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Marktberichte

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Paris Photo 2004

Wo Amateure Experten sind



Galerie Conrads, Düsseldorf: Beat Streuli

Galerie Conrads, Düsseldorf: Beat Streuli

Mit mehr als 40.000 Besuchern ist am Sonntag letzter Woche die 8. Ausgabe der auf klassische und zeitgenössische Fotografie spezialisierten Messe Paris Photo zu Ende gegangen. Wenn man hierzulande jemanden als Amateur bezeichnet, dann meint man den Nichtfachmann, der sich einer Sache mit Leidenschaft verschrieben hat, ohne jedoch allzu viel von ihr zu verstehen. Ein interessierter Laie also. Auf der Paris Photo jedoch hat man den Eindruck, das Publikum bestehe fast nur aus sachkundigen Experten mit Kennerblick - kurzum: aus Connaisseuren. Wer das Angebot der 105 Aussteller - 92 Galerien und 13 Editeure aus 16 Ländern - genauer unter die Lupe nehmen wollte, benötigte eine gute Kondition und, falls er denn nicht nur gucken, sondern auch kaufen wollte, ein gut gefülltes Portemonnaie.



Gut verkauft wurde die klassische Fotografie, insbesondere seltene Vintage Prints, wie sie beispielsweise die 1947 unter anderem von Robert Capa und Henri Cartier-Bresson gegründete Agentur Magnum Photos im Angebot hatte. Hier gab es exzellente New-York-Aufnahmen aus den 1950er Jahren von Elliott Erwitt (5800 Euro) sowie lebensnahe Street Photography von Raymond Depardon aus den 1980er Jahren (4000 Euro). Zwei besonders seltene Unikate des Magnum-Fotografen Miguel Rio Branca zeigen lässig posierende Männer- und Frauengruppen vor ihren angestammten Cafés in Bahia aus dem Jahr 1976. Diese Ikonen typisch brasilianischer Unbeschwertheit fanden für je 11.800 Euro ihren Käufer. Hier sind keine New Prints mehr möglich, denn die Negative der stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind verloren gegangen. Darüber hinaus bietet Magnum auf seiner Website sowohl Vintage als auch Modern Prints von allen 60 Fotografen an, die auch Eigentümer der Agentur sind. 150.000 Motive stehen zur Verfügung.

Ebenfalls spezialisiert auf den Bereich der klassischen Vintage Fotografie der 1920er bis 1950er Jahre ist die Kölner Galerie Priska Pasquer. Großes Interesse fanden die erstmals aus dem Nachlass gezeigten Schwarz-Weiß-Fotografien der 1930er Jahren von Annelise Kretschmer. Diese für ihre Zeit ungewöhnlich großen Unikate fertigte die professionelle Porträtfotografin ursprünglich zu Präsentationszwecken an. Anders als bei vielen ihrer männlichen Kollegen wie Albert Renger-Patzsch oder Karl Blossfeldt haftet ihren Aufnahmen nicht der kühle, sachliche, analytische Blick an, sondern es kommt ein gestalterisches, psychologisierendes Element hinzu. Einige Museen haben bereits ihr Interesse an den zwischen 4.000 und 16.000 Euro angebotenen Vintage-Abzügen bekundet.

Weiterhin am Stand zu sehen waren ungewöhnliche Landschaftsaufnahmen von August Sander und Renger-Patzsch, eine Vintage-Fotografie mit dem Titel „Die Bäume vor meinem Fenster“ aus dem Jahr 1950 des äußerst selten auf dem Markt zu findenden Postavantgardisten Otto Steinert für 50.000 Euro sowie Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1970er und 1980er Jahren des Japaners Daido Moriyama. Der für seine endlosen Streifzüge mit der Kamera durch das nächtliche Tokio, seinen Blick auch für das Hässliche und Abstoßende, seine Rastlosigkeit und seinen radikalen Ansatz bekannte Moriyama wird zur Zeit von Ausstellungsmachern und vom Kunstmarkt als genialer Zeitgenosse des Fotografiestars Nobuyoshi Araki wieder entdeckt (Farbabzüge: 2.200 Euro, offene Auflagen, S/W Vintage 3.500-6.000 Euro).

Priska Pasquer, die schon zum wiederholten Mal auf der Paris Photo ausstellt, gehörte mit neun weiteren Galerien aus Nordrhein-Westfalen zum exklusiven Kreis ausgewählter Fotografiespezialisten, deren Messebeteiligung im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des NRW-Wirtschaftsministeriums gefördert wurde. Eine Besonderheit dieser Förderung ist die Übernahme von 50 Prozent der Standkosten, die Herausgabe eines eigenen NRW-Messekatalogs und die Organisation kompetenter Führungen durch eine Kunsthistorikerin. Das Land Nordrhein-Westfalen leistet sich diese konzentrierte Präsenz jetzt bereits zum vierten Mal. Nachahmer in anderen Bundesländern haben sich bisher nicht gefunden.

