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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Erstklassige internationale Einlieferungen und eine Spezialisierung auf die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts - das Erfolgsrezept von Ketterer Kunst hat sich schon oft bewährt. Und doch war das Münchner Familienunternehmen von den vielen Rekordmarken seiner vergangenen Auktionsrunde selbst überrascht

Nackte Tatsachen



Ob es tatsächlich an der Auffrischung des Führungsteams lag oder Corona die häusliche Sammellust bei den deutschen und internationalen Interessenten im letzten Jahr besonders entfachte, ob der Brexit oder die Niedrigzinsen ausschlaggebend waren, wie Robert Ketterer konstatierte, ist wohl nicht abschließend zu klären. Der Münchner Versteigerer Ketterer Kunst bot bei voll besetztem Saal vor Ort und im virtuellen Livestream jedenfalls beste Unterhaltung und ein herausragendes Ergebnis nach dem nächsten. Zum überraschenden Star des Evening Sale kürte ein niederländischer Kunstliebhaber Albert Oehlens monumentales „Triptychon“ mit seinem Gebot von 3 Millionen Euro. Angesiedelt zwischen Gegenständlich- und Ungegenständlichkeit, sorgte das mit 1,5 Millionen Euro bewertete Programmbild aus dem Jahr 1988 mit zentralem Frauenkopf für lebhafte Bietergefechte auf allen Kanälen zwischen deutschen und schweizerischen Sammlern, bevor der Hammer fiel und für einen neuen deutschlandweiten Oehlen-Rekord sowie das bis dato höchste Einzelgebot im Hause Ketterer sorgte. Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 94 Prozent und einem Bruttoerlös von über 30 Millionen Euro toppte die Abendauktion auch sonst alle Erwartungen und gab den Takt für einen überaus erfolgreichen Jahresabschluss an.


Eine Abendauktion voller Glanzlichter

Mit großer Spannung wurde am 11. Dezember der Aufruf eines wiederentdeckten Bilds Alexej von Jawlenskys erwartet. Doch der farbgewaltige, ikonenhafte „Frauenkopf mit Blumen im Haar“ weckte trotz seiner Qualität und Expressivität zu geringe Begehrlichkeiten, um die untere Schätzgrenze von 2,5 Millionen Euro zu knacken: Ein Käufer aus der Schweiz nahm den um 1913 gemalten Charakterkopf schon bei 2,4 Millionen Euro mit. Der Einlieferer freute sich trotzdem über den Zuschlag und möchte mit seiner Investition in heimatliche Öko-Landbetriebe anderen Kunstliebhabern ein gutes Vorbild sein. Zwei Mal Applaus ernteten Arbeiten von Pierre Soulages und Emil Nolde. Soulages’ schwarzlastige, kraftvolle Komposition „Peinture 92 x 65 cm, 3 août 1954“ wurde mit einer unteren Erwartung von 700.000 Euro aufgerufen, doch ein Dutzend internationaler Telefonbieter schraubte den Wert schnell in die Höhe. Für ein Schlussgebot von 1,85 Millionen Euro zieht das Werk nach Frankreich. Noldes farbenprächtiger „Buchsbaumgarten“ von 1909, eine charakteristische Arbeit des frühen Expressionismus und Zeitzeugnis der wechselvollen deutschen Geschichte, bereichert nach der Restitution aus dem Duisburger Lehmbruck Museum an die Erben Ismar Littmanns für 1,8 Millionen Euro nun eine Sammlung im Rheinland (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen EUR).

