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Missing Link in Wien

1970 gründeten Angela Hareiter, Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz die Wiener Architekturgruppe „Missing Link“, die in den folgenden Jahren zu einer der tonangebenden Kollektive der österreichischen Kunst- und Architektur- Avantgarde aufstieg. Jetzt hat das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) das Schaffen der Gruppierung in einer umfangreichen Einzelschau aufgearbeitet. Kurator Sebastian Hackenschmidt, Kustode für Möbel und Holzarbeiten des MAK, fokussiert dabei vor allem die künstlerischen Strategien und die konzeptionelle Vorgehensweise der der drei Künstler, die in ihren interdisziplinären Projekten der 1970er Jahre immer wieder nach dem Missing Link, den fehlenden Gliedern, zwischen Mensch, Architektur, Urbanität, Kunst und sozialem Gefüge gefragt haben. Hareiter, Kapfinger und Krischanitz lernten einander als Studenten an der Technischen Hochschule Wien kennen und formierten sich mit dem Ziel, das Spektrum der Architektur losgelöst von konkreten Aufträgen und akademischen Dogmen neu zu denken.

Die Gruppe Missing Link, die bis 1980 bestand, hinterließ ein vielschichtiges und seinerzeit viel beachtetes Werk, das neben künstlerischen Installationen, Objekten, Malereien, Zeichnungen und Plakaten auch stadtsoziologische Studien, Aktionen und experimentelle Fernsehfilme umfasst. Grundstock für die nun eröffnete Schau ist der 2014 vom MAK erworbene Vorlass der Gruppe, der in den letzten Jahren um weitere Ankäufe ergänzt werden konnte. Ein Schwerpunkt der Schau liegt auf künstlerischen Aktionen und Objekten aus den frühen 1970er Jahren. In der Performance „Treffen auf dem Feld“ von 1972 wurden mit einfachsten Geräten und Requisiten soziologische Verhaltensweisen untersucht. Daraus resultierte im selben Jahr der für den ORF produzierte Film „16. November: Eine Utopie in 9 wirklichen Bildern“. In diese frühe Schaffensphase fallen auch einfache, mitunter möbelhafte Objekte wie „Betonbrecher“ oder „Tonne“, die sich als Denkmodelle mit brutalistischer Architektur und der beginnenden Ölkrise beschäftigten.

Den Abschluss der Ausstellung bildet das Spätwerk der Gruppe, darunter die Ausstellung „Austrian New Wave“. Die von Kapfinger und Krischanitz federführend betreute Schau tourte durch mehrere amerikanische Städte und gab anhand von Plakaten einen Überblick über die österreichische Architektur-Avantgarde der 1970er Jahre. Neben „Missing Link“ waren etwa auch Hermann Czech, Heinz Tesar, Rob Krier und die Gruppe „Igirien“ vertreten. Ergänzend sind in der aktuellen Ausstellung auch andere zeitgenössische Positionen zu sehen, etwa von Archizoom, Haus-Rucker-Co, Coop Himmelb(l)au, Zünd-up, Walter Pichler, Hans Hollein, Valie Export, Günther Domenig und Eilfried Huth, Joseph Beuys, Günter Brus, Ettore Sottsass, Birgit Jürgenssen und Heinz Frank. Auch historische Positionen, etwa von Otto Wagner, Josef Frank, der Architektur des Roten Wien und der Kultur der Wiener Kaffeehäuser, hat Sebastian Hackenschmidt in seine Schau integriert.

Die Ausstellung „Missing Link. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970-1980)“ ist bis zum 2. Oktober zu sehen. Das Museum für angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Jeden Dienstag von 18 bis 21 Uhr kostet er nur 7 Euro und für Jugendliche unter 19 Jahre ist er immer frei. Begleitend erscheint ein Katalog für 42 Euro im Museumsshop mit einem Werkverzeichnis der Gruppe.

MAK – Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5
A-1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 711 360

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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