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Die sehenswerte Ausstellung „Transatlantic Modernisms“ im Mu.ZEE in Ostende liefert den Beweis, dass es in der Kunst schon lange vor Düsenjet und Internet möglich war, sich erfolgreich international zu vernetzen

Von der Nordsee an den Río de la Plata



Víctor Delhez, Compositie met driehoek, um 1926

Víctor Delhez, Compositie met driehoek, um 1926

Was haben die Geschichten der belgischen und der argentinischen Kunst zwischen den Jahren 1910 und 1958 miteinander gemeinsam? Nicht allzu viel, denkt man im ersten Moment, liegen doch mehr als 11.000 Kilometer Luftlinie zwischen den Hauptstädten Brüssel und Buenos Aires. Dass dem jedoch nicht so ist und es gerade zwischen den Avantgardekünstler*innen dieser beiden so weit voneinander entfernten Länder einen regen Austausch gegeben hat, zeigt jetzt eine Ausstellung im Mu.ZEE, dem auf belgische Kunst von 1880 bis heute spezialisierten Museum im flämischen Seebad Ostende. Unter dem Titel „België-Argentinië. Trans-Atlantische modernismen“ untersucht die breit angelegte Schau die vielfältigen Verbindungen und persönlichen Kontakte zwischen belgischen und argentinischen Kunstschaffenden, Kritikern, Sammlern und Kunstförderern im Laufe von fünf Jahrzehnten.


Und sie vermittelt, wie kulturell nahe gerade Buenos Aires lange Zeit den europäischen Kunstmetropolen war. 1910 war Buenos Aires die größte Stadt Südamerikas sowie die achtgrößte und zudem eine der reichsten Metropolen der Welt. Jedoch ist ein gewisses Ungleichgewicht zu verzeichnen. Während es in Argentinien in großer Regelmäßigkeit Präsentationen mit Kunst aus Belgien gab, die von Diplomaten, Kunsthändlern, Museen oder im Falle der „Exposición Internacional del Centenario“ 1910 anlässlich der Feiern zum 100. Jahrestag der Mai-Revolution auch von der Regierung organisiert wurden, dauerte es in Belgien bis zur Weltausstellung von 1958, bis man dort exklusiv argentinischer Kunst widmete. Anders die Entwicklung in Argentinien. „Belgische Kunst wurde zu einem Teil des kunsthistorischen Narrativs, das vom Nationalen Museum der Schönen Künste, dem Zentrum der offiziellen Kunstszene von Buenos Aires, repräsentiert wurde“, schreiben Laurens Dhaenens und Adriaan Gonnissen in ihrem Katalogessay zur bilateralen Ausstellungshistorie. Grund genug für sie, dieses Phänomen einmal näher zu beleuchten.

Im Eingangsbereich der Schau weist eine Wandtapete auf bemerkenswerte transatlantische Beziehungen hin. Kurioserweise gab es im Jahr 1912 einmal den Versuch eines Belgiers und eines Italieners, an der argentinischen Atlantikküste, rund 360 Kilometer von Buenos Aires entfernt, ein argentinisches Ostende zu gründen. Die hochtrabenden Pläne sahen ein luxuriöses Seebad vor, das, wäre alles gut gegangen, womöglich noch prächtiger dagestanden hätte als das belgische Original. Geplant war, zunächst 500 belgische Familien direkt dort anzusiedeln. Doch unter anderem der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte dazu, dass das Projekt buchstäblich im Sande verlief. Bis heute gilt das letzten Endes klein gebliebene argentinische Ostende als eher verschlafenes Kuriosum an der Atlantikküste.

Im Mittelpunkt der Schau im Mu.ZEE steht das Wirken von vier Persönlichkeiten, die quasi als Katalysatoren für den intensiven Austausch zwischen den Kunstszenen der beiden Länder gewirkt haben. Dies waren der belgisch-argentinische Künstler und später einflussreiche Kunstkritiker Julio Payró (1899-1971), den eine lebenslange Freundschaft mit dem belgischen Surrealisten Paul Delvaux verband, der Künstler Víctor Delhez (1902-1985), der nach dem Tod seiner Eltern nach Argentinien auswanderte, Ignacio Pirovano (1909-1980), ein argentinischer Anwalt und Sammler insbesondere der Werke von Georges Vantongerloo (1886-1965), und schließlich dieser selbst als vierter Protagonist.

