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Passage II. Hommage à Watteau / Doris Ziegler

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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

In ihrer Auktion mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts beschreitet Irene Lehr in Berlin wieder bemerkenswert die unbekannten Wege der künstlerischen Entwicklung

Kunst ist höchste Form der Hoffnung



Stanislaw Kubicki,  Aufsetzender Storch II, um 1931

Stanislaw Kubicki, Aufsetzender Storch II, um 1931

Stanislaw Kubicki ist heute weitgehend vergessen. Dabei gehörte der 1889 im nordhessischen Ziegenhain geborene deutsch-polnische Maler, Dichter und Schriftsteller zwischen den beiden Weltkriegen zur Avantgarde der Berliner Kunstszene, stellte in Herwarth Waldens renommierter Galerie „Der Sturm“ aus, hatte sich ein dichtes freundschaftliches Netzwerk zu zahlreichen Künstlern wie Raoul Hausmann, Otto Freundlich, Marc Chagall, George Grosz, August Sander, Max Schwimmer, Heinrich Hoerle oder Oskar Schlemmer aufgebaut und mit ihnen mehrere progressive Vereinigungen wie „Kommune“ oder „Bunt“ ins Leben gerufen. Doch als die Nationalsozialisten auf den Plan traten, musste Kubicki 1934 nach Polen flüchten und wurde wohl im Januar 1942 im von Deutschen besetzten Warschau ermordet. Seinen Nachlass bewahrte seine ebenfalls künstlerisch tätige Ehefrau Margarete Kubicka mit ihren beiden Kindern in Berlin. Einen Teil aus diesem lange gehüteten Schatz lässt die Familie Kubicki nun im Berliner Auktionshaus von Irene Lehr versteigern – mit Kubickis prismatisch aufgebrochenem, durch stakkatohafte kurze Pinselstriche gekennzeichnetem „Aufsetzendem Storch“ als Symbol für das Leben bei 80.000 Euro an der Spitze.


Bei diesem um 1931 entstandenen Ölgemälde hatte Stanislaw Kubicki thematisch schon seine radikalen kommunistischen Ansichten aufgegeben und war zu einem ganzheitlich kosmologischen Ansatz mit einem lyrisch-mystischen Verständnis der Welt gelangt. Von seinen sozial-gesellschaftlich engagierten Ideen zeugen zwei Aquarelle Margarete Kubickas, die 1924 die neunteilige Portraitfolge „Hommage à Kubicki“ schuf: in energisch kubo-futuristischem Stil sah sie ihren Ehemann als bunt zerlegten „Agitator“ und als von Licht durchdrungenen „Buddhist“ (Taxe je 6.000 EUR). Noch als Gasthörer an der Königlichen Kunstschule in Berlin stellte Kubicki 1911 sich selbst mit kantigen Gesichtszügen in flächigem Farbaufbau und markanten Konturlinien als jungen selbstsicheren Menschen dar (Taxe 20.000 EUR).

Wie die Kubickis wechselten auch ihre Künstlerfreunde zwischen Abstraktion und Realismus, Expression und Konstruktivismus. In strak geometrisch stilisierten Formen gestaltete etwa Jankel Adler um 1922 mit Tusche und zarter Pastellkolorierung ein Selbstbildnis (Taxe 6.000 EUR), während Doris Homann in ihrer Gouache von 1923 mit gerundeten und spitzen Farbformen der Ungegenständlichkeit frönte (Taxe 3.000 EUR). Aus dem Kubicki-Nachlass treten etwa noch der Kölner Progressive Franz Wilhelm Seiwert mit seinem Pastell eines abstrahierten Kopfes vor einer Häuserwand (Taxe 6.000 EUR), Conrad Felixmüllers expressiver Holzschnitt „Der Ermordete“ von 1919 (Taxe 1.000 EUR) oder Henri van Stratens erotische Linolschnittfantasie „Les Voluptantes“ an (Taxe 400 EUR).

Frauen voraus

Neben bekannten Namen hat Irene Lehr für ihre Versteigerung am 30. April wieder etliche Pretiosen von heute wenig vertrauten Künstlerinnen und Künstlern ausfindig gemacht. Bei der Moderne glänzen etwa Theo von Brockhusens postimpressionistischer, fast menschenleere Wirtsgarten des am Schwielowsee gelegenen Gasthauses Baumgartenbrück an einem sonnigen Tag (Taxe 28.000 EUR) oder César Kleins expressionistisches „Stillleben mit Katze“, die es sich um 1918 auf einem Tisch neben einer Blumenvase, Obst und einer Schatulle gemütlich gemacht hat (Taxe 30.000 EUR). Während Otto Lange bei seinem Farbholzschnitt eines verblüfften „Mädchens mit Ente“ von 1918 auf spitze, keilförmige Konturen setzt (Taxe 7.000 EUR), schwelgt Marie-Louise Mammen bei der extravaganten Gebärde ihres sonnengelben „Mädchens aus Java“ um 1930 in gerundeten Formen (Taxe 5.000 EUR).

