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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Vor allem die unbekannten Namen der Kunst des 20. Jahrhunderts fanden bei Irene Lehr in Berlin viele Freunde, und auch die Malerinnen mischten kräftig mit

In Ost und West die Wahrheit



Unter den kleineren deutschen Versteigerern ist die Wahlberliner Irene Lehr eine der umtriebigen Auktionatorinnen. Mit ihrem Programm von der Moderne bis zur Gegenwart trifft sie den Nerv ihrer Käufer und kann auf hohe losgezogene Verkaufsraten verweisen, zuletzt wieder auf einen Spitzenwert von 93 Prozent. Und wieder waren es vor allem die Künstler und Künstlerinnen abseits der ausgetretenen Pfade, etwa aus der Zwischenkriegszeit oder der ehemaligen DDR, deren Werke bei den Sammler auf Gegenliebe stießen. Allen voran stand diesmal Jeanne Mammen. Die gesellschaftskritische Chronistin des mondänen Berliner Großstadtlebens nach dem Ersten Weltkrieg war mit mehreren Arbeiten aus der Sammlung des Mediziners und Neurologen Stanislaw Karol Kubicki zugegen, der sich besonders für die Künstlerin engagierte und jahrelang Präsident der Jeanne Mammen-Gesellschaft war. Kein Wunder also, dass alle sechszehn Mammen-Werke aus seinem Besitz einen Abnehmer fanden, meist zu Preisen deutlich über den Schätzungen. So kletterte die mit Bubikopf frisierte „Frau mit Katze“, die ihren hinter einer Zeitung versteckten Mann missmutig beäugt, von 35.000 Euro auf 40.000 Euro, die zweite aquarellierte Zeichnung der „Dirne auf grüner Couch“ von gleicher Basis gar auf 66.000 Euro.


Ebenfalls aus den frühen 1930er Jahren stammten Jeanne Mammens Ölgemälde eines unsicher blickenden Knaben mit hohlen schwarzen Augen, der sich erst bei 26.000 Euro verabschiedete (Taxe 15.000 EUR), oder ihre kühnen Darstellungen von Prostituierten und Bordellszenen; hier langten die Käufer vor allem bei der Lithografie „Nutten“ mit 7.500 Euro zu (Taxe 3.000 EUR). Auch Mammens weniger bekanntes, vom Krieg geprägtes plastisches Schaffen aus den 1940er Jahren fand Anklang, etwa ihre goldbraune Bronze mit dem Kopf „Krieger I“ um 1944 für 6.500 Euro (Taxe 3.000 EUR). Hat sich Jeanne Mammen in den letzten Jahren durch mehrere Ausstellungen schon einen gewissen Namen erarbeitet, müssen andere Künstler noch auf ihre Wiederentdeckung warten. Dazu gehört der vor allem in Lübeck tätige Maler Leopold Thieme, der sich bei Irene Lehr mit einem Selbstbildnis auf einer Mauer vor der weiten See in ungewöhnlichem Kolorit vorstellte. Der Wert für das Gemälde von 1913 schnellte von 400 Euro auf 24.000 Euro.

Die Unbekannten

Bei Karl Eugen Segewitz, einem der Höri-Maler um Dix und Heckel, fiel der Anstieg etwas moderater aus; dennoch waren die 7.500 Euro für die expressionistische Weltsicht „Gewalt (Das blaue Pferd)“ von 1919 unerwartet (Taxe 1.200 EUR). Ebenso erging es Karl Rössings neusachlichem Stillleben mit Schuhspannern, Holzklötzen und Papieren von 1924 mit 6.500 Euro (Taxe 3.000 EUR), Egon Ittas abgezirkeltem Arrangement aus zwei Kakteen, zwei Orangen und drei Bananen von 1926 bei 4.500 Euro oder Heinrich Steinhagens lebhafter Ölskizze eines liegenden weiblichen Akts mit 2.200 Euro (Taxe je 900 EUR). Leo von Königs gemäßigt moderne sommerliche Straßenszene mit einer „Osteria in Rapallo“ von 1927 konnte sich über 6.000 Euro freuen (Taxe 4.000 EUR), Carl Lohses spätexpressionistische Meeresbrandung unter rotem Abendhimmel von 1959 über 6.500 Euro (Taxe 3.000 EUR), Theo von Brockhusens menschenleere Landschaft „Weg nach Geltow“ unter bewölktem Himmel über 16.000 Euro (Taxe 10.000 EUR).

