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Passage II. Hommage à Watteau / Doris Ziegler

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Mies van der Rohes „Tempel“ der Neue Nationalgalerie in Berlin ist wiedereröffnet. Als einer der ersten hat Alexander Calder hier nun seine monumentalen Stabiles und Mobiles platziert

Ästhetische Spiele mit Suchtgefahr



Sieben zu Bögen gekurvte Beine fächern sich auf, streben steil empor und münden an den oberen Enden in runde Scheiben. Auf den schwarz lackierten Stahlplatten biegen sich geschweißte Profile und unterstützen den dynamischen Drang in die Höhe, wobei ein Element nicht mit einer Scheibe, sondern in einer schmalen runden Spitze endet. „Wie ein großes, freundliches Tier aus dem Stahl, der unser technisches Zeitalter prägt“, bezeichnete Stephan Waetzoldt, der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Alexander Calders elegante Skulptur mit dem „vielfältigen Spiel seiner scharf gespannten Konturen und der gelösten Eleganz des Standes“.


Calders „Têtes et queue“, so der Titel der 1965 entstandenen Plastik, wurde im Juni 1968 auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie in Berlin aufgestellt, zwei Monate vor der offiziellen Eröffnung. Bereits eineinhalb Jahre zuvor stand das Werk vor dem Berliner Verlagshaus des Springer-Konzerns, dessen Stiftung den Ankauf finanzierte. Seither entfacht es einen spannungsreichen Dialog mit der minimalistischen Architektur Ludwig Mies van der Rohes, der wie sein Zeitgenosse Calder in Stahl arbeitete. Beide hatten sich bereits 1939 kennengelernt. Jeder löste auf seine Weise Massen in transparente Volumina auf; darin trafen sich der strenge Minimalist und der ästhetische Spieler. So lag es nahe, die Wiedereröffnung der sechs Jahre sanierten Nationalgalerie mit einer Calder-Schau zu feiern und damit einen Künstler zu ehren, der nicht nur eng mit Berlin und dem Museum verbunden war, sondern auch das Lebensgefühl der Zeit treffend auszudeuten verstand.

„Seine Skulpturen seien Dinge, die man mit Vergnügen betrachte“, merkte Alexander Calder einmal selbst zu seinen Arbeiten an. Dabei hatte der 1898 in Pennsylvania geborene und 1976 in New York verstorbene Amerikaner das eher rationale Studium des Maschinenbaus absolviert und arbeitete nach dem Diplom in mehreren Firmen als Hydraulik- und Automobilingenieur. Schon als Jugendlicher begann er, aus gebogenem Messingblech Spielzeug zu gestalten. Ab 1923 in New York ansässig, betätigte er sich als Illustrator, nebenbei absolvierte er Kunstkurse an der Art Students League. Ab der Übersiedlung nach Paris im Jahr 1926 nahm Calder die künstlerische Arbeit mit Draht auf. So legte er seinen „Zirkus Calder“ an, eine Miniaturmanege voller Draht-Akrobaten, gab mit ihm Aufführungen für Freunde und nahm die Jahrzehnte später etablierte Performancekunst vorweg.

Nach diesen figurativen Drahtbildern ging Alexander Calder den Schritt in die Abstraktion. Ausgelöst durch einen Atelierbesuch bei Piet Mondrian, begann er Experimente mit Gleichgewichtskombinationen verschiedener Elemente, die Marcel Duchamp „Mobiles“ taufte. Die fragilen Strukturen reagierten auf Luftzüge, Feuchtigkeit oder menschliche Interventionen. Daneben schuf er auch feststehende, stationäre Werke, für die Hans Arp den Begriff „Stabiles“ erfand. Nach den Miniaturen der 1940er Jahre ereilten Calder in den 1950er Jahren viele Aufträge für monumentale Arbeiten im öffentlichen Raum. Seine Werke faszinieren noch heute durch mannigfaltige Spielarten und Größen: von frei von der Decke schwebenden, lüsterartigen Gebilden, gewaltigen feststehenden Konstruktionen bis hin zu fragilen, zierlichen kleinen Drahtplastiken. Seine abstrakten, poetischen Gebilde stehen für das Prinzip der Offenheit und animieren Besucher zum Eingreifen durch Pusten oder zu manuellen Veränderungen.

Das Kunstwerk wird bei Calder zum Ereignis und Erlebnis; Schattenwürfe, Klänge und Schwenkungen lassen sich als erste Ansätze einer interaktiven Kunst deuten, wie sie ab den 1960er Jahren mit ZERO, Happening oder kinetischen Arbeiten in die Kunstwelt einbrach. Leuchtende, kontrastreiche Farben, insbesondere Schwarz und Rot, unterstützen die nie langweiligen Wirkungen. Weniger in den Fokus tritt allerdings das den originellen Einfällen vorausgehende aufwendige technische Austarieren der Statik, um Gefahren auszuschließen. Minimalistisch, kosmisch, oft auch als surrealistisch bezeichnet, bleibt Calders gegen traditionelle Vorstellungen von einer statischen Bildhauerei gerichtetes Œuvre schwer einzuordnen. Rund 22.000 Werke sind bei der Calder Foundation in New York registriert, die den Nachlass verwaltet.

Mit Berlin war Alexander Calder stets eng verbunden, präsentierte er doch schon 1929 in der Galerie Neumann-Nierendorf erstmals in Deutschland seine „Zeichnungen im Raum“. Fragil und dennoch schwer transportabel, sind Ausstellung seines Werkes immer enorme Herausforderungen. Dank der Kooperation mit der von Alexander S. C. Rower, dem Enkel des Künstlers, geleiteten Calder Foundation konnte das Kuratorenteam Joachim Jäger, Udo Kittelmann und Maike Steinkamp für Berlin die Schau „Minimal / Maximal“ mit 33 Arbeiten zusammenstellen. Die gläserne Halle der Nationalgalerie dient dabei als idealer Resonanzraum, um Räumlichkeiten und Maßstäbe, Leere und Körperhaftigkeit nachzuspüren. Besonders die dreizehn „Maximal“-Werke verdeutlichen den Fortschritt in der Stahlproduktion, der es Calder in den 1950er Jahren erlaubte, in neuen Maßstäben zu planen. Herausragende Beispiele dafür sind Skulpturen wie „Les Trois Ailes“ und „Les Triangles“ jeweils von 1963 sowie die „Five Swords“ von 1976. Die leuchtend rote, expressiv weit ausschwingende Plastik bildet einen markanten Kontrast zur geometrischen Strenge des Gebäudes. Was nach dem Ende der Schau bleibt, ist der empfehlenswerte Katalog mit Aufsätzen zu einzelnen Werksaspekten, der mit Mies und Calder zwei Heroen der Kunstgeschichte feiert.

Die Ausstellung „Alexander Calder. Minimal / Maximal“ ist bis zum 13. Februar zu sehen. Die Neue Nationalgalerie hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der Besuch ist unter der 2G-Regel nur mit einem Zeitfensterticket möglich, das online gebucht werden kann. Der empfehlenswerte Begleitkatalog aus dem Prestel Verlag kostet im Museum 25 Euro, im Buchhandel 39 Euro.

Kontakt:

Neue Nationalgalerie

Potsdamer Straße 50

DE-10785 Berlin

Telefon:+49 (030) 26 62 651

Telefax:+49 (030) 26 24 715

Startseite: www.smb.museum



13.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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