Auch Noldes Ölbild „Vogel und Georginen“ von 1919 schloss mit 550.000 Euro erfolgreich ab. Das Stillleben gewährt einen Einblick in das Atelier des Malers und seine Vorliebe für knallrote Blumen aus dem eigenen Garten (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Einen zugleich persönlichen und politischen Bezug hat Max Beckmanns Hundeporträt „Majong und Chilly“ von 1930, das bis zum Tod des Malers in dessen Besitz verblieb und jetzt für die unteren erwarteten 400.000 Euro weiterzog. In der Sammlung von Erwin Petermann, dem Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, waren einst Otto Muellers mit Leimfarbe auf Rupfen gemalte „Drei badende Mädchen“ beheimatet. Ein niedersächsischer Expressionismusliebhaber eroberte die drei nackten, von Ocker und Braun dominierten Schönheiten für 850.000 Euro und verwies damit zahlreiche, vor allem deutsche Interessenten auf die Plätze (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Derselbe Bieter schlug noch ein zweites Mal zu und sicherte sich auch Ernst Ludwig Kirchners erotische Großstadt-Szene „Im Bordell“, der er mit einer Wertverdoppelung auf 800.000 Euro wiederum Respekt zollte.

Die jüngere Generation des Abends

Einen deutschlandweiten Rekord sowie eine deutliche Steigerung fuhr Sean Scullys „Blue Yellow Figure“ von 2004 ein. Mit 1,1 Millionen Euro erhielt am Ende eines Konkurrenzkampfes aus Europa und den USA ein Privatsammler aus Süddeutschland den Zuschlag für das großformatige Farbflächengemälde samt Inset in warmen Erdtönen. Es war nicht das letzte Monumentalbild, das die Logistikabteilung im Hause Ketterer verpacken durfte: Alex Katz’ sachlich-kühles Portrait „Tara“ war ein überlebensgroßer Augenschmaus, der vor allem im Ausland stark umkämpft war; nach heiß gelaufenen Telefonleitungen erwarb ein Sammler aus Italien das nüchterne Bildnis der selbstbewussten Frau für 730.000 Euro (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Ein Weltrekord gelang einer hochformatigen Arbeit Katharina Grosses mit sich überlagernden Farbscheiben, für die ein Berliner mit seinem Gebot von 400.000 Euro Mitbewerber aus Deutschland und Österreich ausstach (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Da war Ernst Wilhelm Nays mit 150.000 Euro aufgerufenes Ölgemälde „In freien Rhythmen“, ein Höhepunkt seiner Werkserie der Scheibenbilder, motivisch nicht weit entfernt. Am Ende eines heftigen Schlagabtauschs gingen die spielerische Formation in Gelb, Grau, Blau, Grün und Schwarz für 460.000 Euro an einen Kunden aus Nordrhein-Westfalen. Nays Gemälde von 1957 führte die Offerte aus der Sammlung der Deutschen Bank an, die mit Willi Baumeisters „Ideogramm I“ einen weiteren steilen Wertzuwachs generierte; die Komposition schwarzer biomorpher Formen auf weißem Grund war mit 40.000 Euro vergleichsweise niedrig angesetzt und weckte daher die Kauflust; nach langem Kopf-an-Kopf-Rennen trug ein Schweizer mit 220.000 Euro den Sieg davon. In Deutschland verbleibt die zweiteilige Ideenskizze „The Gates. Project for Central Park, NY“, Christo und Jeanne-Claude letztes gemeinsames großes Public Art-Projekt aus dem Jahr 2002, die ihre untere Bewertung mit 600.000 Euro fast verdoppelte.

Cy Twomblys skripturale Bleistiftzeichnung „Drawing for Manifesto of Plinio“ von 1967 mit sechs Kringelreihen tauchte nach namhafter Provenienz zum ersten Mal auf dem internationalen Auktionsmarkt auf und feierte ihren Einstieg mit einer Wertsteigerung von 250.000 Euro auf 480.000 Euro. Da ließ sich Jan Schoonhoven bei seinem weißen Relief „R 70-22“ mit vertikal zehn Reihen nach rechts abfallender Rechtecke nicht lumpen und nahm gute 390.000 Euro ein (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Gerhard Richter begeisterte hingegen mit kleinformatigen Aquarellen. Seine fünfteilige, abstrakt-farbenfrohe Folge „Colmar“ von 1984 übertraf mit 720.000 Euro die Erwartungen der Münchner Experten (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Richters unikate Auflagenmalerei „Grün-Blau-Rot“, erstellt 1993 als Edition für die Züricher Kunstzeitschrift Parkett, verließ das Auktionshaus kurz zuvor bereits gelungen für 580.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Unter den Skulpturen glänzte vor allem Georg Kolbes graziler Lebzeitguss „Javanische Tänzerin“ von 1920. Ein halbes Dutzend Käufer trieb die anmutige und expressive Bronze auf 520.000 Euro hoch, die ein beharrlicher Sammler aus Berlin in den Ring warf (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Aber auch Kolbes jüngere Bildhauerkollegen waren geschätzt, darunter Karl Hartung mit seinem von der Natur inspirierten abstrakten Bronzeguss „Organische Form“ von 1949 bei 100.000 Euro und zum gleichen Preis Jaume Plensa mit seiner milchig-weißen Glasskulptur eines verzogenen Frauenkopfes unter dem Titel „Awilda’s Frozen Dream“ von 2015 (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR).

