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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Nicht alles, was Lempertz in seinem Evening Sale an hochpreisiger Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aufbot, wurde übernommen. Doch auch neue Rekordpreise waren in Köln an der Tagesordnung

Nachkriegsvisionen



Sie haben die Welt schon ein wenig aus den Fugen gebracht, die beiden „Dachgeister“, die auf Gert Heinrich Wollheims naiv-fantastischer Leinwand aus dem Jahr 1922 ihr Unwesen treiben. Der Blick über die Dächer in den Himmel weckt Erinnerungen an ein Schlachtfeld: ein abgeschlagenes Wagenrad dreht sich neben einer blutroten Sonne, aus dem Schornstein quillt zähflüssiger Rauch abwärts, ein Baum schwebt losgelöst im Himmel, und die beiden Spukgestalten bejubeln die große Unordnung. Das alles mag treffend Wollheims Sicht auf den Ersten Weltkrieg einfangen, den er anklagend selbst beschrieb: „Habt ihr nicht den Krieg erst gesehen, ihr lieben Staatsbürger, mordende Schweinerei, welche Eigenschaft man ja an einem Tier noch bespeien würde und einen Gott auf Erden sich zu schämen zwänge ob seines misslungenen Werkes.“ Doch Wollheim malte auch ein wenig Hoffnung ins Bild: einen schwebenden Olivenzweig als Zeichen des Friedens hoch oben am Himmel und das himmlische Jerusalem, das bereits schemenhaft auftaucht.


Die „Dachgeister“ aus Wollheims brodelnden anarchischen Düsseldorfer Jahren waren nun einer der Höhepunkte im Evening Sale bei Lempertz in Köln. Seit Ende der 1940er Jahre in rheinischem Familienbesitz beheimatet und damit frisch auf dem Kunstmarkt, konnte sich eine Sammlung aus den USA erst zum neuen Wollheim-Rekord von 160.000 Euro gegen die Konkurrenz durchsetzen (Taxe 30.000 EUR). Noch mit einem zweiten Spitzenwert punktete Lempertz am 1. Juni. Schon allein die Schätzung von 150.000 bis 170.000 Euro hätte für Karl Hartungs über zwei Meter lange Bronzeplastik „Große Liegende“ einen Auktionsrekord bedeutet. Die träumerische Aktfigur von 1951 aus additiv zusammengesetzten, vereinfachten Körperformen in einer wellenförmigen Bewegung entschwand aber erst bei 480.000 Euro in eine Berliner Kollektion. Diesen Tageshöchstwert gab es dann doch einmal für Zdenek Sýkora, einen Stammgast im Kölner Auktionshaus. Für seine intensiven Farbbänder der „Linie Nr. 102“, die seit 1992 in trägen Wellenbewegungen horizontal durch den quadratischen Bildraum gleiten, interessierte sich letztendlich ein tschechischer Bieter (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR).

Bei Günther Förg musste es dann der Nachverkauf richten. Seine unbetitelte Folge aus sechs hochrechteckigen Einzelbilder von 1989, die im rechten Viertel der unterschiedlich monochromen Farbflächen jeweils eine vertikale Linie in dunklem Rot aufweisen, ging an der unteren Schätzgrenze von 500.000 Euro weg. Darüber hinaus musste Lempertz im Evening Sale, der mit einer losbezogenen Verkaufsrate von 67 Prozent abschloss, auf einige sechsstellige Einnahmen verzichten, etwa auf Karl Hofers stilles „Mädchen am Fenster“ von 1942 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), Hermann Max Pechsteins gemäßigt expressive „Bäuerin aus Nidden“ von 1909 (Taxe 140.000 bis 160.000 EUR) oder Maurizio Cattelans Performance-Foto „Project#65“ von 1998 als Picasso- Karikatur vor Roy Lichtensteins „Interieur with Mobile“ (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Moderne Kunst