Daneben jedoch sind weitere zahlreiche Werke anderer Künstlerinnen und Künstler zu sehen, darunter etwa geometrisch-abstrakte Arbeiten von Lidy Prati (1921-2008) oder Tomás Maldonado (1922-2018), Mitgliedern der Gruppe Nueva Visión, die sich direkt auf Vantongerloos Ideen bezogen. Ein eigenes Kapitel ist sozialkritischen Visionen gewidmet, die mit gewissen Parallelen zu Malern der Neuen Sachlichkeit in Deutschland das pulsierende großstädtische Leben und seine Kehrseiten wie Armut oder Prostitution behandeln: So lässt etwa Guillermo Facio Hebequer (1889-1935) auf seiner Farblithografie „Calle Corrientes“ eine barbusige Tänzerin vor nächtlichen Leuchtreklamen auftreten, während im Hintergrund fratzenhafte Männergesichter auf sie herabstarren.

Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts der Katholischen Universität Löwen. Das vierköpfige Kurator*innenteam Juan Cruz Andrada, Adriaan Gonnissen, Laurens Dhaenens und Emma Driesprong befasste sich mit der Frage, wie die künstlerischen Bande zwischen den zwei Ländern geknüpft wurden und, einmal etabliert, über viele Jahrzehnte fortwirkten. Dabei stießen sie auf impulsgebende Einzelpersonen, transatlantische Netzwerke, wichtige Ausstellungen, Publikationen, Magazine und Briefwechsel.

Eine der schillerndsten Figuren ist der 1902 in Antwerpen geborene Künstler Víctor Delhez, der in Ostende mit zahlreichen, schwarz-weißen expressionistischen Holzschnitten von Städten und labyrinthartigen architektonischen Fantasien, aber auch eher noch vom Konstruktivismus geprägten abstrakten Kompositionen vertreten ist, etwa mit dem Blatt „Compositie met driehoek“ um 1926. Delhez war 23 Jahre alt, als seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Er entschloss sich daraufhin, ein neues Leben anzufangen und nach Argentinien zu emigrieren. Seinem bevorzugten Medium, dem Holzschnitt, blieb er sechs Jahrzehnte lang treu. Häufig bezog er sich auf literarische Vorlagen. So schuf er von Gedichten Charles Baudelaires oder Romanen Fjodor Dostojewskis inspirierte Werke, denen häufig etwas Düster-Unheilvolles anhaftet. Auf dem Blatt „Bouwkunst en Heimwee XV“ von 1947/55 kombiniert Delhez eine dicht verschachtelte Stadtlandschaft und modern anmutende Wolkenkratzer mit mittelalterlich wirkenden Bollwerken und turmartigen Gebilden, die an Pieter Bruegels „Turmbau zu Babel“ von 1563 denken lassen. Die Modernität der Neuen Welt scheint hier mit den Traditionen des alten Europa zu ringen.

Ein großes Augenmerk wirft die Schau zudem auf Georges Vantongerloo, dessen frühes Œuvre enge Verbindungen zu Repräsentanten der niederländischen Künstlergruppe De Stijl, namentlich Piet Mondrian und Theo van Doesburg, hat. Im Jahr 1931 schloss er sich dann der Bewegung Abstraction-Création an. Obwohl der in Paris lebende und arbeitende Vantongerloo mit wichtigen Künstlern, unter anderem Max Bill, eng befreundet war, wäre sein Werk wohl nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa nahezu vollkommen in Vergessenheit geraten, hätte er nicht im fernen Argentinien den von seiner Kunst geradezu besessenen Sammler und Förderer Ignacio Pirovano gehabt. Der Südamerikaner erwarb über viele Jahre immer wieder neue Arbeiten Vantongerloos. Nur einen Monat nach dem Tod des Künstlers im Oktober 1965 organisierte er im Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires eine Gedenkausstellung zum Schaffen des Belgiers aus seiner eigenen Sammlung und der seiner Tante und übereignete später seine Kollektion dem Museo de Arte Moderno in Buenos Aires. In Argentinien gilt Vantongerloo daher bis heute als einer der wichtigsten Repräsentanten der konstruktivistischen Kunst.