Ausverkauf für Kunst des 19. Jahrhunderts knapp verpasst

Gerade einmal zwei der 75 angebotenen Lose blieben in der Abteilung „Kunst des 19. Jahrhunderts“ zurück, was bei dieser Sparte überrascht und den Beweis erbringt, dass die Kunstwelt bei moderaten Schätzungen die Neueren Meister nicht verschmäht. Zudem punktete die Dezember-Auktion bei Ketterer, die es auf gut 1,5 Millionen Euro brachte, noch mit einem Auktionsrekord: Peder Mork Mønsteds beinahe fotorealistische „Flusslandschaft im Spreewald“ von 1912 wurde in München zum ersten Mal dem internationalen Auktionspublikum vorgestellt und von zahlreichen Bietern aus Deutschland, Estland, Schweden und Amerika enthusiastisch begrüßt. Am Ende landete die faszinierende Feinmalerei für 220.000 Euro weit über der Schätzung von 20.000 bis 30.000 Euro in einer brandenburgischen Privatsammlung. Weitere Highlights waren Caspar David Friedrichs Blatt mit Federzeichnungen einer Gruppe von Hofmusikanten und einer Ruine aus dem Nachlass des Künstlers für 100.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) sowie Franz von Stucks langgestrecktes, studienhaftes Ölgemälde „Meerweibchen“ aus seiner Nixen-Motivwelt um 1891 für 110.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Auch das achteckige, liebliche Bildnis seiner Tochter Mary Stuck mit Margeritenkranz und blauen Schleifen im dunklen Haar sorgte für rege Gefechte, die erst bei 60.000 Euro verstummten (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Erfolgsgaranten waren Philipp Otto Runge mit einem fantasievollen Neujahrsglückwunsch-Scherenschnitt von 1800 für 60.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), Max Liebermann und seine noch realistische holländische Öllandschaft „Dorfhäuser mit Sonnenblumen“ von 1890, die für 95.000 Euro das Auktionshaus verließ (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR), sowie Hendrik Willem Mesdag mit einer locker gemalten Verquickung aus traditioneller Marine und moderner Interpretation der für das Schaffen des Haager Meisters so typischen Fischerboote bei 80.000 Euro zur doppelten Schätzung. Die Sehnsucht nach dem Süden bedienten gewinnbringend Jørgen Roed mit dem sonnigen Kreuzgang von San Lorenzo fuori le mura in Rom samt einsamem Kapuzinermönch von 1837 bei 32.000 Euro und Joseph Theodor Hansen mit seinem Blick auf die Akropolis zum Tempel der Siegesgöttin Nike bei 19.000 Euro (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR).

