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In Zeiten von „wireless“ sind sie fast schon ein Anachronismus: Kabel. Die Ausstellung „Connecting Sound Etc.“ im Wiener Museumsquartier stellt jetzt Kabel-Arbeiten von über 50 internationalen Künstlern vor

Total verkabelt



Wir hantieren Tag für Tag mit ihnen, doch sind sie dermaßen zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir keinerlei Gedanken an ihre bloße Präsenz, ihre womöglich höhere Bestimmung, ihren metaphorischen Gehalt oder ihre simple Eignung als künstlerisches Material verschwenden. Die Rede ist von Kabeln, jenen unter einer isolierenden Gummi- oder PVC-Ummantelung verborgenen Drahtleitungen, die dafür sorgen, dass wir es hell haben, mit anderen kommunizieren können oder aus den Lautsprechern unserer Stereoanlagen Musik erklingt. Die Ausstellung „Connecting Sound Etc., Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere“ im Freiraum des Wiener Museumsquartiers lenkt den Blick jetzt explizit auf dieses bisher von Ausstellungsmachern weitgehend vernachlässigte Material.


Zusammengestellt hat die ziemlich rasant und abwechslungsreich inszenierte Schau der in Wien lebende deutsche Künstler und Kurator Georg Weckwerth, der sich vor allem als Leiter des Berliner Klangkunstfestivals „Sonambiente“ einen Namen gemacht hat. Vor vier Jahren bereits präsentierte Weckwerth die Schau „Der Lautsprecher“ mit Arbeiten von 26 internationalen Künstlern zum Thema elektronische Beschallung im Kleinen und Großen. Weckwerth, der im Wiener Museumsquartier mit der seit 2003 von ihm kuratierten „Tonspur-Passage“ so etwas wie der Soundpapst ist, hat einmal genauer hingeschaut und in puncto Kabel in der Kunst ebenso Erstaunliches wie Skurriles, scheinbar Banales und zu Unrecht Übersehenes zu Tage gefördert.

Der Koreaner Young-Sup Kim etwa hat im Zwischengeschoss seine Arbeit „Koexistenz“ aufgebaut. Aus weißen Kabeln hat er traditionelle Keramikgefäße nachgeformt, in deren Inneren sich kleine Lautsprecher befinden, die einen Soundteppich aus haushaltstypischen Geräuschen erzeugen. Von William Eggleston ist die berühmt gewordene Aufnahme einer rot gestrichenen Zimmerdecke samt nackter Glühbirne und dreier dilettantisch verlegter Kabel zu sehen, allerdings nicht in Form eines teuren Fine-Art-Prints sondern als Plattencover der Band „Radio City Big Star“. Der Wiener Werner Reiterer zeigt eine große gelbe Kabeltrommel samt 270 Meter aufgewickeltem Kabel, auf das er die wichtigsten Ereignisse seit Entstehung des Universums vor 13,5 Milliarden Jahren notiert hat; die gesamte Menschheitsgeschichte macht da gerade einmal einen Millimeter aus. Der Wiener Aktionist Rudolf Schwarzkogler – zwei Fotos von 1965 zeigen ihn eingeschnürt in weiße Bandagen und schwarze Elektrokabel – darf in so einer Schau natürlich ebenso nicht fehlen wie die Japanerin Atsuko Tanaka. Eine ganze Vitrine widmet sich ihrer Arbeit „Electric Dress“ von 1956, einem an eine Burka erinnernden Kostüm aus Kabeln, bunten Neonröhren und Glühlampen sowie deren Rezeptionsgeschichte.