Auch Emil Noldes Ölgemälde eines recht braven, grün gewandten Jägers von 1918 wollte bei 300.000 bis 350.000 Euro niemand haben. Das teuerste Nolde-Werk der Versteigerung wurde daher das im Jahr 1946 entstandene und direkt von dem Künstler stammende Aquarell „Abendmeer mit Segelboot und Dampfer“ für abgeschlagene 90.000 Euro (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Deutlich erfolgreicher platzierte sich George Grosz mit seiner aquarellierten Federzeichnung „Ganoven an der Theke“, der damit 1922 im selben Jahr wie Wollheim seine Anschauung der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg mit bitterbösem Sarkasmus abgab. Die Ikone der Moderne aus dem Berliner Nachtleben holte sich ein Sammler von dort für 300.000 Euro (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR). Ernst Ludwig Kirchners attraktive Lithographie „Tanzende Akte“, 1914 gedruckt auf gelbem Papier, verbuchte 70.000 Euro in der Taxmitte, Kurt Schwitters’ charakteristische Collage „47 108 Willkie“ von 1947 tendierte mit 32.000 Euro zur unteren Schätzgrenze von 30.000 Euro, und August Mackes Tuschezeichnung mit gesichtslosen Gestalten „Auf der Promenade“ von 1913 lag mit einem Zuschlag von 65.000 Euro klar darunter (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Bei Lovis Corinth war die Nachfrage gespalten. Keine Kauflust regte sich bei seinem „Bacchantenzug“ von 1896, auf dem sich junge Bacchanten und Mänaden nackt um einen alten Bacchus scharen (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), während seine „Römischen Blumen“ von 1914 in ihrer Opulenz und malerischen Virtuosität bei 410.000 Euro überzeugten (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR). Sein dunkles Selbstporträt als Nürnberger Landsknecht von 1913 musste dann bis zum Nachverkauf warten, um bei 85.000 Euro erlöst zu werden (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Durchweg gut lief es für die Künstler aus Frankreich. Schweizer Handel setzte 180.000 Euro für Pierre-Auguste Renoirs zartfarbiges Gemälde „Nu debout en pied“ aus dem Jahr 1879 ein (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR), Jean Metzingers ebenso kleine divisionistische „Paysage à l’arbe rond“ um 1906 in klarem Kolorit kam auf 34.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und Jean Fautriers 1928 in Blau und Braun beinahe abstrakt gemalte „Nature morte aux fleurs“ stieg von 40.000 Euro auf 69.000 Euro. Dazu gesellte sich Lyonel Feininger mit einem Motiv aus Paris. Für die Arbeiter und Lastkähne „An der Seine“ von 1912 bewilligte ein Käufer aus dem Rheinland schlussendlich hohe 340.000 Euro (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR).

Kunst seit 1945

Eine eigene Suite hatte Lempertz mit Zeichnungen des Abstrakten Expressionismus aus einer Hongkonger Privatsammlung zusammengestellt. Doch für Arshile Gorkys und Cy Twomblys bis zu 300.000 Euro bewertete Blätter wollte sich die Kundschaft nicht begeistern. Lediglich Helen Frankenthalers blauer Farbsee mit blauer Linie, der 1968 als Titelillustration für den Gedichtband „The blue stairs“ der Lyrikerin Barbara Guest entstand, durfte sich über 90.000 Euro aus der Hand eines deutschen Sammlers freuen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ernst Wilhelm Nays Ölgemälde „Grüne Flucht“ von 1951 aus der Werkreiche der „Fugalen Bilder“ (Taxe 200.000 EUR) oder Emil Schumachers dunkle schrundige Farbwüste „Melan“ mit weißem Farbklecks von 1961 gingen wiederum leer aus (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR). Bei Karel Appels pastosen Farbschlachten war der Zuspruch dann erneut geteilt. Sein traditionelles Motiv der Badenden, 1962 in einem ungestümen Farbauftrag mit tiefen Furchen auf die Leinwand geworfen, blieb liegen (Taxe 200.000 bis 220.000 EUR), seine ein Jahr ältere, kraftvoll ausgeführte „Nue“ hielt sich an die untere Schätzgrenze von 150.000 Euro.

