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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Moderne Kunst sorgte im Wiener Dorotheum oft für satte Gewinne. Vor allem ein Maler-Bildhauer und unbekannte Tschechen sahnten kräftig ab

Italienischer Geschwindigkeitsrausch



Seiner Favoritenrolle wurde Marino Marini bei der Auktion „Moderne Kunst“ im Wiener Dorotheum unverkennbar gerecht. Keines seiner vier Werke blieb liegen, und mit einem unerwartet hohen Zuschlag von 360.000 Euro setzte sich seine Bronzegruppe „Piccolo Miracolo“ von 1955/56 an die Spitze der Versteigerung. Dafür hatte Marini sein bevorzugtes Thema Reiter und Pferd ins Rennen geschickt und eine Metapher für die Tragödien des Zweiten Weltkriegs gefunden. Denn das sich ungezähmt aufbäumende Tier hat sich der Kontrolle des Menschen entzogen, der zu Boden zu fallen droht und kaum eine Chance hat, wieder aufzustehen. Der symbiotische skulpturale Körper, in dem alles unter einer diagonalen Spannung steht und der eine apokalyptische Warnung evoziert, war mit einer Schätzung von 180.000 bis 280.000 Euro angetreten.


Auch mit seinen malerischen Arbeiten konnte Marino Marini am 31. Mai punkten. Je deutlicher das Reiter und Pferd-Motiv ausgearbeitet war, desto höher gingen die Preise. Bei der archaisch abstrahierten Collagemalerei „Millepiedi“ orientierten sie sich mit 36.000 Euro an den Vorgaben, ebenso bei seiner Leinwand „Miracolo di colore“, auf der sich Pferd und Reiter, inspiriert vom Kubismus und der Kunst der Etrusker, zu einer Naturabstraktion vereinen und der Stürzende mit weit gespreizten Beinen und emporgeworfenen Armen dem Betrachter entgegenfällt, mit 150.000 Euro. Kein Halten mehr gab es dann bei dem „Cavallo e cavaliere“ mit sitzendem, aber kreuzförmig verdoppeltem Reiter. Die günstig bewertete Temperamalerei auf Papier von 1949 schoss von 25.000 Euro auf 165.000 Euro.

Mit einem Absatz von über Dreiviertel der Positionen, dem Verkauf fast aller Toplose und einigen einträglichen Steigerungen konnte das Dorotheum die Auktion auf der Habenseite verbuchen. Neben Marini sagten der Kundschaft die italienischen Arbeiten weitgehend zu, vor allem aus dem Futurismus. So konnte sich Giacomo Balla für seine Zeichnung „Auto in corsa-linee di velocità“, 1912 in eine kreisende Wellen- und zackige Dreiecksbewegung zergliedert, über 82.000 Euro freuen (Taxe 28.000 bis 38.000 EUR), Fortunato Depero für seine in den USA gemalte, stilisierte Aktlandschaft „Mongolfiera sopra New Milford“ von 1948 über 140.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Giorgio de Chirico beteiligte sich mit der neobarocken Vedute „Venezia. Canal Grande“ samt Blick auf Santa Maria della Salute von 1956 für taxkonforme 120.000 Euro, während Mario Tozzi für seine in sich gekehrte „Nuda col libro“ mit Fensteraussicht von 1927 gute 28.000 Euro generierte (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Mario Sironis um 1958 dick in Weiß aufgespachtelte und kaum mehr erkennbare „Figure“ verabschiedenden sich erst bei 55.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Zum italienischen Kulturkreis gehört auch der aus Spanien eingewanderte Xavier Bueno, der mit zwei stillen Menschenbildern überzeugte: Sowohl seine „Bambina vestita di rosso al tavolo“ von etwa 1956/57, als auch seine gleichaltrigen „Giocatori di carte“ ließen sich mit jeweils 13.000 Euro gut an (Taxe je 6.500 bis 8.500 EUR).

Aus dem Nachlass des tschechischen Architekten Karel Koželka stammten sechs Gemälde seiner Malerfreunde Kamil Lhoták, Zdenek Rykr und Josef Liesler, die von den Sammlern heftig umworben wurden. Überraschende Höhepunkte waren Lhotáks gelbes, ruhig schwebendes „Luftschiff“ in stiller Industrielandschaft für 100.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und vor allem Rykrs auf graue und schwarze Töne beschränktes, kubistisches Stillleben mit Karaffe und Obstkorb von 1920 zum neuen Rekordwert von 115.000 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Trotz seiner etwas blassen Erscheinung verdreifachte František Kupkas Aquarell mit einer ungegenständlichen Kreise-Linien-Überschneidung aus den frühen 1930er Jahren seinen Wert auf 30.000 Euro.