Aber auch Heimatliches war gefragt, etwa Johann Baptist Wenglers spätbiedermeierliches „Tanzendes Paar“ in einer offenen Laube von 1861 für 3.300 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder Josef Wopfners nun 26.000 Euro teurer Blick über den weiten bewölkten Chiemsee von einem Blumengarten der Fraueninsel aus, in dem sich 1884 ein Fischer eben um seinen Fang kümmert (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Schon ins 20. Jahrhundert ragten Ludwig von Hofmanns symbolistischer heller „Frühlingstanz“ um 1915 bei 30.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und zwei menschenleere Landschaftsausschnitte Karl Hagemeisters hinein. Während sich seine pastos gespachtelte bewegte See unter dem Titel „Die Welle“ von 1911 bei 63.000 Euro behauptete (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), verbesserte sich das Pastell eines märkischen Winters am Wentorfgraben um 1905/07 deutlicher von 9.000 Euro auf 56.000 Euro. Der Münchner Heinrich Kley stellte sein um 1910 akkurat gezeichnetes, humoristisches Blatt „Der Ameisenhaufen“, aus dessen hektischem Treiben zahlreicher Vertreter der menschlichen Gesellschaft zwei Faune sich eben den König angeln, zur Verfügung und erwirtschaftete damit 8.500 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Weitere Spitzenwerte bei der Klassischen Moderne

Unter den Werken der Klassischen Moderne, die sich losbezogen zu knapp 90 Prozent verabschiedeten und nochmals 4,4 Millionen Euro in die Waagschale warfen, stach besonders Hermann Scherers leuchtend-primärfarbiges „Paar in der Landschaft“ von 1924 heraus, das eine zentrale Stellung im Schaffen des Schweizer Expressionisten einnimmt, was seinen Wert auf 165.000 Euro ansteigen ließ (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Zum erfolgreichsten Los kürten die Kunden überraschend Marianne von Werefkins Mischtechnik „Freitag Abend“ mit dem Gang einiger Menschen zur Synagoge, in der sie winterliche Erlebnisse in ihrer russisch-litauischen Heimat festhielt. Statt der angesetzten 20.000 bis 30.000 Euro drang das Blatt von 1909/10 bis auf 340.000 Euro vor und rückt damit dicht an Werefkins bisherigen Auktionsrekord von 280.000 Pfund heran, erzielt 2008 bei Christie’s in London. Ihr Gefährte Alexey von Jawlensky steuerte getupfte Chrysanthemen auf dunklem Hintergrund hinzu, die es wie eine auf Farbflächen abstrahierte Ansicht der Stockholmer Tiergartenbrücke von Gabriele Münter auf 160.000 Euro brachten (Taxen 80.000 bzw. 90.000 bis 120.000 EUR).

Auch Münters frühe Spachteltechnik „An der Parkmauer“ um 1906/07, die mit ihren flirrenden frischen Grüntönen ein Gegenspieler zur rotlastigen Tiergartenbrücke war, überzeugte mit einem Schlussgebot von 95.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Unter den Blumenstillleben reihte sich Emil Nolde mit einem beseelten Aquarell zweier glühend-gelber Sonnenblumen vor dunkelblauem Fond ein, das für 180.000 Euro lohnend den Besitzer wechselte (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auch Noldes „Meerlandschaft mit rotem Abendhimmel“, die er 1946 während seines Kuraufenthalts in St. Peter an der Nordsee malte, konnte für 105.000 Euro statt 70.000 bis 90.000 Euro erfolgreich veräußert werden, ebenso wie seine farbintensive „Marschlandschaft mit Fischerboot“ von 1920/25, die mit 140.000 Euro ihre Erwartungen von 60.000 bis 80.000 Euro weit übertraf. Rekordträchtig waren dann wieder die 38.000 Euro für Moriz Melzers marktfrisches Ölgemälde „Fröhlicher Sommer“, eine idyllische Traumlandschaft um 1911 mit zentraler Aktgruppe in gerundeten Formen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Sektion eröffnete Max Slevogts „Gärtner vor dem Haus“, der erst kürzlich in Konstanz und Dachau ausgestellt war. Das museale Stück eines Herbsttages sicherte sich 130.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Sommerliche Leichtigkeit spiegelte dann August Mackes Tuschpinselzeichnung „Spaziergänger im Park“ – offensichtlich ein im Winter gefragtes Sujet, schaffte das Blatt von 1912 doch den ambitionierten Sprung von 35.000 Euro auf 115.000 Euro. Da konnte selbst die kokett über die Schulter grinsende „Maschka“ nicht mithalten. Das gelb und blau gekleidete Zirkusmädchen auf Otto Muellers Kreidezeichnung, das es immerhin auf das Cover des Katalogs gebracht hatte, verließ München für 110.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Fast schon grimmig blickt hingegen das sich anschweigende „Paar auf der Fensterbank“ drein, obwohl die um 1928 von Jeanne Mammen fein gezeichnete Alltagsszene nach einem Gedicht Kurt Tucholskys mit 90.000 Euro Erlös eher zu Freudestrahlen anregte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Dem Ungeheuer unerschrocken ins Gesicht schaute die Schlangenbändigerin von Fritz Klimsch, ein früher Lebzeitguss in Reminiszenz an die Antike, von der bisher erst zwei Exemplare auf dem Auktionsmarkt aufgetaucht sind; Nummer drei wurde jetzt bei Ketterer für 110.000 Euro versteigert (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Etwas verhaltener: Kunst nach 1945 und Zeitgenossen