Während sich die Sammler bei Erich Wegners leicht kubistisch verfremdetem Zirkusgemälde „Clown mit Trompete“ von 1921 bei 12.000 Euro etwas zurückhielten (Taxe 15.000 EUR), griffen sie bei Max Schwimmers Aquarell mit aufgespaltenen Kopfformen bei 6.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) und vor allem bei Georg Scholz wieder kräftig zu. Keines seiner zwölf gesellschaftskritischen Blätter blieb liegen; an erster Stelle positionierte sich seine Zeichnung einer Dorflandschaft mit einem fein gekleideten, pockennarbigen älteren Herrn, der seine Hand um den Oberschenkel eines ebenso lüsternen jungen Mannes beim Spielen der Schalmei gelegt hat, für 36.000 Euro (Taxe 20.000 EUR). Darauf folgten die beiden ebenso veristischen Lithografien „Apotheose des Kriegervereins“ von 1921/22 bei 9.000 Euro (Taxe 5.000 EUR) und „Zeitungsträger“ bei 7.500 Euro (Taxe 4.000 EUR).

Reinhold Nägeles neusachliche farbenfrohe Ballons von 1938 stiegen bei 13.000 Euro in den blauen Himmel auf (Taxe 10.000 EUR). Surrealistische Ideen machte sich Ferdinand Springer 1936 bei seiner südlichen Landschaft mit wesenlosen Menschen zu eigen, die ungeahnte 3.600 Euro abwarf (Taxe 900 EUR). Ebenso gestaltete Mac Zimmermann 1954 eine weite flache Gegend mit großer Wand und einigen Figuren beim „Familienleben“, die sich bei 16.000 Euro ebenfalls gut behauptete (Taxe 10.000 EUR). Obwohl Willi Müller-Hufschmid seine Kunst 1959 auf der zweiten Documenta in Kassel präsentieren konnte, erinnern sich heute nur wenige an den Karlsruher Maler. Dabei war seine abstrakte Malerei mit ihrem Gewicht auf der Farbgestaltung und ihrer meditativen Wirkung in der unmittelbaren Nachkriegszeit beliebt, was sich auch jetzt an den 4.200 Euro für sein „Nachtbild“ zeigte (Taxe 700 EUR).

Frauenpower

Entdeckungen versprach aber auch die weibliche Künstlerriege der Moderne. Während die Hamburgerin Anita Rée auf eine gewisse Reputation verweisen kann und daher mit ihrem 1922/25 in Kohle gezeichneten stillen Frauenhalbakt bei 16.000 Euro schon in der Fünfstelligkeit rangiert (Taxe 15.000 EUR), kennt heute die 1885 in Wien geborene Lene Schneider-Kainer kaum jemand, obwohl sie 1917 in der renommierten Galerie von Wolfgang Gurlitt in Berlin ihren Durchbruch feiern konnte. Doch die Wirren des 20. Jahrhunderts machten der Jüdin einen Strich durch die Rechnung und ließen sie über Spanien und die USA nach Bolivien auswandern, wo Schneider-Kainer 1971 starb. Auf ihre künstlerische Qualität verwies bei Irene Lehr ein zwischen Impressionismus und Expressionismus changierender träumerischer weiblicher Akt, den ein Sammler erst bei 4.000 Euro übernehmen konnte (Taxe 1.800 EUR).