Auch bei der französischen Kunst gab es einige Gründe zum Feiern, vor allem für Marc Chagall. Seine frühe Gouache- und Pastellmalerei „Animal fabuleux“ von 1926/27 mit einem farbenfrohen Fabeltier, das in leichtfüßig schwingender Atmosphäre auf seinem ausgestreckten Bein ein kleines Bett mit einer nackten Frau trägt, reüssierte bei 215.000 Euro (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Dem stand Victor Brauner mit seiner kuriosen surrealistischen Leinwand „La leçon de Twist“ von 1962, auf der ein weibliches und ein männliches Wesen in schematischer Naivität einen flächigen zweidimensionalen Tanz ausführen, bei 210.000 Euro kaum nach (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Bernard Buffets in goldene Brauntöne getauchte, charakteristisch erstarrte Herbstlandschaft „Environs de Vichy, le Bourbonnais en automne“ von 1974 scherte bei 150.000 Euro aus dieser Erfolgsserie nicht aus (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Über den Schätzungen platzierten sich zudem Fernand Légers Studie zu seinem Gemälde „Les Constructeurs“ von 1952 bei 85.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), sein etwas älterer Bühnenbildentwurf „Decor pour Opéra Bolivar“ bei 22.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Joan Mirós auf wenige Linien reduzierte und in den Grundfarben kolorierte Radierung „Lapidari IX“ von 1981 bei 24.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR) oder Pierre-Auguste Renoirs Farblithografie mit den heiteren „Enfants jouant à la balle“, ein Probedruck um 1900 neben einer Edition von 200 Exemplaren, für 20.000 Euro (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Auch alle vier Keramikentwürfe Pablo Picassos gingen weg, an erster Stelle seine schwarz-weiß engobierte Vase in Frauengestalt mit zwei Armhenkeln von 1953 für 28.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Bei der Kunst aus Deutschland gab es mehr Zurückhaltung. Keinen Abnehmer fanden die beiden schwarzweißen kantigen Holzschnitte „Stafelalp“ und „Berghaus mit Gewitterwolke“ von Ernst Ludwig Kirchner oder Leo Putz’ postimpressionistischer „Stehender Akt“ in einem sommerlichen Waldstück von 1906 (Taxen zwischen 40.000 bis 60.000 EUR). Auch das expressionistische farbtrunkene Blumenstillleben der Deutsch-Jüdin Irma Stern von 1929 verfehlte bei 160.000 bis 180.000 Euro seine Wirkung auf die Käufer. So blieb es Alexej von Jawlensky vorbehalten, mit seiner typischen Landschaftsabstraktion „Variation: Winter, 1915 N.54“ bei 120.000 Euro an der unteren Schätzgrenze das Preismaximum in dieser Rubrik zu setzen. Von den vier Zeichnungen Paul Klees wurde insbesondere das linienbetonte spartanische Früchtestillleben von 1928 mit 40.000 Euro umworben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Gut behauptete sich ferner Charles Johann Palmiés pointillistische abendliche Gartenlandschaft an einem Fluss wohl bei Giverny für 20.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

In der österreichischen Abteilung gab es wiederum einen deutlichen Ausreißer nach oben. Der gelang Gustav Klimt mit seiner furiosen Porträtskizze zu dem unvollendeten Gemälde „Bildnis Ria Munk III“ von 1917/18 bei 210.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Die übrigen sieben Blätter Klimts kamen im Rahmen der Erwartungen oder leicht darunter bis zu 32.000 Euro ans Ziel. Der eigentliche Spitzenreiter hätte Werner Bergs „Sommerabend im Dorf“ von 1958 werden sollen. Doch sein menschenleerer Blick auf die Kirche St. Stefan in Globasnitz im Komplementärkontrast aus Violett und Gelb musste bis zum Nachverkauf warten, um bei untertourigen 120.000 Euro erlöst zu werden. Dafür lockte Ludwig Heinrich Jungnickel mit seinem expressiven Gemälde „Das Gewitter“ in bewegten Pinselstrichen von 1913 und nahm mit der Anspielung auf die biblische Geschichte der Sintflut, versetzt in eine alpine Szenerie, die von Wassermassen überflutet wird, gewinnbringende 34.000 Euro ein (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Weitaus friedlicher ging es auf Josef Stoitzners abendlichen Talblick mit dem titelgebenden „Marterl“ in Niederösterreich zu, doch auch hier schwangen sich die Gebote von 12.000 Euro auf 22.000 Euro auf. Bewegt war dagegen Erika Giovanna Kliens Buchstabenkomposition „Schönberg Quintet for Wind Op. 26“, die wie der Entwurf einer Schallplattenhülle erscheint, und dynamisch auch die Käufer, die ihren Wettstreit erst bei 30.000 Euro beendeten (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR). Mit 24.000 Euro reichte Gerhild Diesners farbgesättigte alpine „Landschaft mit gelber Brücke“ von 1955 nicht ganz an ihre Schätzungen von mindestens 28.000 Euro heran, ebenso Anton Mahringers noch weiter abstrahierte Landschaftserinnerung „Julier mit blühendem Baum“ von 1970 mit 15.000 Euro (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR). Besser hatte es da Fritz Wotrubas aus einzelnen kleinen Blöcken gebildete „Stehende Figur, monumental III“. Die Bronzestudie zu seinem Denkmal für Richard Wagner in Mainz von 1968 erreichte mit 32.000 Euro die obere Schätzgrenze.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



26.07.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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