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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Für den Auftakt ins neue Auktionsjahr konnte der Heilbronner Versteigerer Fischer mehrere Glassammlungen an Land ziehen

Venedig oder nicht?



 Venedig, Flöte, Venedig oder Façon de Venise, um 1700

Venedig, Flöte, Venedig oder Façon de Venise, um 1700

Die Glasherstellung in Venedig ist alt. Urkundlich nachgewiesen ist sie dort seit dem späten zehnten Jahrhundert. Das Wissen über die technischen Verfahren erreichte die Republik wohl über ihre Kontakte mit arabischen und persischen Ländern. Wegen der Brandgefahr mussten die Glasbläser ihre Produktionsstätten ab 1291 auf die Insel Murano verlegen und waren per Gesetz verpflichtet, die Technik streng geheim zu halten. Ab dem 14. Jahrhundert nahmen ihre Hütten eine vorherrschende Stellung in Westeuropa ein, verstärkt durch die Erfindung des dünnwandigen farblosen Kristallglases ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Trotz der Versuche Venedigs, das Know-how der Glaskunst nicht preiszugeben, gelangten Herstellungsmethoden und Formen ab der Mitte des 16. Jahrhunderts über die Alpen nach Deutschland, die Niederlande und Flandern. So lässt sich oft nicht unterscheiden, ob ein Glas in Venedig oder an einem anderen Ort in der Façon de Venise produziert wurde, etwa bei einer Trinkflöte um 1700, die das Auktionshaus Fischer nun für 2.500 bis 3.000 Euro offeriert.


Mit weiteren Gefäßen à la façon de Venise eröffnet der Heilbronner Versteigerer am kommenden Samstag den zweiten Teil seiner neuen Auktionssaison und konnte dafür die Kollektion eines belgischen Sammlers mit rund 190 Positionen akquirieren, der diesen Formschönheiten der Serenissima verfiel, darunter einem im 17. Jahrhundert wohl in Antwerpen aufwendig gearbeiteten Flügelglas mit eingeschmolzenen Spiralfäden in Rot, Weiß und Gelb im verschlungen gestalteten Schaft (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR). In diese Preiskategorie reihen sich noch zwei weitere Trinkgläser dieser Art und Zeit ein: ein niederländisches Produkt mit zwei Hohlnodi am Schaft und trichterförmiger Kuppa (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) sowie ein höheres, wohl böhmisches Exemplar mit vier Ohrenhenkel am Schaft und runder Kuppa (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Dass das 19. Jahrhundert gerne auf alte Stile zurückgriff, macht ein Flügelpokal der Società Salviati deutlich, auf dessen großer Kuppa in Braun und Weiß changierende Milchglasfäden aufgelegt sind (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR).

Das Highlight der belgischen Sammlung ist eine Rarität: ein 23 Zentimeter hoher Deckelbecher des schlesischen Graveurs Friedrich Winter um 1700. Er ist ein seltenes Belegstück für dessen meisterliches Können im Bereich der Hochschnitttechnik, die flächenfüllend bis ins kleinste Detail fein ausgeführt ist und dabei mit seinem Blatt- und Muschelwerk, den Fruchtzweigen und den figürlichen Szenen einen dreidimensionalen Raum auf der Glasoberfläche auftut. Als Kastellan des Grafen Christoph Leopold Schaffgotsch in Hermsdorf leitete Winter die Schleifmühle, die den für schlesische Gläser typischen Hochschnitt perfektionierte. So schuf er unter der Schaffgotschen Herrschaft hochwertige Gläser des Barock, darunter den Deckelbecher, der 25.000 bis 35.000 Euro einspielen soll.

Dazu gesellen sich ein Pokal mit dem Motiv „Hansje in de kelder“ samt Amor und schwangerer Dame, das Jacob Sang 1758 in ein Glas aus England schnitt (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), und ein Freundschaftspokal, in den wohl der um 1760/80 in Den Haag tätige Meister Alius zwei Landleute beim Überreichen eines Bechers mit dem Diamant fein gestippt hat (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Während ein wohl Dresdner Pokal mit kleinen Bacchanten um 1730 noch der barocken Formensprache huldigt (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR), kommt ein russisches Exemplar, wahrscheinlich aus den Glaswerken Bakhmetev, mit dem Wappen des französischen Kaiserreichs klar und kantig daher. Als Reflex auf Napoleons Russlandfeldzug steht anstelle des Adlers allerdings ein gerupfter gallischer Hahn auf einem Misthaufen im Zentrum des Wappens. Samt originaler Schatulle soll der Schmähpokal 10.000 bis 12.000 Euro kosten.