Zu den beiden gesellten sich etwa noch Mathilde Kliefert-Gießen mit ihrer verschwommenen jungen „Träumenden“ um 1910 für 900 Euro (Taxe 1.200 EUR), Paula Gans mit ihrem anrührenden „Sitzenden weiblichen Halbakt“ aus den 1920er Jahren bei 3.600 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Elisabeth Andrae mit ihrem belebten Markt auf dem Palaisplatz in Dresden an einem hellen Tag für 5.000 Euro (Taxe 1.500 EUR). Einen neoklassizistischen harten Stil, geschult an antiken Vorbildern, pflegte Elisabeth Kallen in den 1920er Jahren und verband ihn mit biblischen Themen, was der Theologe Paul Tillich als „gläubigen Realismus“ bezeichnete. So hat sie 1924 auch ihr Ölgemälde mit dem segensreichen „Johannes dem Täufer“ angelegt, das die Käufer nun zu 8.500 Euro animierte (Taxe 6.000 EU). Als Bildhauerin machte Katharina Heise mit ihrer schwarzbraunen Bronzefigur einer schlanken „Sinnenden“ in abstrahierten Formen bei 6.000 Euro auf sich aufmerksam (Taxe 3.000 EUR).

Zurückhaltung bei den Bekannten

Dass die Kunden des Berliner Auktionshauses beherzter bei den niedrigen Schätzpreisen anbissen und manch höher taxiertes Kunstwerk links liegen ließen, musste einige Klassiker erfahren. An die Einlieferer gingen etwa Erich Heckels flüchtige expressionistische Ölkreidezeichnung „Zwei Figuren am Meer“ von 1909 (Taxe 35.000 EUR), Karl Hofers melancholischer Mädchenkopf im Profil nach links von 1942 (Taxe 45.000 EUR) oder Carl Buchheisters formstrenge geometrische „Diagonalkomposition braun-schwarz“ von 1934 zurück (Taxe 50.000 EUR). Das mit 100.000 Euro angesetzte Highlight der Versteigerung, A.R. Pencks buntes Acrylgemälde „K1“ mit seinen typischen archaischen Zeichen und reduzierten Strichmännchen von 1976, musste einen leichten Abschlag auf 95.000 Euro hinnehmen, ebenso wie Hermann Max Pechsteins aquarellierte Bleistiftzeichnung einer nackten Mutter mit Kind am Strand von 1920 auf 15.000 Euro (Taxe 18.000 EUR). Sein gleichfalls kantiger Farbholzschnitt „Zwiesprache“ zwischen zwei weiblichen Akten verdoppelte seinen Wert dagegen auf 8.500 Euro.

Publikumslieblinge bei der modernen Kunst waren zudem Conrad Felixmüllers farbintensive, zum zweiten Mal angetretene „Heuernte in Klotzsche“ von 1931 für 18.000 Euro (Taxe 10.000 EUR), Lyonel Feiningers spartanische Zeichnung „Accented“ mit gelb leuchtenden Segeln von angedeuteten Booten von 1946 für 25.000 Euro (Taxe 20.000 EUR) oder George Grosz’ vorbereitende Zeichnung für die Lithografie „Hochbahn“ von 1915 für 9.000 Euro (Taxe 2.000 EUR). Karl Hubbuch reüssierte mit seiner Grafitzeichnung des heiligen Dionysius samt zwei Engeln vom Portal der Kirche Notre Dame bei 2.300 Euro (Taxe 600 EUR) und Gustav Klimt mit dem feinlinigen Gekringel eines sitzenden, nach vorne gebeugten Mädchenakt um 1915 bei 41.000 Euro (Taxe 35.000 EUR). Zugkräftig waren auch Oskar Molls eher studienhafte „Berglandschaft im Toten Gebirge“ bei schlechtem Wetter von 1922 für 12.000 Euro (Taxe 10.000 EUR) und Otto Modersohns gleichaltriger, ebenso verhaltener „Frühlingstag an der Wümme“ für 16.000 Euro zum Doppelten der Erwartung, während bei seinem Worpsweder Kollegen Fritz Overbeck nur 5.000 Euro für die sommerliche „Birkengruppe vor rotem Haus“ heraussprangen (Taxe 7.000 EUR).

