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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Journal

Zittau feiert den 550. Geburtstag seines berühmten Fastentuches. Dessen kunsthistorische Relevanz unterstreicht eine dezentral präsentierte Auswahl jener Zeugnisse visueller Kunst vom Mittelalter bis in die Jetztzeit

Menschheitsgeschichte auf den Punkt gebracht



Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Eine prägnante Kommunikation bedeutet oft alles. So war es schon im Mittelalter. Als Exempel kann das Zittauer Fastentuch dienen. Einer alten Notiz zufolge datiert die comicartige Bildgeschichte in das Jahr 1472. Zwar blieb der Künstler unbekannt, Experten vermuten jedoch den Franziskanermönch Vincentius als möglichen Maler, der zuvor das Gewölbe seiner Klosterkirche vor Ort ausgemalt hatte. Als Stifter ist der Zittauer Gewürz- und Getreidehändler Jakob Gürtler nachgewiesen. Möglicherweise schenkte er es aus Dankbarkeit über eine glücklich durchgestandene Hungersnot. Links von der Mitte im unteren Teil der Bordüre ließ er sich selbst abbilden mit einer Waage in der Hand vor einem Tisch mit Gewürzen.


Schon allein die Ausmaße des mit Temperafarben bemalten Leinentuches sind beeindruckend: Mit 8,20 Metern Höhe und 6,80 Metern Breite gilt es als drittgrößtes aller weltweit erhaltenen Fastentücher. Seit 1999 wird es in einer gläsernen Vitrine zum Schutz vor Umwelteinflüssen präsentiert, die vor dem ehemaligen Hochaltar der Museumskirche zum Heiligen Kreuz installiert ist. Schon beim Eintreten in die 1410 geweihte und unter Mitwirkung von Peter Parlers Prager Dombauhütte nach böhmischen Muster ausgeführte Einstützenkirche beeindruckt die gewaltige Dimension des Werkes. Fast erschlagen einen die 90 in zehn Reihen geordneten Bildfelder von 65 Zentimetern im Quadrat. Dieser Feldertyp war im 15. Jahrhundert modern. Nur 18 derart gestaltete Tücher haben weltweit überdauert, davon in Deutschland nur das Zittauer.

Mit einer sich reimenden frühneuhochdeutschen Textzeile unterlegt, erzählen die Bilder die biblische Geschichte von der Erschaffung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht. Die obere Hälfte aus 45 Motiven erklärt das Alte Testament. Zu den einprägsamsten Szenen gehören jene mit Noah, dem Patron der Seefahrer. Er fällt Bäume für den Bau der Arche, die ein Feld weiter schon in den Meeresfluten schwimmt, bevor ihn ein Regenbogen als Zeichen des Neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen überspannt. Im unteren Teil werden 39 neutestamentarische Themen angesprochen, ergänzt von sechs Begebenheiten aus apokryphen Evangelien. Sehr fortschrittlich wie lässig mutet die Szene der Versuchung Jesu durch den Teufel an: Spitzbärtig und den Rosenkranz betend, ist er im Mönchsgewand illustriert und verweist auf Steine am Boden. Kritik und Skepsis an Klerus und Amt waren schon damals offenbar.

Fastentücher resultieren aus einem um das Jahr 1000 aufkommenden Brauch, in der vierzigtägigen Fastenzeit Reliquien und Kreuze zu verhüllen und zwischen Altar und Gemeinde ein Tuch aufzuhängen. Sie werden auch als „Hungertücher“ oder „Schmachtlappen“ bezeichnet, weil sie den Anblick der lüsternen Gläubigen auf das Allerheiligste verwehren. Sie gehören zu den zeitlich begrenzt benutzten Einrichtungen der Kirche. Daher ist ihre künstlerische Qualität zumeist von Einfachheit gekennzeichnet; überwiegend besitzen sie einen volkstümlichen Charakter. Dass der malerische Wert hinter anschaulicher Bewegtheit zurücksteht und sich zuweilen ikonografische Fehler einschleichen, zeigt sich auch in Zittau. Während sonst alle Bildunterschriften korrekt angeordnet sind, hat der Maler in der siebten Reihe zwei Motive verwechselt und später versucht, dies durch einen Haken kenntlich zu machen: Der Besuch der schwangeren Maria bei ihrer Cousine Elisabeth ist irrtümlich nach der Szene mit der Niederkunft platziert. Das Besondere des Zittauer Fastentuches ist die kongeniale Einheit von Wort und Bild. Das Raster aus 45 Doppelversen mit Endreim zusammen mit den prägnanten Einzelmotiven legt die Heilige Schrift treffend aus, unterstützt die Predigten in der Fastenzeit und gilt als Meisterstück didaktischer Aufbereitung des biblischen Glaubenswissens.