Mit einer eigentlich zufriedenstellenden losbezogenen Zuschlagsquote von gut 74 Prozent und einem Bruttoumsatz von 3,6 Millionen Euro gerieten die Zeitgenossen bei so vielen Rekorden fast ins Hintertreffen. Bei einem Abschluss von 135.000 Euro muss sich Arnulf Rainers Liniengeflecht „Horizontalgestaltung“ jedoch mitnichten verstecken, überstieg die frühe Ölarbeit von 1951 ihre Schätzung damit doch um mehr als das Dreifache. Eine Punktlandung legte Daniel Richters große Leinwand „Beobachte den Verfall der Brote“ von 1999 hin, eine symbiotische Farben- und Formenexplosion mit Glitzerpartikeln, die für 100.000 Euro an der unteren Schätzgrenze einen Liebhaber fand. Zwischen Abstraktion und Figuration ist gleichfalls Uwe Lausens farbstarke Malerei „Weinender Marsianer“ von 1965 angesiedelt, die vom menschlichen Traum oder Alptraum außerirdischen Lebens kündet und bei Ketterer von 40.000 Euro auf 75.000 Euro kletterte. Übertroffen wurde dieses Ergebnis von nackten Tatsachen, nämlich der monumentalen pornografischen Gemeinschaftsarbeit „Bordell II“ der Künstlerfreunde Rainer Fetting und Luciano Castelli aus dem Jahr 1982, die die Gebote bis auf 110.000 Euro anheizte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Terry Rodgers’ großformatige hyperrealistische Orgie „The Variable Frequencies of Restraint“ voller Dekadenz und emotionaler Leere der leichtbekleideten Protagonisten reiht sich motivisch ein, schaffte jedoch nur den Sprung auf 85.000 Euro, was dennoch der neue Spitzenpreis ist, den Ketterer erst ein Jahr zuvor mit demselben Gemälde bei 70.000 Euro aufgestellt hatte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Zeitgenössische figurative Malerei gab es auch von Norbert Bisky: Sein leuchtendes Männerduo „Trek“ im Huckepack von 2016 ziert nun für 75.000 Euro eine neue Sammlung (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), während seine beiden weiteren Halbwüchsigen mit Kanone am Strand auf der Leinwand „Das sollte man regeln“ von 2002 mit 80.000 Euro den Vogel abschossen (Taxe 35.000 bis 55.000 EUR). Übertroffen wurde das mit je 85.000 Euro nur noch von Günther Ueckers an der Kante benageltem Stehpult von 1988 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR) und Helmut Middendorfs dynamischem „Headrunner“ von 1983, der seinem Namen gerecht wurde und die Taxierung von 15.000 bis 20.000 Euro weit hinter sich ließ. Mit einem Bruttoerlös von fast 42 Millionen Euro für die Herbstrunde und einem gesamten Jahresumsatz von rund 88 Millionen Euro sieht sich Ketterer wieder als Nummer 1 unter den deutschen Kunstversteigerern.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de

Startseite: www.kettererkunst.de



09.03.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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