Neben etlichen Gemälden, Arbeiten auf Papier und großformatigen Architekturzeichnungen wartet Ostende auch mit einigen skulpturalen und objekthaften Werke Vantongerloos auf, etwa der Tischskulptur „Ligne dans l’espace“ von 1946 aus gekurvtem Draht auf einer schwarzen Bodenplatte, die in eine elegante Spiralform ausläuft und formale Ähnlichkeiten mit Werken deutscher Nachkriegskunst, etwa von Norbert Kricke oder Ernst Wilhelm Nay, aufweist. Um Vantongerloos enge Vernetzung mit den Avantgardekünstler*innen der Zwischenkriegszeit zu verdeutlichen, haben die Kurator*innen eine Fotografie aus dem Jahr 1930 als Wandtapete in den Parcours integriert. Darauf sind die Teilnehmer*innen der wichtigen Gruppenausstellung „Cercle et Carré“ in der Pariser Galerie 23 versammelt, neben Vantongerloo unter anderem auch Sophie Taeuber-Arp, Hans Arp, Florence Henri, Piet Mondrian und Friedrich Vordemberge-Gildewart.

Belgisch-argentinische Verbindungen in umgekehrter Richtung knüpfte der in Argentinien geborene Künstler und Kunstkritiker Julio Payró, der als Kind mit seinen Eltern nach Brüssel übergesiedelt war und an der dortigen Akademie Kunst studiert hatte. Nachdem er 20 Jahre in Europa gelebt hatte, zog er in die argentinische Heimat seiner Eltern zurück. Seine Ambitionen, selbst eine Karriere als Maler einzuschlagen, verwarf er jedoch bald, nachdem eines seiner Werke beim Salón Nacional de Bellas Artes zurückgewiesen worden war. Daraufhin konzentrierte er sich auf die Kunstkritik. In seinen Texten stellte Payró regelmäßig Vergleiche zwischen der Kunst beider Länder her.

Die Ausstellung konzentriert sich zwar in erster Linie auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und die vielfältigen Begegnungen zwischen belgischen und argentinischen Protagonisten, die häufig in Paris stattfanden. Sie endet jedoch mit dem Jahr 1958, in dem auf der Brüsseler Weltausstellung die transatlantischen Beziehungen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder intensiver gepflegt werden konnten. Auch Argentinien präsentierte sich und seine Künstler*innen damals in einem eigenen, avantgardistisch gestalteten Länderpavillon. Und während in Westeuropa jetzt andere künstlerische Aufbrüche und Entwicklungen einsetzten, hielt sich in Argentinien das Erbe der abstrakten Vorkriegsmoderne durchaus noch ein wenig länger.

Die Frage nach der Existenz einer Länder und Kontinente übergreifenden, universalen visuellen Sprache der Kunst lässt sich am Ende dieses Rundgangs im Mu.ZEE zumindest in Bezug auf Belgien und Argentinien im Zeitraum 1910 bis 1958 durchaus mit einem Ja beantworten. Eines zeigt die Schau nämlich ganz deutlich: Neugier, gegenseitiges Interesse und enge, jahrzehntelang haltende Freundschaften vorausgesetzt, war es lange vor der Erfindung von Düsenjets und Internet möglich, über weite Entfernungen miteinander zu kommunizieren und Ideen, Gedanken und visuelle Formen fruchtbar untereinander auszutauschen.

Die Ausstellung „België-Argentinië. Trans-Atlantische modernismen, 1910-1958“ ist bis zum 12. Juni zu sehen. Das Mu.ZEE hat täglich außer montags von 10 bis 17:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro bzw. 1 Euro. Der niederländisch-englischsprachige Katalog kostet 55 Euro.

Kontakt:

Mu.ZEE

Romestraat 11

BE-8400 Oostende

Telefon:+32 (059) 50 81 18

Telefax:+32 (059) 80 56 26

E-Mail: info@muzee.be

Startseite: www.muzee.be



16.05.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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