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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Ausstellungen

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Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen richtet Lynette Yiadom-Boakye die erste große Einzelschau in Deutschland aus. Ihre poetischen Bilder fiktiver Schwarzer feiern in Düsseldorf das Malerische und die Freundschaft der Menschen

In den dunklen Koloraturen der Kunst



In sich ruhend und zugleich angespannt sitzen sich zwei schwarze Männer in der Hocke gegenüber. Mit aufmerksamem Blick fixieren sie den jeweils Anderen. Die Figuren wirken vertraut und geheimnisvoll zugleich, ihr Lauern ebenso verschwörerisch wie bedrohlich, und beide scheinen bereit, der konzentrierten Pose im nächsten Augenblick eine unvorhersehbare Bewegung folgen zu lassen. Ihre rätselhafte Körperhaltung, die Voodoo-Rituale gleichermaßen impliziert wie kunsthistorische Vorbilder, ist ebenso wenig eindeutig zu bestimmen, wie der kaum definierte Raum aus weiß-grauen Farbspuren, der die beiden Körper hinterfängt.


Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt in K20 mit „Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht“ die erste umfangreiche Ausstellung der britischen Künstlerin in Deutschland. Die Schau folgt einer ersten Präsentation in der Tate Britain, die 2020 aufgrund des Lockdowns nur wenige Tage geöffnet war, damals allerdings mit so großer Resonanz, dass die Schau 2022 nach einer weiteren Station in Luxemburg noch einmal in das traditionsreiche Londoner Haus zurückgeholt werden soll.

Lynette Yiadom-Boakye wurde 1977 in London geboren, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie ist ghanaischer Abstammung und nahm 2019 am von der Kritik hochgelobten „Ghana Freedom Pavilion“ auf der Biennale von Venedig teil. Im Jahr 2018 wurde sie mit dem renommierten Carnegie International Prize ausgezeichnet und stand 2013 auf der Shortlist für den Turner Prize. Yiadom-Boakye gilt als eine der bedeutendsten figurativen Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Arbeiten sind in Museumssammlungen auf der ganzen Welt vertreten und wurden mit Einzelausstellungen im New Museum of Contemporary Art in New York (2017), in der Kunsthalle Basel (2016), im Münchner Haus der Kunst (2015) und in der Londoner Serpentine Gallery (2015) bedacht.

Yiadom-Boakye gehört zu einer Reihe zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen, die in den zurückliegenden Jahren das traditionellste aller Genres modifiziert haben: das gemalte Portrait. In ihren Werken stellt sie ausschließlich Menschen dar, Frauen und Männer, einzeln und in Gruppen. Sie erscheinen in ihrer rästelhaften Besonderheit absolut lebensecht. Tatsächlich aber, so betont die Künstlerin, entspringen sie ihrer Vorstellung, als male sie aus der transportierten Perspektive einer Schriftstellerin, die sie auch ist, in die Fiktion. Es gefalle ihr einfach, bemerkt die Künstlerin, dass ihre Figuren durchweg „erkennbar schwarz“, aber nicht real, sondern „ganz und gar mein Konstrukt“ sind. Aus unterschiedlichen Bildquellen extrahiert Lynette Yiadom-Boakye ihre Motive, stöbert im Bildreservoir der europäischen Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ebenso wie in Familienalben, Zeitungen und Modemagazinen, studiert Gesten, Begegnungen und Alltagserfahrungen gleichermaßen wie Details aus Gemälden Alter Meister. Den Rest schafft die Imagination im Zusammensetzen von Persönlichkeiten.

Das Verführerische dieser Mischwesen aus Fakten und Fiktion verstärkt sich in Szenen, in denen sich die Persönlichkeit der Dargestellten mit bekannten Motiven aus der Kunstgeschichte überlagert. Yiadom-Boakyes Erkundungen des Chiaroscuro erinnern an Bildnisse von Rembrandt van Rijn oder die sogenannten „Schwarzen Bilder“ von Francisco de Goya. Die Verwendung subtiler Grau- und Weißtöne zeugt gleichermaßen von der Verwandtschaft mit Paul Cézannes Tischtüchern oder den voluminösen Kissen, auf denen Edouard Manets „Olympia“ ruht. Ihre Leidenschaft für ein intensives Rot ist vor allen auf die Bildnisse des britischen, heute kaum mehr bekannten Fin de Siècle-Malers Walter Sickert zurückzuführen. Auch Paul Klee scheint mit der Radierung „Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich“ von 1903 Nachklang in Yiadom-Boakyes Figurenschöpfungen zu finden, wenn die Malerin in „No Need of Speech“ von 2018 zwei Männer in angespannt abwartender Pose einander fixieren lässt.

