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Österreich trauert um Hans Staudacher

Hans Staudacher ist gestorben

Der österreichische Maler und Dadaist Hans Staudacher ist wenige Tage nach seinem 98. Geburtstag verstorben. Nach Aussage des befreundeten Galeristen Ernst Hilger sei er in der Nacht zum Sonntag friedlich eingeschlafen. „Hans Staudacher war ein Meister der Informellen Kunst, jener abstrakten, nicht-geometrischen Stilrichtung, die in den 40er und 50er Jahren ihren Ausgang genommen hat. Seine unverkennbare Farben- und Formensprache, seine Bildkompositionen sowie seine unkonventionelle Herangehensweise machten ihn zu einem der wichtigsten Vertreter Österreichs der Malerei der Nachkriegszeit, der bis in die Gegenwart sein Schaffen stringent fortgesetzt hat“, so Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. Staudacher hat in den späten 1950er Jahren durch seine Auseinandersetzung mit der internationalen Malerei zur Erneuerung der österreichischen Kunst beigetragen und durch seine herausragende Position im Lettrismus, dem Informel, der Lyrischen Abstraktion und der Poesie objective auch übernationale Anerkennung erlangt.

Am 14. Januar 1923 in St. Urban in Kärnten geboren, blieb Hans Staudacher abgesehen von einer Malausbildung bei dem Expressionisten Arnold Clementschitsch an dessen 1947 gegründetem Landesinstitut für bildende Kunst in Klagenfurt Autodidakt. Sein Volksschullehrer habe die Mutter mit Blick auf die von Staudacher bekritzelte Schulbank auf die Neigung ihres Sohnes hingewiesen: „Der Bub muss Maler werden“. Gemeint war Maler im Sinne von Anstreicher, „aber ich bin ein Kritzler geblieben“, erzählte Staudacher einmal. Zu Beginn entstanden realistische Porträts und Landschaften sowie harmonische Tierdarstellungen mit spätkubistischen Tendenzen. 1950 zog Staudacher nach Wien, wo er sich der Wiener Secession anschloss, deren Ehrenmitglied er 1991 wurde. Neben den Künstlern des „Nötscher Kreises“, Anton Kolig und Franz Wiegele, inspirierten ihn die Arbeiten von Gustav Klimt, Egon Schiele und Alfred Kubin aber auch Paul Klee, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso oder Joan Miró. Als Grafiker entwickelte Staudacher einen autonomen Duktus mit gegenständlichen Anklängen, die lineare Formensprache überlagerten später flächige, farbenfrohe Elemente, wobei der Gegenstand immer mehr zurücktrat. Wie heftige Emotionen traten seine abstrakten Gebärden nach und nach zutage – selten malte er ein Gemälde in einem Zug.

Durch mehrfache Aufenthalte in Paris zwischen 1954 und 1962, bei denen er mit den Werken von Georges Mathieu und dem lyrischen Informel in Berührung kam, nahm Hans Staudacher später typografsche Elemente als gleichberechtigte Komponenten in seine Kunst auf. Durch die Kombination von Textpassagen aus Zeitungen oder fragmentarischen Kürzeln mit „armen Materialien“ wie Holz oder Jutetextilien gelang Staudacher eine Mischung aus Abstraktion und Realitätsbezug, die er für politische, appellative oder poetische Botschaften nutzte. Ab 1960 nahm sein Schaffen zunehmend abstrakte Züge an, in seinen als „Poesie objective“ betitelten Werken stellte der Künstler gesellschaftliche Zustände und Bewegungen dar. Bekannt ist Staudacher auch für seine in teils öffentlichen Mal- und Materialaktionen entstandenen „Nu-Bilder“, sozusagen im Augenblick entstandene Gemälde. Das Prinzip der spontanen Geste – Spritz- und Rinnspuren der Farbe sowie flächige Wischbewegungen – führte der Künstler auch in seinem Spätwerk ab 1990 weiter. „Ich bin eher ein spontaner Maler, der seinen Überschuss wie ein Boxer los wird. Anstatt zu boxen, bewirtschafte ich lieber die Leinwand“, so Staudacher.

Der internationale Durchbruch gelang dem Künstler mit seiner Teilnahme an der Biennale in Venedig 1956, einer großen Ausstellung in Paris und dem Hauptpreis der Biennale in Tokio 1965. Anlässlich seines 75. Geburtstages widmete ihm das Kunsthistorische Museum 1998 im Palais Harrach eine große Ausstellung, fünfzehn Jahre später veranstaltete die Wiener Galerie Hilger 2013 die Ausstellung „90 Jahre gegen den Strom“. Wiens Altbürgermeister Michael Häupl versprach dem Künstler damals ein Ehrengrab. Staudacher war in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten und wurde mit mehreren Auszeichnungen geehrt, unter anderem dem Preis der Grafikbiennale in Ljubljana 1967, dem Großen Goldenen Ehrenkreuz für Verdienste um das Land Kärnten im Jahr 1997 sowie dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse der Republik Österreich im Jahr 2004. Österreichs Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer lobte das außergewöhnliche Leben Staudachers: „In seinem Werk drückte sich das Spezifische einer Weltsicht aus, die sehr bewusst mit dem Gegenständlichen brechen wollte. Er war ein vorausdenkender Künstler, der das Kunstleben Österreichs wesentlich bereichert hat, und der nichts Anderes wollte, als malen.“

Quelle: Kunstmarkt.com/Amanda Bischoff

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