In Ost

Ein weiteres Standbein von Irene Lehr ist die Kunst aus der DDR, die sich fast durchgängig an einer figurativen Bildsprache orientierte. Werke aus der frühen Nachkriegszeit waren unter anderem Josef Hegenbarths „Akademiestudenten“ beim konzentrierten Aktzeichnen von 1953 für 8.000 Euro (Taxe 5.000 EUR), Wilhelm Lachnits schon weit in die Abstraktion vorangetriebene bunte „Fischernetze am Strand“ von 1950 für 11.500 Euro (Taxe 12.000 EUR) oder Theodor Rosenhauers 1950 zurückhaltend gemaltes „Haus mit Schimmelgespann in der Lößnitz“ für 32.000 Euro (Taxe 20.000 EUR). Eine triste Atmosphäre verbreitete auch Otto Möhwalds Fensterausblick auf eine graue menschenleere „Straße mit Laternenmast“ von 1957, die dennoch von 3.000 Euro auf 12.000 Euro vordrang. Nur preisliche Stimmungskanonen waren gleichfalls Kurt Bunges „Somnabule“ von 1949 bei 6.600 Euro, Kurt Mühlenhaupts monochromes „Küssendes Paar“ von 1961 bei 3.800 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder die Hühner auf Curt Querners Aquarell „Hünichs Hof in Börnchen“ von 1934 bei 6.500 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Hans Erich Schmidt-Uphoffs mit Blattgold, Metallfolie und Acrylfarbe 1980 kommemorierte Figurinen der Bauhausbühne in Dessau des Jahres 1927 tanzten dann schon munterer bei 4.200 Euro davon (Taxe 1.000 EUR). Den Formalismusstreit in der frühen DDR erlebte Karl-Heinz Adler hautnah mit; dennoch brach sich seine konkret-konstruktive Bildsprache ab seiner Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Dresden in seriell angelegten Collagen und Materialschichtungen Bahn. Zeugnis davon gab die schwarz-graue fächerartige „Schichtung von Quadraten“ von 1957/58, die mit 8.500 Euro beim Publikum gut ankam (Taxe 3.500 EUR). Auch in Hartwig Ebersbachs nun 3.200 Euro, respektive 5.000 Euro teuren Farbschlachten aus der Serie „Kaspars kubistische Variante“ von 1988 bleibt nicht mehr viel von der Figur übrig (Taxe je 3.000 EUR), während sich Clemens Gröszer in seiner Malerei an den Alten Meister und der veristischen Kunst der 1920er Jahre orientierte. Seine „Sächsische Venus“ im detailreichen Naturalismus eines Cranach und Dix verlangte 12.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).

In altmeisterlicher Genauigkeit zeichneten auch Werner Tübke 1961 den vielfigurigen „Bauernmarkt in Suchumi“ im Kaukasus, der nun von 3.500 Euro auf 5.200 Euro sprang, und Heinz Zander 1974 seine beiden an Hieronymus Bosch und den Surrealismus angelehnten Visionen „Erster und zweiter Glockenschlag von Angelus gehört von dem zwischen den Steinen“ und „Die Träume des Bellerophon“, die statt 600 Euro gute 1.200 Euro einspielten. Auch Harald Metzkes’ Werke scheinen immer ein Sinnbild auf die gesellschaftliche und politische Situation in der DDR und der Nachwendezeit zu sein, etwa seine bedrückende „Kinderkutsche“ von 1958 für 6.000 Euro, die verschwommene „Atelierkonferenz“ mit ihm und seinen Kollegen für 7.000 Euro (Taxe je 8.000 EUR) oder die nur vordergründig ausgelassenere „Spanische Sängerin“ von 2005 für 6.500 Euro (Taxe 4.000 EUR). Lutz Friedel lässt in seinem „Atelier II“ von 2009/11 Künstler von Rembrandt bis Lucian Freud als kleine Personen auftreten und gesellt ihnen einige ihrer Schöpfungen bei, was ihm nun 5.800 Euro einbrachte (Taxe 3.000 EUR).