Versucht man sich beim Betrachten und Enträtseln vor allem auf die reduzierte, zurückhaltende Atmosphäre und die ruhigen, gelassenen Gesten der Figuren zu konzentrieren, kann das genaue Studium der Hintergründe der Gemälde aber ebenso lohnend sein. Sie überzeugen als virtuose Übungen in Monochromie, die die komplexe Rätselhaftigkeit der Motive noch verstärken. Im Verzicht auf detailreiche Inszenierungen und Hinweise auf konkrete Zeiten und Orte gelingt es Yiadom-Boakye, die Flüchtigkeit einer Stimmung zu auszulösen. Interieurs sind oftmals dunkel und nur ephemer markiert, und Außenräume werden in undefinierbaren Landschaften angesiedelt.

Für die Düsseldorfer Ausstellung wurden rund siebzig meist großformatige Gemälde in einen überzeugenden Dialog gebracht. Dieser erlaubt einen profunden Einblick in das seit den frühen 2000er Jahren geschaffene Werk, konfrontiert frühe Arbeiten, in denen gedämpfte, erdige Farben überwiegen, mit aktuellen Arbeiten, die sich durch stärkere Kontraste auszeichnen. Durchweg zitiert Lynette Yiadom-Boakye Bildtypen wie das Portrait, das Konversationsstück und das Gruppenportrait. Indem sie in ihren Darstellungen jedoch jede soziale Zuordnung vermeidet, untergräbt sie traditionelle Genres auf subtile Weise. Denn ihre People of Color bleiben Fantasiekonstrukte, mittels derer Yiadom-Boakye die westliche Moderne paraphrasiert und unsere Vorstellungen von Kunstgeschichte neu kalibriert. Den Prozess, in dem sich das besondere Wesen ihrer Subjekte herausbildet, beschreibt die Künstlerin so: „Wenn sie pathetisch werden, überleben sie nicht – sobald mir jemand leidtut, werde ich ihn oder sie los. Ich male keine Opfer.“ Die Aussage ist sowohl Verweis auf den jahrhundertealten Kanon der westlichen Malerei, in dem schwarze Menschen oftmals auf marginalisierte Rolle reduziert wurden, als auch Beispiel einer „conceptual correctness“. Indem Yiadom-Boakye es vermeidet, Stereotypen zu erfinden, werden ihre fiktiven Protagonist*innen zu nachdenklichen, souveränen und selbstbestimmten Akteur*innen. Die Stimmung in ihren Gemälden ist die eines Familienalbums, einer Gemeinschaft gleichgesinnter Freunde, die einander respektieren. Gemeinschaft wird Liebe und Eros vorgezogen.

Auch wenn der Begriff „Blackness“ zentral für ihr Werk ist, hat Yiadom-Boakye immer wieder klarzustellen versucht, dass ihr die formale Seite der Malerei besonders wichtig ist: das Interesse an der Wechselwirkung und Erforschung von Form und Farbe. Raffinierte Schichtungen, modulierte Nuancen, Schattierungen und monochrome Modulationen demonstrieren Raffinesse und Vergnügen, mit denen die Künstlerin eine breite Vielfalt von Pigmentierungen innerhalb einer einzigen Farbe untersucht. Bereits der assoziative Titel der Ausstellung „Fliegen im Verbund mit der Nacht“ legt nahe, dass es die dunklen Koloraturen sind, die es Yiadom-Boakye besonders angetan haben. Das durchgehende Chiaroscuro befördert allerdings weniger Assoziationen von Unterdrückung und Rassismus, als von lapidar und in dunkles Kolorit gefärbten Räumen und Landschaften, die die Figuren in harmonischer Tonalität wie selbstverständlich hinterfangen.

Hatte Lynette Yiadom-Boakye in den 2000er Jahren noch Figuren mit fratzenhaft verzerrten Gesichtern gemalt, sind ihre Protagonist*innen neuerdings schöne, selbstbewusste schwarze Menschen. Das „vorsätzlich grob“ Gemalte und die „leicht böswillige Ausstrahlung“, das die Tate Kuratorin Andrea Schlieker Yiadom-Boakyes frühen Figuren in ihrem Katalogessay attestiert, ist in den jüngeren Arbeiten „weitgehend verschwunden“. Was durchaus zu bedauern ist: auch wenn sie ihre malerische Handschrift über die Jahre perfektionieren konnte, die Emphase der frühen Werke von Yiadom-Boakye ist in den neuen Werken verglüht.

Die Ausstellung „Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht“ läuft bis zum 13. Februar. Die Kunstsammlung NRW hat in K20 am Grabbeplatz dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie am Wochenende ab 11 Uhr unter Einhaltung der 2G-Regel geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, für Kinder zwischen 6 und 17 Jahren 2,50 Euro. Begleitend erscheint bei Hatje Cantz ein Katalog, der im Museum 38 Euro, im Handel 44 Euro kostet.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

Startseite: www.kunstsammlung.de



21.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


16.10.2021, Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht

Bei:


Kunstsammlung NRW

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Susanne Gaensheimer verlängert in Düsseldorf

Künstler:

Lynette Yiadom-Boakye










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