke uns betrachten, wird am Bild von DOUGLAS GORDON klar. Plakativ ist hier in „untiled“ Gordons eigenes Auge um das Hundertfache vergrößert und schaut den Besucher beim Eintritt in die Galerie mit einer gewissen Autorität an. Gleichzeitig scheint es das weiße Rechteck beim Übersprung zu beobachten, selbst wenn kein Besucher zugegen ist.
Im zweiten Raum werden zwei Videos gezeigt, in denen kulturelle Produktion die Galerie verlässt. ULF AMINDEs Arbeit „quad III“ ist innerhalb der Arbeit „Straße ist Straße und keine Konzeptkunst“ entstanden, in der er mit Obdachlosen performative Werke und bekannte Werke der Konzeptkunst auf der Straße nachspielte. In dem hier gezeigten Video läuft also einer in Anlehnung an Samuel Becketts Quadrat eine knappe Stunde um einen großen, quadratischen Lüftungsschacht in der Innenstadt von Bremen. Ab und an stellt er die Bierflasche am Rand ab, schwankt weiter, um am Ende vor Erschöpfung umzufallen, zu den Anweisungen von Ulf Aminde, der hinter der Kamera Regie führt.
In DAVID LAMELAS’ Film nimmt man an einer Analyse teil. Der klassische Film der Institutionskritik wurde auf 16mm gedreht und ist wie ein wissenschaftlicher Film in verschiedene Kapitel unterteilt. Die Dramaturgie von „A Study of Relationships between Inner and Oute Space“ beginnt innerhalb der Galerie. Wer arbeitet hier? Wo sind die Steckdosen? Welche Lampen? Und er endet auf der Straße. In welchem Viertel liegt die Galerie? Bis Lamelas schließlich Leute nach der Mondlandung fragt und klar wird, dass der äußere Raum hier nicht endet. In der permanenten Wahrnehmung der Verhältnisse ist man an einen späteren Film wie „Power of Ten“ erinnert, in dem aus dem Weltall durch den menschlichen Körper in die menschliche DNA gezoomt wird.
CAREY YOUNGs Arbeit „Cautionary Statement“ befindet sich in der Reception Area der Galerie, dem klassischen Ort der Vermittlung, dem Kontaktpunkt zwischen Besuch und Geschäft. Die Arbeit erscheint zunächst als ein Statement der Galerie. Wie beim Optiker ist der Satz, der den Besucher vor sicheren Aussagen warnen will, immer kleiner geschrieben, sodass der letzte Satz aus der Entfernung kaum mehr lesbar ist: „You are advised that these statements are only predictions and that actual events may differ materially“ – alles bleibt offen und wahrnehmbar für keine letzte Interpretation. Die Galerie übernimmt keine Verantwortung für die zukünftige Rezeption der Werke.
Während der Eröffnung macht MARLENE HARING die Performance „Lickingglass“, in der sie die Galeriefenster von außen ableckt. Dieses Säubern könnte man auch als Beleidigung sehen, auf jeden Fall beschäftigt sie sich ausgiebig mit den Fenstern der Galerie, die sie vom Außen trennt. „Der Titel ‚Lickingglass’ erinnert sowohl an looking glass (‚Spiegel’), als auch an licking ass (‚Arschlecken’).“ (Paolo Bianchi) Aber was hat das mit Film zu tun? Wenn die Zunge ein Auge wäre, bestimmt sehr viel. Also schaut euch die Leute an, die sie anschauen! Denn Marlene Haring selbst ist das handelnde Objekt und setzt sich den Kameras aus – sie steht auf einem Filmkran, weil die Galerie im zweiten Stock liegt. Der Aufwand der Produktion ist groß, wie man es von einem ordentlichen Kunstfilm erwartet.
Auf populäre Actionfilme und deren Filmabfall bezieht sich HITO STEYERLs Video „After the Crash“: Auf einem Flugzeugschrottplatz in der kalifornischen Wüste werden Flugmaschinen verschrottet, die zuvor Hauptdarsteller in Actionfilmen waren, so z.B. im Film „Speed“, in dem ein Flugzeug explodierte. Der Mehrwert von Requisiten ist größer als der Materialwert des Flugzeugs – doch das Aluminium ist wiederum ein wichtiger Rohstoff, der auch bei der Produktion von DVD’s benutzt wird. Auf diesen werden dann natürlich auch solche Filme wie „Speed“ gebrannt. Ein kommerzieller Rohstoff-Bild-Zyklus in Zeiten der globalen Krise, die dank der totalen Wahrnehmung der Künstlerin zu einer Dauerschleife verdichtet ist. Fortsetzung folgt.