Dass man in deutschen Landen um 1600 über Feinheit und Reinheit der venezianischen Gläser nur staunen konnte, macht im regulären Angebot ein derber blaugrüner Krautstrunk deutlich, der dennoch mit 9.000 bis 11.000 Euro veranschlagt ist. Rund hundert Jahre später war man dann schon weiter und konnte in Thüringen oder Franken ein Passglas farblos produzieren. Bemalt wurde es in Emailfarben mit dem viergeteilten Wappen der Fürsten von Reuß jüngerer Linie (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Über einen historistischen Reichsadlerhumpen des 19. Jahrhunderts mit der falschen Datierung auf das Jahr 1624 (Taxe 1.000 bis 1.2000 EUR), einem gelblich-grün gebeizten Lithyalinbecher von Friedrich Egermann mit siegellackroten Spitzblattornamenten um 1830/35 (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR) oder einem hohen Deckelpokal mit der rot lasierten Silhouette des Kölner Doms um 1880 für 1.500 bis 2.000 Euro geht es zu den Waren des frühen 20. Jahrhunderts.

Gerade beim Jugendstil kann Fischer mit einer starken Offerte französischer Raritäten aus einer norddeutschen Privatsammlung punkten. So werden für eine rosafarbene Vase mit weißen Dahlien von Burgun, Schverer & Co. aus dem lothringischen Meisenthal 7.000 bis 9.000 Euro erwartet, für Emile Gallés schlanke Zylinderform mit Blüten und Blättern der Akelei in Marqueterie-sur-Verre-Technik, teils unterlegt mit silbriger Metallfolie, 12.000 bis 16.000 Euro. Überhaupt ist die Manufaktur Gallé mit raren Stücken in Heilbronn vertreten. Dazu zählen die in selber Technik erstellte Schale mit verzogenen Seerosen auf braunem Grund oder die nach oben geschlossene, nur an den Seiten geöffnete Vase, aus deren dunkler Bodenzone mehrere Blüten in warmes Gelb emporwachsen (Taxe je 15.000 bis 20.000 EUR). Teuerstes Gallé-Highlight ist eine zwischen 1898 und 1900 datierte Vase mit Edelweißblüten und Hochgebirgslandschaft in einem dezenten, auf Weiß aufbauenden Farbschema für 25.000 bis 30.000 Euro.