Für die aufstrebende weibliche Künstlerschaft in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stehen etwa noch Marianne von Werefkins bewegtes buntes Kreideblatt „Berge am Lago Maggiore bei Ascona“ um 1917, Renée Sintenis’ goldbraune Bronzefigur des grazilen reitenden „Pferdejungen“ von 1934 (Taxe je 12.000 EUR) oder der spätimpressionistische voll erblühte Blumengarten nebst einigen Birken der in Königsberg tätigen Malerin Clara Lenz (Taxe 600 EUR). Hanna Nagels im Profil gezeichnete Frau von 1927 mit schwarzem Pelzkragen und Blümchen in der übergroßen Hand ist eine pointierte Sicht auf das Älterwerden (Taxe 4.000 EUR). Gerade die Neue Sachlichkeit ist mit weiteren hervorstechenden Beispielen in der Auktion vertreten. Ernst Thoms nahm 1925 in seinem Ölgemälde „Altstadtkind I“ vor schwarzer Nachtkulisse gleichfalls den Menschen in seiner existenziellen Geworfenheit in den Blick, ebenso Erich Wegner bei seinem knorrigen „Steuermann“, der 1923 einsam auf dem Meer schippert (Taxe je 10.000 EUR). In seinen zur Mitte der 1920er Jahre aquarellierten Berlin-Motiven „An der Jannowitzbrücke“ und „Bahnhof Tiergarten“ versteckt Carl Grossberg den Menschen eher, als dass er ihn in den Mittelpunkt rückt (Taxe 4.000 und 6.000 EUR). Bei Theo Hölschers „Schleuse in Holland“, über die gerade drei Männer laufen, mischt sich Neusachliches mit einem Schuss Naiver Malerei (Taxe 3.500 EUR).

Zwei Künstler, die hauptsächlich für ihre informellen Arbeiten aus den 1950er Jahren bekannt sind, steuern zwei ihrer nur in geringem Umfang erhaltenen Werke aus der Zwischenkriegszeit bei: Otto Ritschl seine „Herbstlandschaft“ von 1920, die koloristisch noch dem Expressionismus, von der Ausformung aber schon der Neuen Sachlichkeit verbunden ist (Taxe 7.000 EUR), Fritz Winter eine Mischtechnik von 1932 mit breiten geschwungenen dunklen Pinselbahnen, auf denen mosaikartig hellere Rechtecke glänzen (Taxe 10.000 EUR). Für eine kraftvolle gestische Malweise ist K.R.H. Sonderborg bekannt. Beim Malen hörte er stets Musik, bevorzugt Jazz, was sich auch in dem rhythmischen Schaben, Wischen und Kratzen auf einer titellosen Arbeit von 1958 ausdrückt (Taxe 30.000 EUR). Geordneter geht es dagegen bei Adolf Fleischmanns „Komposition 413“ zu, in der er 1961 hochrechteckige Farbstreifen auf schwarzem Fond vertikal und seriell bündelt (Taxe 12.000 EUR), ebenso bei Günter Fruhtrunks gleichaltriger „Interpénétration. Étude 5“ und der „Vibration Grün – Blau – Schwarz“ von 1965, die aber über die Diagonale strukturiert sind. Für die beiden Pressholzplatten sind 45.000 Euro und 25.000 Euro vorgesehen. Mit ausfransenden horizontalen Linien in wässrigem Weinrot und Meeresblau gestaltete Giorgio Griffa 1971 ein Leinentuch (Taxe 6.000 EUR).

Schwarz auf Weiß

Auf die Farbe Weiß bauen Lucio Fontana bei seinem Relief „Concetto Spaziale – Teatrino“ aus vier gestanzten Kartonbögen von 1968 (Taxe 12.000 EUR) und Raimund Girke bei einer gespachtelten Schichtung der Ölfarbe von 1991 mit Schattenwirkungen (Taxe 10.000 EUR). Schwarz bevorzugten hingegen Dieter Hacker 1968 bei einer Akkumulation eiförmiger Gebilde in einem Plexiglaskasten (Taxe 2.000 EUR), Richard Serra 1981 bei einem Trapez auf seiner Aquatintaradierung „Goslar“ (Taxe 3.500 EUR) und Gary Kuehn 2002 bei seinem Acrylgemälde „Black Painting“ mit zwei ineinander verschmolzenen Ovalen (Taxe 8.000 EUR). Adolf Luther wollte 1961 mit seiner Assemblage „Relikt einer Verbrennung“, für die er zahlreiche verkohlte Streichhölzer nach Mikado-Art auf einer schwarz gefassten Hartfaserplatte aufgebracht hat, das Kunstwerk an sich entmaterialisieren (Taxe 7.000 EUR).

