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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach hat sich mit einem Beckmann-Gemälde viel vorgenommen: ein Selbstbildnis des Expressionisten soll das teuerste Objekt im deutschen Auktionsmarkt werden. Aber auch Werke aus der Sammlung Otto gehören zu den Highlights der Versteigerung

Der Fetisch der Kunst



Max Beckmann,  Selbstbildnis gelb-rosa, 1943

Max Beckmann, Selbstbildnis gelb-rosa, 1943

Die Elogen über das Gemälde hören sich vollmundig an, treffen aber auch zu: Das Berliner Auktionshaus Grisebach preist Max Beckmanns „Selbstbildnis gelb-rosa“ von 1943 als „Meisterwerk der deutschen Kunstgeschichte an, wie es in Deutschland nach 1945 keines auf dem Auktionsmarkt gegeben hat“. Mit dem Spitzenlos der Herbstsaison, das auch auf internationalem Parkett keine schlechte Figur machen würde, will der Berliner Versteigerer nun Geschichte schreiben und es zum bestbezahlten Kunstwerk im deutschen Auktionsmarkt aufsteigen lassen. Diesen Titel hält seit vergangenem Jahr das Stuttgarter Auktionshaus Nagel, das in seiner Asiatika-Auktion für die chinesische Bronzeskulptur der Gottheit Vajrabhairava netto 9,5 Millionen Euro erlöste. Doch mit dem stillen frontalen Portrait, in dem sich Beckmann mit übereinandergelegten Armen auf der Brust in einer Art Gebetshaltung und einem wissenden, aber nur angedeuteten Lächeln zeigt, dürfte dieser Wert schnell verblassen. Denn seine Selbstbildnisse sind international begehrt: Eines mit Waldhorn von 1938 brachte bei Sotheby’s im Jahr 2001 netto 20,5 Millionen Dollar, vier Jahre später das „Selbstbildnis mit Glaskugel“ 15 Millionen Dollar.


An diesen Werten orientiert sich nun auch Grisebach und kalkuliert bei der Versteigerung am 1. Dezember mit über 20 Millionen Euro. Dass es sich damit wohl nicht verrechnet, liegt auch an der Provenienz. Denn Beckmanns Gemälde, das er im existenzbedrohenden Amsterdamer Exil schuf und seiner Frau schenkte, wechselte bisher nur einmal den Besitzer: Aus Mathilde Beckmanns Nachlass ging es 1996 über die Berliner Galerie Pels-Leusden in Schweizer Privatbesitz und kommt jetzt erstmals auf eine Auktion. Aber nicht nur mit Beckmann kann Grisebach punkten. Das gibt es etwa noch Otto Dix’ „Katzen (Theodor Däubler gewidmet)“. Das metallisch glänzende, unbekümmerte, fast naive Gemälde mit drei Katzen, die frohgemut auf den Dächern einer Großstadt herumgeistern und zum Mond klettern, entstand 1920 auf dem Höhepunkt von Dix’ Dada-Phase und verlangt als Werk aus dem Nachlass 800.000 bis 1.200.000 Euro. Seine bekannte veristische Ader schlägt sich dann in dem überzeichneten Aquarell „Mädchen mit roter Tasche“ und großen, strahlend blauen Augen von 1924 nieder (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Darauf folgt ebenfalls mit gesellschaftskritischem Gestus der wenig bekannte Georg Kinzer, der um 1930/33 in der Berliner Tauentzienstraße einen „Blinden Bettler“ und hinter ihm in den vollen Warenauslagen eines großen Kaufhauses die sozialen Missstände der Zeit entdeckte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Als Chronist des proletarischen Lebens erweist sich Hans Baluschek, der in seinem „Frühling“ von 1911 einen Vagabunden in Rückenansicht von erhöhtem Standpunkt über eine Großstadtstraße mit Industrieanlagen und Mietskasernen blicken lässt. Mit 80.000 bis 120.000 Euro strebt Grisebach einen Spitzenplatz im Ranking des Berliner Realisten an. In seinem Frühwerk interessierte sich auch Max Liebermann für die Welt der einfachen Menschen und schuf naturalistische Werke mit sozialer Thematik, etwa nach prägenden Aufenthalten in Frankreich und den Niederlanden 1888 seine „Schafherde“ samt Schäfer unter mehreren Baumreihen (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Später rückte dann das großbürgerliche Leben in seinen impressionistischen Fokus, etwa der „Reiter am Meer nach rechts“ von 1912 (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR) oder der „Corso auf dem Monte Pincio in Rom“ von 1930/32 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Auf fast gleichem Niveau rangieren Liebermanns wohl 1929 furios gemalte „Blumenstauden im Nutzgarten nach Nordwesten“: Vom Naturvorbild fast gänzlich losgelöst, gestaltet er die Vegetationsfülle und das Licht allein durch die Farben (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Sich selbst zeigt Liebermann 1923 auf einer Kreidezeichnung als distinguierten älteren Herrn mit kritischem Geist, die wie die „Schafherde“ und der „Reiter am Meer“ aus der Sammlung von Maren Otto stammt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Der Geschmack einer Unternehmergattin