CvW

ULF AMINDE, geb. 1969 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin. Kunststudium an der Universität der Künste Berlin. Verbindet in seiner Arbeit Elemente aus Theater, Performance, bildender Kunst und Film. Seine Arbeit "The hidden chapters of my lost insistence" ist bis 16. Mai 2010 im Kunstverein Arnsberg zu sehen.

DOUGLAS GORDON, geb. 1966 in Glasgow, lebt in Glasgow, Berlin und New York. 1996 Turnerpreis. Sein Werk umfasst Filme, konzeptuelle Texte, Fotografien und Videoinstallationen. Demnächst zu sehen in „EMSCHERKUNST2010 – Eine Insel für die Kunst“, Ruhr 2010, Essen, 29. Mai bis 5. September 2010.

MARLENE HARING, geb. 1978 in Wien, lebt in Wien. Studium der Computer- und Videokunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. MAK Schindler Stipendium 2003. Birgit-Jürgenssen-Preis 2005. Teilnehmerin der 6. Berlin Biennale, 11. Juni bis 8. August 2010. www.marleneharing.com

DAVID LAMELAS, geb. 1946 in Buenos Aires, lebt und arbeitet in Berlin, Los Angeles und Buenos Aires. Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf und experimenteller Filmemacher Er gilt als einer der Pioniere der Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre. Derzeit zu sehen in „Changing Channels“, Museum Moderner Kunst, Wien, bis 6. Juni 2010.

HITO STEYERL, geb. 1966 in München, lebt in Berlin. Studium der Kinematografie und Dokumentarfilmregie an der Academy of Visual Arts in Tokio, an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, Promotion in Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Ihr Werk situiert sich an der Schnittstelle von Bildender Kunst und Film mit feministischen und Postkolonialismus-kritischen Aspekten. Documenta 12, Kassel. Teilnehmerin an der Gwangju Biennale, Südkorea, 5. September – 9. November 2010.

ARNOLD VON WEDEMEYER, geb. 1970 in Göttingen, lebt in Berlin. Studium der Freien Kunst und Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel, arbeitet in den Bereichen elektronische Medien und computergesteuerte Installation. Ausstellungsbeteiligung derzeit: „Cause + Time,“, The Luminary Center fort he Arts, St. Louis, Missouri, bis 26. Juni 2010. www.von-wedemeyer.de

CLEMENS VON WEDEMEYER, geb. 1974 in Göttingen, lebt in Berlin. Studium bei Astrid Klein an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig. Zahlreiche internationale Auszeichnungen wie der Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen (2005), den VG Bildkunst Preis für experimentelle Film- und Videokunst, Münchner Filmfestival (2002), den Marion Ermer Preis, Leipzig (2002) und andere.

CAREY YOUNG, geb. 1970 in Lusaka, Sambia, lebt in London. Studium am Manchester Polytechnikum, an der Universität Brighton und Studium der Fotografie am Royal College of Art, London. Ihre Arbeit umfasst Video, Fotografie, Performances und Installationen. Derzeitige Ausstellungsbeteiligung: „Atopia: Art in the City in the 21rst Century“, Centre di Cultura Contempóranea de Barcelona, bis 24. Mai 2010. www.careyyoung.com

Weitere Informationen: www.careyyoung.com


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Bilder zur Veranstaltung:

  PERMANENT RECEPTION
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 von Wedemeyer

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