und West

1958 übersiedelte Herbert Kitzel von Halle an der Saale nach Karlsruhe und nahm an der dortigen Kunstakademie seine Lehrtätigkeit auf. Aus der DDR stammt noch sein Gemälde „Stemmer, grün-braun“, mit dem er 1955 auf das Thema der Gaukler und Akrobaten zurückgriff und nun bei 14.000 Euro überzeugte (Taxe 2.500 EUR). Eine gewisse Ähnlichkeit in der Figurenzeichnung lässt sich bei dem ebenfalls von Ost nach West übersiedelten Georg Baselitz entdecken, schaut man seine gemeinsam mit Eugen Schönebeck 1962 gezeichnete Hektografie des „2. Pandämonischen Manifests“ an, die bei 17.000 Euro gefragt war (Taxe 2.500 EUR). Baselitz’ 1977 mit schwarzer Gouache gezeichneter Adler muss zwar auf dem Kopf stehen, flog aber dennoch bei 32.000 Euro davon (Taxe 9.000 EUR). Dass damals im Westen nicht nur die Abstraktion dominierte, machten Jörg Immendorffs frühes Aquarell einer schrägen zerfallenden Stadtansicht von 1963 für 8.000 Euro (Taxe 6.000 EUR) und Markus Lüpertz’ „Dithyrambische Figur“ auf Bütten für 7.000 Euro deutlich (Taxe 4.000 EUR).

Schon weitaus mehr zur Ungegenständlichkeit tendiert Dieter Kriegs mit 14.000 Euro honoriertes Blatt aus dem Zyklus der „Venedig-Bilder“ von 1977, der darin abgerissene Körperteile in expressivem kraftvollem Malgestus paraphrasierte (Taxe 10.000 EUR). Auf parallel angeordnete Farbstreifen konzentrierte sich Günter Fruhtrunk und evozierte 1961 durch unterschiedlich dicke und lange Balken in Blau und Schwarz den titelgebenden „Rhythmus“ auf knallig rotem Grund, was nun zu 22.000 Euro führte (Taxe 14.000 EUR). Auch Kuno Gonschior führte in ihrer Kunst analytische Farbuntersuchung durch, etwa 1989/95 mit einem Meer aus unzählig kleinen Tupfen in Öl und Wachs zu „Ultramarinblau“. 24.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 15.000 EUR). Max Coles titellose Gouache aus feinen Horizontallinien in Schwarz und Grau auf graubraunem Grund vereinigte 2.600 Euro auf sich (Taxe 1.200 EUR). Klaus Staudt ließ seine blauen Rechteckte auf dem Multiple „Modulation MU IV CB“ von 1969/99 bei 5.500 Euro vibrieren (Taxe 1.200 EUR), und Manfred Mohr nutzte schon früh Computerprogramme und Algorithmen, um seine „Surrealistische Geometrie“ zu konstruieren. Seine auf diese Weise generierte Winkelformation „P 417/1L (#1)“ von 1988 blieb bei 3.400 Euro nicht unentdeckt (Taxe 500 EUR).

Auch die ZERO-Kunst mischte die Abstraktion auf, so Otto Pienes Feuergouache mit verbranntem innerem Kreis samt dunkler Rußwolke auf hellem Grund in Orange von 1987 für 21.000 Euro (Taxe 22.000 EUR) oder Günther Ueckers Prägeduck aus diagonal strömenden Nägeln von 1994 für 7.500 Euro (Taxe 3.500 EUR). Adolf Luther experimentierte mit Licht und seinen energetisch-optischen Eigenschaften und verwendete dafür häufig Spiegel, wie 1969 bei seinem quadratischen Objekt aus 16 konkaven Hohlspiegeln auf schwarzem Holzbrett, das mit 9.000 Euro gut abschnitt (Taxe 6.000 EUR). Auf Sprache und Grammatik, die er wie das Recht als normatives System versteht, setzte der Konzeptkünstler Thomas Locher 1999 bei seinem Fensterbild mit der Aufschrift „Die Ausnahme stellt für die Regel eine Prüfung dar“ und erhielt dafür nun 5.500 Euro (Taxe 1.000 EUR). Ein verspielter Zug ist dagegen Jirí Georg Dokoupils zerplatzen bunten Seifenblasen in Türkis, Gelb und Rot auf schwarz grundierter Leinwand für 18.000 Euro eigen (Taxe 20.000 EUR).