Da kann die Konkurrenz der Daum Frères nicht mithalten, auch wenn hinter einigen Gefäßen der Entwerfer Henri Bergé steht. So kommt seine Vierkantvase „Champignons“ von 1907 mit 14 meist giftigen Pilzsorten auf 5.000 bis 7.000 Euro, genauso wie seine angenehmere Vase „Anémones“. Bei 8.000 bis 12.000 Euro steht Bergés orange-grüne Balustervase mit Irisblüten an der Spitze der Daum-Offerte. Mit François-Emile Décorchemonts ockerbrauner Fußschale um 1925 samt flach reliefiertem Schneckenmuster (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und Auguste Heiligensteins Vase in gleicher Farbstellung, aber verlaufender Reliefemailmalerei geht es dann ins französische Art Déco, zu dem auch René Lalique mehrere Artefakte beisteuert, darunter die farblose formgepresste Vase „Piriac“ mit einem wulstigen Fries aus Fischen (Taxe je 2.500 bis 3.500 EUR). Während Louis Comfort Tiffanys Entwürfe etwas verspielt erscheinen, etwa bei den floral inspirierten Vasen „Favrile“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) und „Jack in the Pulpit“ (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR), setzte Peter Behrens um 1900 bei seinem farblosen Weinglas nur auf die klare Form (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Die Glasproduktion des 20. Jahrhunderts aus Venedig wird unter dem Schlagwort „Murano“ zusammengefasst. Auch hier wartet Fischer mit einigen ansprechenden Stücken auf, darunter mit Vittorio Zecchins hoher keulenförmiger Vase „Soffiato“ in amethystfarbenem Ton mit kleinen dunkelblauen Henkeln (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Lino Tagliapietra und Marina Angelin haben 1984 gemeinsam ihre runde braune Zierplatte „Pueblo“ mit radial aufgeschmolzenen Glasstäbe kreiert (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Noch weiter in Richtung Studioglas geht Paolo Martinuzzi mit seinem Glasquader, in der er 1990 mehrere naive, sich überlagernde Gesichter geritzt hat (Taxe 1.700 bis 2.000 EUR). Auf die große venezianische Glastradition rekurrierte der Schwede Edvin Öhrström 1940 bei seiner Vase „Gondoliere“, den er zusammen mit einem Mädchen über das Wasser gleiten lässt (Taxe 1.700 bis 2.000 EUR). Auf 2.500 bis 3.000 Euro kommt seine ebenfalls zur Orrefors-Serie „Ariel“ zählende Vase „Mädchen und Taube“ von 1957. Ein Schwerpunkt beim Studioglas liegt auf tschechischen Künstler*innen. Dazu zählen zwei wulstige Glasobjekte Dana Vachtovás von 1977 in Violett und Grün (Taxe je 2.500 bis 3.000 EUR), Pavel Hlavas Objekt in Blattform in grün-blauen Streifen und rotem Keil von 1990, Vladimíra Klumpars rotbraune rund Glasskulptur mit eingearbeiteter Schlaufe (Taxe je 12.000 bis 15.000 EUR) oder mehrere Kopfformen des Künstlerpaars Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová. Ihr stiller orangefarbener „Tall Head“ von 1957 mit geschlossenen Augenliedern liegt bei 12.000 bis 15.000 Euro, ihr blauer geometrischer „Head with Square Eye“ von 1986 bei 19.000 bis 22.000 Euro.

Der Hauptauktion vorgeschaltet ist ein eigener Katalog mit der Sammlung von Karl und Marlene Reidel, deren Herzstück Fischer schon 2010 erfolgreich an neue Interessenten gebracht hat. Nun stehen weitere 500 Objekte aus der langjährigen Sammeltätigkeit des Künstlerpaars auf dem Programm, eingeliefert von dessen Erben. Das meiste davon rangiert im dreistelligen Eurobereich. Selten wird die Grenze von 1.000 Euro überschritten, etwa bei einer alpenländischen rechteckigen Schnapsflasche des 18. Jahrhunderts aus braunem Glas mit vier optischen Dekoren: Waben, Rauten, Rippen und Bögen (Taxe 1.500 bis 1.800 EUR). Eine besondere Wertschätzung brachten die Reidels der böhmischen Manufaktur Lötz Witwe entgegen, die neben zahlreichen auch die teuersten Stücke stellt: Die Vase „Argus“ von 1902 mit braunem Überfang, hellgrünen Kröseleinschmelzungen und unregelmäßigen Fäden und Tupfen in Silbergelb für 2.500 bis 3.500 Euro und ihre bauchige gleichaltrige Schwester „Neurot Cytisus“ mit ähnlichen Silbergelbkröseln auf dem wellenartig gekämmten Grund in Braun und Orange für 2.000 bis 2.500 Euro.

Die Auktion beginnt am 18. März um 11 Uhr mit der Glassammlung Reidel. Am 19. März steht das „Europäische Glas & Studioglas“ auf dem Programm. Der Internetkatalog ist unter www.auchtions-fischer.de abrufbar.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Dr. Jürgen Fischer

Trappensee-Schlösschen

DE-74074 Heilbronn

Telefax:+49 (07131) 15 55 720

Telefon:+49 (07131) 15 55 70

E-Mail: info@auctions-fischer.de

Startseite: www.auctions-fischer.de



17.03.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Henri Bergé,  Balustervase mit Iris, um 1900/03

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Jaroslava Brychtová, Stanislav Libensky und  Head with Square Eye, 1986

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Vittorio Zecchin,  Zierhenkelvase „Soffiato“, 1925/26

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 Alius, Alius zugeschrieben, Freundschaftspokal, um 1750/70

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Emile Gallé,  Vase in Marqueterie-sur-Verre-Technik, Nancy 1898

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Edvin Öhrström,  Vase „Gondoliere“, 1940

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