Die Witwe des Versandhausgründers Werner Otto interessierte sich aber auch für Egon Schieles innige Umarmung von „Mutter und Kind“ auf einer Kreidezeichnung des Jahres 1918 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), für Wassily Kandinskys kleine aquarellierte Abstraktion aus dem Jahr 1928 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder für Lovis Corinths flott auf die Leinwand geworfenes Portrait von „Erika“, der Tochter seines Wirts im Heiligendammer Sommerurlaub des Jahres 1916 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Fast 20 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen aus der Sammlung Otto hat Grisebach in die 57 Positionen der „Ausgewählten Werke“ integriert. Sie spiegeln die Geschmacksvielfalt von Maren Otto, die auch ein Vorliebe für das Preußische hatte und sich unter anderem Christian Daniel Rauchs spätklassizistische Marmorbüste von „Friedrich dem Großen nach Schadow“ um 1841/43 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder Eduard Gaertners biedermeierlichen „Blick in die Straße Unter der Linden, Ecke Charlottenstraße, mit dem Hôtel de St. Petersbourg“ von 1843 zulegte (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Drei vergoldete Bronzen aus Karl Friedrich Schinkels Folge „Ritt der Nereiden“ von 1827, die wohl aus dem Wintergarten des Berliner Prinz Albrecht-Palais stammten, standen ebenfalls bei den Ottos (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR), und Philips Wouwermans Petitesse einer um 1643 gemalten „Falkenjagd“ hing an ihren Wänden (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Aber auch George Segals ikonische „Woman on Park Bench“, eine vom Menschen direkt mit Gips abgenommene, dann in Bronze gegossene und weiß patinierte Figur, die seit 1998 vom Werden, Sein und Vergehen jeder Existenz erzählt (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), stand auf Maren Ottos Einkaufsliste, ebenso wie die zweiteilige Bronzeplastik „Sitting Figures“ des britischen Bildhauers Lynn Chadwick. Für die 1979/80 sechsmal gegossenen, überlebensgroßen Gestalten mit ihren charakteristischen eckigen Köpfen hat Grisebach einen Spitzenplatz von 800.000 bis 1.200.000 Euro vorgesehen.

Da Grisebach in diesem Herbst keine eigene Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts aufgelegt hat, tummeln sich auch außerhalb der Otto-Sammlung bei den „Ausgewählten Werken“ Pretiosen Neuerer Meister, etwa die fast entmaterialisierte Sicht in die Apsiskalotte des Würzburger Käppeles, die Adolph von Menzel 1890 dem Rokoko entsprechend furios mit Zimmermannsbleistift aufs Papier geworfen hat (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Doch das meiste stammt aus dem 20. Jahrhundert. Den deutschen Expressionismus vertreten etwa noch Hermann Max Pechstein mit seiner Urlaubserinnerung „Fischerhäuser in Nidden“, gemalt im Sommer 1909 mit wogenden Feldern unter gelb glühender Sonne (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR), oder Gabriele Münter mit ihrer von Farbflächen, kräftigen dunklen Konturlinien und abstrahierten Naturformen komplementär aufgebauten „Herbstlichen Landstraße“ aus dem Jahr 1910 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Ein seltener Gast auf deutschen Auktionen ist der Belgier Victor Servranckx, der vom Kubismus, Konstruktivismus und Surrealismus beeinflusst abstrakte Gemälde schuf, die dennoch eine soziale Utopie erfüllen sollten. Dafür stehen seine mensch-maschinenartige Komposition „Opus 9“ von 1924 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) und sein „Opus 5“ von 1927, das mit seinem Untertitel „Das Neue Frankfurt“ auf die ambitionierte Frankfurter Stadtplanung von Ernst May in den 1920er Jahren anspielt (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Mit Ernst Wilhelm Nays frei schwingender „Figurale – Nausikaa“ von 1950 erreicht das Angebot dann die Nachkriegsepoche, der sich Wojciech Fangors pulsierende Kreiskomposition „B 26“ mit Op-Art-Effekten von 1965 anschließt (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Von hoher Intensität zeugt Hermann Nitschs gestische „Kreuzwegstation“ von 1992. Das monumentale Werk in pastosem Rot mit integriertem Malhemd hing seit 1993 als Leihgabe im Saarlandmuseum und soll nun 180.000 bis 240.000 Euro einspielen.

Abstraktion und Figuration treffen sich in Roy Lichtensteins Lackserigrafie „Water Lily Pond with Reflections“ von 1992, die als Hommage an Claude Monet die Reflektionen der Wasseroberfläche mittels Aussparung der Farbe auf dem Edelstahlgrund erzeugt (Taxe 220.000 bis 280.000 EUR), ebenso in Marwans Farbberg von 1975, aus dem dann doch ein „Kopf“ auftaucht (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Preislicher Höhepunkt in der Versteigerung „Zeitgenössische Kunst“, mit der Grisebach am 2. Dezember seine Auktionsrunde abschließt, ist Rosemarie Trockels monochromes titelloses Strickbild von 1990. Das intensive Blau suggeriert Tiefe, lässt den Betrachter in den abstrakten Bildraum eintauchen und ist doch ein Beleg für Trockels entschiedene Gender- und Medienkritik (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Als Künstlerin tritt Martha Jungwirth hinzu, die in ihrem großformatigen Aquarell „Portrait“ von 1991 aus dem Wirbel an Strichen und Punkten einen menschlichen Körper entstehen lässt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auf gleichem Niveau notiert Katharina Grosses Farbbahnenüberlagerung in verschiedenen Rot-Violett-Tönen von 1999, während Sylvie Fleury mit ihrer rosafarbenen Straußenfederboa „Deep and Dark“ von 2004 und Monica Bonvicini mit ihrem lederummantelten schwarzen Hammer „Leather Tool“ von 2009 dem Fetisch in der Kunst den Weg bahnen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR bzw. 8.000 bis 12.000 EUR).

Um noch mehr internationale Sichtbarkeit und Reichweite für die Fotografie zu erreichen, findet die entsprechende Auktion in dieser Herbstrunde ausschließlich online statt und endet am 4. Dezember. Daher liegen diesmal nur drei gedruckte Kataloge mit insgesamt 481 Positionen vor, die eine mittlere Schätzpreissumme von 42,5 Millionen Euro einspielen sollen.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



28.11.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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