Es gleicht fast einem Wunder, dass dieses Werk noch erhalten ist. Denn bereits 1521 setzte die Reformation in Zittau ein. Nach 50 Jahren Nutzung durch die Katholiken wurde die Bilderbibel noch weitere 150 Jahre in der Kirche Sankt Johannis liturgisch verwendet, obwohl Martin Luther sich gegen ihren Fortgebrauch aussprach. Bis 1945 überstand es alle Kriege und Brände; in sämtlichen einschlägigen Enzyklopädien fand es Eingang. Als sowjetische Soldaten das Tuch 1945 auf der Burg Oybin fanden, nutzten sie es zur Verkleidung ihrer im Wald errichteten Saunahütte. Nach ersten Reinigungs- und Restaurierungsversuchen gelang erst der Schweizer Abegg-Stiftung die Zusammenfügung des in 17 Teile zerlegten Meisterwerks, das seitdem in der zum Museum umgewidmeten Kreuzkirche zu bewundern ist. Sie ist Außenstelle des im ehemaligen Franziskanerkloster beheimateten Kulturhistorischen Museums, in dem als zweites Highlight das sogenannte kleine „Zittauer Fastentuch“ präsentiert wird. Als schon längst Luthers Lehre etabliert war, ließen sich 1573 die Zittauer ein zweites Passionstuch von einem unbekannten Künstler in der Technik der Tüchleinmalerei anfertigen. Bis 1684 in Gebrauch, gilt es als einziges erhaltenes evangelisches Fastentuch. Mit nur 15 Quadratmetern Größe ist es deutlich kleiner als die ausladende, 56 Quadratmeter messende Variante. Vor bedrohlich dunklem Himmel beherrscht die zentrale Darstellung der Kreuzigung Christi das Bildgeschehen.

Zum Jubiläum ist noch bis Ostersamstag in Zittau und Umgebung eine dezentrale Ausstellung in Kirchen und den Städtischen Museen zu besichtigen, in denen rund ein Dutzend weitere Fastentücher teils als Original, teils in Kopien hängen. Die katholische Kirche St. Marien wartet beispielsweise mit der Reproduktion des Turiner Grabtuches auf, das seit 2009 in der vorösterlichen Bußzeit gemäß seiner liturgischen Bestimmung den Altar bedeckt. Recht modern gibt sich das Halberstädter Leinentuch aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um eines der wenigen Tücher ohne bildliche Darstellung. Die eingestrickten geometrischen Muster variieren das Motiv des Kreuzes. Dem kommt Constanze Rilkes ebenfalls graues Fastentuch aus dem Jahr 2016 für die Gartenkirche in Hannover nahe. Dafür hat die 1978 geborene Künstlerin ein abstraktes rauschendes „Blütenmeer“ kreiert, das Assoziationen zu einem Paradiesgarten und damit zu den Gärten der Bibel hervorrufen will.

Kontakt:

Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster

Klosterstraße 3

DE-02763 Zittau

Telefon:+49 (03583) 554 790

Telefax:+49 (03583) 554 792 10

E-Mail: museum@zittau.de

www.zittauer-fastentuecher.de



14.04.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


02.03.2022, 550 Jahre Großes Zittauer Fastentuch

Bei:


Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster

Kunstsparte:


Textilien

Kunstsparte:


Tapisserie

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Gotik

Variabilder:

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472
Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Variabilder:

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472
Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Variabilder:

Großes Zittauer Fastentuch von 1472
Großes Zittauer Fastentuch von 1472







Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Constanze Rilke, Fastentuch aus der Gartenkirche Hannover, 2016

Constanze Rilke, Fastentuch aus der Gartenkirche Hannover, 2016

Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Detail aus dem „Großen Zittauer Fastentuch“ von 1472

Kleines Zittauer Fastentuch von 1573

Kleines Zittauer Fastentuch von 1573

Großes Zittauer Fastentuch von 1472

Großes Zittauer Fastentuch von 1472




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