die Wahrheit

Mit einer jüngeren Künstlergeneration kehrte ab den 1970er Jahren die Gegenständlichkeit wieder zurück, etwa mit Christian Ludwig Attersee, einem österreichischen Vertreter der Pop Art, dessen motivreiches schmackhaftes Gemälde „Fetthaus“ von 1977 mit 25.000 Euro hofiert wurde (Taxe 12.000 EUR). C.O. Paeffgen wählte ebenfalls eine plakative konturgebundene Bildsprache und verwendete oft Pressefotos, so auch 1971 bei seinem „Turner“ die russische Tageszeitung „Prawda“, der seinen Bock bei 23.000 Euro übersprang (Taxe 10.000 EUR). Während Rosemarie Trockel 1984 auf einer Papierarbeit eine furchteinflößende Tier-Mensch-Schimäre für 13.000 Euro schuf, versteckte Christa Dichgans 1990 in einem überdimensionierten „Gelben Wunderknäuel“ mehrere kleine Konsumobjekte, die aber nur 7.500 Euro Wert waren (Taxe 9.000 EUR). Cornelia Schleimes intensiver „Schulterblick“ einer jungen Frau von 2001 betörte die Kundschaft mehr, die dafür 17.000 Euro spendierte (Taxe 15.000 EUR).

In ihrer Malerei setzt sich Rosa Loy gleichfalls mit der Weiblichkeit auseinander und stellt ausschließlich Frauen bei unerklärlichen Tätigkeiten dar; sowohl für ihr „Fadenspiel“ von 1999, als auch für ihre gleichaltrigen „Kreisel“ lief es mit 11.000 Euro und 13.000 Euro gut (Taxe je 10.000 EUR). Auf den Fotorealismus griff der im vergangenen Jahr verstorbene Maler Fritz Kreidt bei seinen Berlin-Veduten aus dem Zyklus „Preußische Baustellen“ zurück. Die Sammler nahmen „Wolff & Müller“ beim Bau des neuen Kanzleramts von 2000/01 für 2.200 Euro (Taxe 1.500 EUR) und den „Bauplatz Dorotheenblock Süd“ von 1997/99 für 2.600 Euro mit (Taxe 1.000 EUR). Olaf Holzapfels interessiert sich für den Raum, den er 2001 auf seiner Leinwand „Normal“ mit perspektivisch schräg gestellten Kompartimenten und Linien in Grau und Weißstufen illusionistisch erzeugte und einträglich bei 5.800 Euro abgab (Taxe 5.000 EUR).

Die Gattung Skulptur war ebenfalls mit Beispielen von der Moderne bis zur Gegenwart bei Irene Lehr vertreten. Die Kundschaft nahm etwa Renée Sintenis’ dynamische Bronze „Der Läufer Nurmi“ von 1926 bei 28.000 Euro besonders in den Blick, beachtete aber die zwei Jahre jüngere Statuette der Schauspielerin und Sängerin Friedel Schuster von Fritz Klimsch mit 16.000 Euro weniger (Taxe je 18.000 EUR). Auch bei Hermann Blumenthals dunkelbrauner Bronze des männlichen Akts „Sitzender aufschauend“ von 1930/31 kam bei 12.000 Euro keine große Bietlaune auf (Taxe 15.000 EUR), deutlich mehr schon bei Manfred Welzels freundlichem „Kniendem Mädchen“ von 1979 mit 3.400 Euro (Taxe 1.800 EUR) und Wieland Försters kopf- und armloser Siegesgöttin „Nike“ von 1997 mit 8.500 Euro (Taxe 3.500 EUR). Trak Wendischs gelbgefasste Holzskulptur der gezierten „Tänzerin III“ von 1993 drehte nur bis zu 6.000 Euro auf, Michael Sailstorfers mit silbernem Chromlack besprühter und damit zum Kunstwerk stilisierter Spielautomat „Rien ne va plus“ von 2009 erarbeitete sich wenigstes 7.500 Euro (Taxe je 8.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

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Sybelstraße 68

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Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95

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05.03.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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