Zu dieser Zeit malte Arik Brauer die Szenerie „Singmaschine“ mit diffus konturierten, farbleuchtenden Figuren beim Musizieren in einer fantastischen Landschaft (Taxe 25.000 EUR). Aus dem Wiener Kunstkreis gesellt sich Alfred Hrdlicka mit seinem erotischen Kreide- und Pastellblatt „Skizze für ein jüngstes Gericht“ von 1990 bei 3.500 Euro hinzu. Die figurativen Tendenzen waren in der Nachkriegszeit vor allem bei Künstlern in der DDR ausgeprägt, etwa in den kleinteilig versonnenen Welten Gerhard Altenbourgs, der mit der ebensolchen Zeichnung „Der Mann und seine vier Frauen“ von 1955 antritt (Taxe 10.000 EUR). In Halle schuf Albert Ebert seine kleinformatigen naiv-poetischen Bilder und griff in den 1950er Jahren auch auf biblische Themen zurück, so 1954 auf „Maria und Joseph“ mit einem Esel, was an die Flucht nach Ägypten erinnert, und 1957 auf das Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ (Taxe je 9.000 EUR). Rubenssche Ausmaße und Fleischeslust nehmen dagegen die Figuren in Werner Tübkes Ölgemälde „Akte am Strand (mit Rosen unten rechts)“ von 1971 an (Taxe 40.000 EUR). Auch bei Willi Sittes „Verhör“ von 1972 muss sich ein weiblicher Akt dem seltsam mechanistischen Fragenden stellen (Taxe 10.000 EUR).

Eine verhaltene, bisweilen trostlose Stimmung verbreiten Karl Ortelt bei seiner Mutter mit Kind „Am Fenster“ von 1963 (Taxe 1.200 EUR), Stefan Plenkers mit dem Hinterhofblick auf „Zigeunerhütten“ von 1970 (Taxe 4.000 EUR) und seinem „Bootshafen“ in Sassnitz von 1976 (Taxe 9.000 EUR) oder Otto Möhwald mit seiner menschenleeren Stadtansicht „Litfaßsäule in Halle“ von 2002 (Taxe 5.000 EUR). Hans Jüchser stellt bei dem Bildnis seiner Ehefrau Helga von 1964/67 dagegen die Eleganz der Gestalt mit dem auffällig geblümten Kleid in den Vordergrund (Taxe 6.000 EUR). In das New Yorker Großstadtleben entführt Rainer Fetting den Betrachter bei seinem Hochformat „Taxi Chelsea“ von 2005, das in den Straßenschluchten der 8th Avenue dahinrauscht (Taxe 18.000 EUR). Olaf Nicolais ebenfalls hochformatige abstrakte Collagen „Landschaft I-V“ aus den frühen 1990er Jahren erinnern nur noch in einzelnen Formen und in ihrem Kolorit an ein konkretes Naturabbild (Taxe 3.000 EUR). „Die Kunst ist höchste Form der Hoffnung“, hat Gerhard Richter sich einmal geäußert. Vielleicht kann sein Farboffsetdruck seiner berühmten brennenden „Kerze I“ von 1988 ein wenig in diesen unsicheren Kriegszeiten dazu beitragen (Taxe 15.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 30. April um 12 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 28. April täglich von 11 bis 19 Uhr. Der Katalog listet die Objekte unter www.lehr-kunstauktionen.de.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95

Startseite: www.lehr-kunstauktionen.de



27.04.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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30.04.2022, Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts

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Henri van Straten,  Les Voluptantes, 1922

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Taxe: 400,- EURO

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Carl Grossberg,  Berlin. An der Jannowitzbrücke, 1928

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Taxe: 4.000,- EURO

Zuschlag: 5.800,- EURO

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Stanislaw Kubicki,  Selbstporträt I, 1911

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Taxe: 20.000,- EURO

Zuschlag: 36.000,- EURO

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Theo von Brockhusen,  Wirtshausgarten Baumgartenbrück, um 1911

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Taxe: 28.000,- EURO

Zuschlag: 25.000,- EURO

Losnummer: 51

Franz Wilhelm Seiwert,  o.T. (Kopf vor Häusern), um 1922

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Taxe: 6.000,- EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 219

Jankel Adler,  o.T. (Selbstbildnis), um 1922

Jankel Adler, o.T. (Selbstbildnis), um 1922

Taxe: 6.000,- EURO

Zuschlag: 36.000,- EURO

Losnummer: 217




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