Neben Sýkora gehörte Georg Baselitz’ „Jäger“ während der Auktion zu den teuersten Werken. Das 2007 versatzstückhaft kombinierte Gemälde aus der Remix-Serie mit einer deutlich erkennbaren Hitler-Figur im obersten Viertel erwarb ein Kunde aus Deutschland für 460.000 Euro (Taxe 450.000 bis 550.000 EUR). A.R. Pencks Strichmännchen-Gemälde „Ich in London 1“ von 1982 spielte die anvisierten 130.000 Euro ein, ebenso Joannis Avramidis’ überlebensgroßer, extrem abstrahierter Bronzetorso „Der Schreitende (Halbprofil)“ aus den späten 1960er Jahren, der bei 80.000 Euro zurück nach Österreich wanderte. Der Kunsthandel aus der Alpenrepublik engagierte sich bei den farbintensiven zurückhaltenden „Kegelbuben“ von Werner Berg und musste in das Gemälde aus dem Jahr 1976 immerhin 125.000 Euro investieren (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Noch deutlicher war der Preissprung, den ein österreichischer Kollege in der Tagesauktion für Wolfgang Holleghas verspielte Farbabstraktion „Blaue Mütze“ aus dem Jahr 2011 aufwenden musste: Aus 20.000 Euro wurden 85.000 Euro.

Gerhard Richter ist sonst eine sichere Partie. Diesmal aber musste eine frühe Leinwand aus seiner Werkreihe der „Abstrakten Bild“ von 1976 bei 240.000 bis 280.000 Euro passen. Dafür reüssierte im Anschluss sein kleiner pastoser Farbabklatsch auf Karton „3.3.94“ von 1994 bei 160.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Für ein Exemplar aus Richters Malereiedition „Souvenir“, für die er 1995 ein bereits vorhandenes Gemälde in 64 kleine Quadrate zerschnitt und einzeln auf Karton montierte, wurden 46.000 Euro bezahlt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Im druckgrafischen Sektor war man dann mit den zwölf typischen Farbserigrafien „SP (Homage to the Square)“ von Josef Albers aus dem Jahr 1967 angelangt, bei denen ein süddeutscher Sammler erst mit dem Einsatz von 180.000 Euro seine Mitstreiter abschütteln konnte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Andy Warhol und sein bekanntes, über 300 Mal aufgelegtes Portrait von „Mick Jagger“ standen dem mit 100.000 Euro nur geringfügig nach (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Einen höheren Ausfall mussten Lempertz und der Einlieferer noch mit Herbert Brandls rotglühender Farbsymphonie mit dunklen Passagen in Braun und Grünblau hinnehmen. Das Großformat von sechs Metern Breite aus dem Jahr 2000 war auf 150.000 bis 180.000 Euro taxiert. Dieser Scharte konnte Anselm Kiefers Künstlerbuch „Die Donauquelle“ von 1978 mit dick aufgetragenen Farbkreisen auf dem Umschlag bei 38.000 Euro auch nicht ausbügeln (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die jüngeren Maler gehen ungeniert über die Grenze von Abstraktion und Figuration hinweg, so etwa Anton Henning, der sein ornamental-gegenständliches sommerliches Aktbild „Pin-up No 49“ taxkonform bei 30.000 Euro platzierte. Einen sechsstelligen Betrag generierte gegen Ende der Auktion Norbert Biskys junger muskulöser Mann samt Kaufhallen-Logo der DDR auf dem Gemälde „Neozon“ von 2020 mit 100.000 Euro (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Auch die anderen beiden homoerotischen Jungmännerbilder fanden ihre Anhänger, das noch mehr verschwommene „Devil’s Playground“ für 20.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), das größere und deutlicher ausformulierte „Boezemvriend“ bei 65.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



14.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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01.06.2022, Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst

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Kunsthaus Lempertz

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Zeitgenössische Kunst

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Impressionismus







Pierre-Auguste Renoir,  Nu debout en pied, 1879

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Taxe: 180.000 - 220.000 EURO

Zuschlag: 180.000,- EURO

Losnummer: 41

Lovis Corinth,  Römische Blume, 1914

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Taxe: 250.000 - 300.000 EURO

Zuschlag: 410.000,- EURO

Losnummer: 19

Lovis Corinth,  Selbstporträt als Nürnberger Landsknecht, 1913

Lovis Corinth, Selbstporträt als Nürnberger Landsknecht, 1913

Taxe: 100.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 85.000,- EURO

Losnummer: 28




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