Dass auf den Ständen der NRW-Galeristen viele Becher-Schüler aus verschiedenen Generationen präsentiert wurden, liegt auf der Hand. Doch der allzu sachlich-nüchterne, typologische Blick auf die Welt hat ausgedient. Die Fotografieserien der Becher-Schüler aus der zweiten und dritten Generation sind wieder subjektiver, erzählerischer und verspielter. So zeigte Gaby Kraushaar aus Düsseldorf eine Serie improvisierter Nutzgärten von Simone Nieweg (10.500 Euro) sowie Bernhard Fuchs’ narrativ angehauchte Reihe geheimnisvoll an Feldwegen, Wandrändern oder einsamen Parkplätzen abgestellter Autos im schäbigen Anti-Look (je 1.800 Euro).

Und bei Ulrich Fiedler fanden neuere Arbeiten des durch seine Aufnahmen von Containerstapeln und gigantischen Industriehallen bekannt gewordenen Frank Breuer ihre Käufer. Seine Serie von Strom- und Telefonmasten, die er in der Umgebung von Boston entdeckt hat, vereint die grafischen Qualitäten scheinbar chaotisch durch die Lüfte gespannter Versorgungsleitungen mit einem ironisch-humorvollen Augenzwinkern. Das Kommunikationsnetz der angeblich mächtigsten Nation der Welt hängt am seidenen Faden dünner Telefondrähte und wartet auf den nächsten Windstoß. Ebenfalls verkauft werden konnte am Stand Ulrich Fiedlers eine großformatige Fotografie Hiroshi Sugimotos für 60.000 Euro. Die aktuelle Ausstellung dieses konzeptuellen Fotografen in der Fondation Cartier unter anderem mit Detailaufnahmen früh-industrieller Apparate und Maschinen dürfte hier wohl als Katalysator gewirkt haben. Sie ist dort noch bis zum 27. Februar 2005 zu sehen.

Wer zum glücklichen Kreis der VIP-Card-Besitzer gehörte, kam sogar in den Genuss einer exklusiven Privatführung mit Sugimoto und dem Pariser Fotografen und Filmemacher Raymond Depardon. Daneben bot das auf Top-Sammler beschränkte VIP-Programm unter dem Titel „Close up“ jeden Tag eine Reihe exklusiver Ausstellungs- und Sammlungsbesuche in Anwesenheit von Künstlern und Kuratoren. Bei einer Versteigerung von Fotografien unter anderem aus den Archiven von Keystone und Gamma im Pariser Auktionshaus Artcurial kamen beispielsweise Parisaufnahmen von Willy Ronis aus den 1950er Jahren unter den Hammer. Außerdem im Angebot waren Fotografien von Hans Namuth, die Jackson Pollock in seinem Atelier beim Malen zeigen. Nach dem Hammer durfte dann im leer geräumten Auktionssaal das Tanzbein geschwungen werden. Als DJ betätigte sich kein geringerer als der Co-Direktor des auf aktuelle Kunsttrends spezialisierten Pariser Ausstellungshauses Palais de Tokyo, Jerôme Sans. Kurzum: Das „Close up“-Programm war eine runde Sache. Die Pariser wissen eben, wie man seine Gäste bei Laune hält.

Zum Schluss sei noch das Gastland der diesjährigen Paris Photo erwähnt. Die Wahl fiel in auf die Schweiz. Ein Land, aus dem nicht nur berühmte Fotografen wie Robert Frank oder René Burri stammen, sondern das mit dem Fotomuseum Winterthur auch über die wichtigste museale Plattform für das Medium Fotografie im deutschsprachigen Raum verfügt. Daneben sorgen exzellente Fotoabteilungen in den Kunsthochschulen etwa in Zürich und Genf für den künstlerischen Nachwuchs. So lag es auch auf der Hand, dass im diesjährigen Statement-Segment neben etablierten Positionen wie etwa John Armleder vorwiegend jüngere Schweizer Hochschulabsolventen zu sehen waren. Und einer von ihnen, nämlich Jules Spinatsch, erhielt auch den in diesem Jahr erstmals vergebenen und mit 12.000 Euro dotierten „Prix BMW Paris Photo“. Seine Serie „Temporary Discomfort“ ist eine fotografische Bestandsaufnahme des temporären Ausnahmezustands während des Weltwirtschaftsgipfels in Davos. Sie war zusammen mit der Serie „Snow-Management“, einer kritischen Auseinandersetzung mit den massiven Eingriffen in die alpine Natur zugunsten des Wintersports, bei der Züricher Galerie Ausstellungsraum 25 zu sehen.

Großen Wert legte die Messeleitung in diesem Jahr auch auf die Beteiligung von Galerien, die sich nicht als reine Fotospezialisten verstehen, sondern ein gemischtes zeitgenössisches Programm fahren. Bugdahn und Kaimer aus Düsseldorf, Torch Gallery aus Amsterdam etwa oder die Hamburger Galerie Sfeir-Semler. Neben Elger Essers Bearbeitungen von historischen Postkarten (3.800 bis 20.000 Euro) waren hier auch Leuchtkästen von Daniele Buetti (5.800 bis 12.500 Euro) und eine neue Arbeit der libanesischen Atlas Group zu sehen. Walid Ra’ads Set mit Fotografien von hybriden Praxisschildern aus Beirut sowohl in lateinischer als auch in arabischer Schrift hing für 22.000 Euro an der Wand des Standes.

Die nächste Paris Photo findet vom 17. bis 20. November 2005 wieder in den eleganten Sälen des Carrousel du Louvre statt. Das Gastland wird dann Spanien sein.

www.parisphoto.fr



28.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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