Einige Arbeiten sind auch extra für die Schau entstanden, so die an ein überdimensioniertes naturwissenschaftliches Schaubild angelehnte Installation „Duende Diagram“ des in Los Angeles und Berlin lebenden Amerikaners Warren Neidich. Neidich hat aus Neonzeichen, Leuchtfarbe, Mehrfachsteckdosen und Kabelverbindungen ein komplexes Modell dafür entwickelt, wie Sound von unseren neuronalen Netzwerken wahrgenommen und verarbeitet wird. Seine Kernaussage: Gerade ungewohnte, ja sogar anarchische Klänge etwa im Falle der Neuen oder Improvisierten Musik stimulieren das im neo-liberalen Spätkapitalismus von Mainstreamsounds eingelullte Gehirn zu neuen, emanzipatorischen Mustern ästhetischer Erkenntnis und womöglich sogar politischen Widerstands. Warren Neidich, der sein „Duende Diagram“ während eines zweimonatigen Stipendiums im Museumsquartier entwickelt hat, setzt sich seit vielen Jahren in seinem künstlerischen Werk, aber auch in Essays und performanceartigen Vorträgen kritisch mit der neuroästhetischen Überformung unserer kognitiven Strukturen im digitalen Zeitalter auseinander.

Georg Weckwerth inszeniert seine anregende Schau im Freiraum des Museumsquartiers als Allover ohne abgeschottete Black Boxes, schallisolierende Vorhänge oder schaumstoffgepolsterte Trennwände. „Wenn Soundarbeiten eine Chance haben sollen, museal zu werden, müssen sie nebeneinander bestehen können“, sagt er. Er setzt daher auf die Ausnutzung jedes noch so kleinsten Raumes und Winkels. So zeigt eine unspektakuläre Fotografie der jungen Inderin Shilpa Gupta eine Straßenkreuzung in Kalkutta. Die Stimmen von Straßenhändlern liefern den Sound dazu. Die Berliner Klangkünstlerin Christina Kubisch präsentiert die komplexe 12-Kanal-Komposition „CLOUD“ von 2011/14 in Form einer Wolkenskulptur aus 1,5 Kilometern zusammengeknäueltem Kabel. Der Besucher kann im Alltag verborgene Rauschgeräusche, die von elektromagnetischen Feldern herrühren, über Kopfhörer erfahren. Je nachdem, wie nahe er der Wolke rückt, ändern sich Klangintensität und Geräuschpegel. Kubischs synästhetische Soundsysteme sind bislang überwiegend Insidern der Klangkunstszene bekannt. Im allgemeinen Museumskontext werden sie selten ausgestellt. „Es ist schade, wenn sich nicht eine breite Kennerschaft innerhalb der Kunst damit auseinandersetzt“, so Georg Weckwerth.

Eine geradezu sprachphilosophische Kuriositätensammlung präsentiert die Schau schließlich mit der „Kabelenzyklopädie“ von Klaus Ferentschik. Der Berliner Schriftsteller hat innerhalb von acht Wochen in Wien knapp 600 Begriffe mit dem Wortbestandteil „Kabel“ gesammelt, indem er Vertreter der unterschiedlichsten Disziplinen und Szenen vom Elektriker über den Psychiater bis hin zum Sado-Masochisten befragte. Von der Kabelallergie über den Kabelmarder bis hin zum Kabelentfesselungskünstler ist alles dabei. Unter anderem erfährt man auch, was echte Wiener eigentlich meinen, wenn sie die „Kabeln kriegen“: Sie ärgern sich so sehr, dass die Adern hervortreten. Zur Ausstellung erschien jetzt eine kleine Publikation mit den alphabetisch geordneten Kabel-Begriffen.

Die Ausstellung „Connecting Sound Etc.“ ist Bestandsaufnahme und Abgesang zugleich. „Die Entkabelung schreitet rasant voran“, so Georg Weckwerth, „Wireless ist State of the Art und allgegenwärtiger Begriff im Alltag. So wie die Cloud, in die wir unsere digitalen Daten zwecks Speicherung und weltweiter Verfügbarkeit kabellos hineinbeamen.“

Die Ausstellung „Connecting Sound Etc. – Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere“ ist noch bis zum 24. August im Museumsquartier in Wien zu sehen. Zu hören sind die Kunstwerke dienstags bis sonntags von 13 bis 19 Uhr. Es liegt ein kostenloses Faltblatt mit Informationen zu allen Künstlern vor. Das 60seitige Künstlerbuch „Kabelenzyklopädie“ von Klaus Ferentschik kostet 9,90 Euro.

Kontakt:

Museumsquartier Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 523 58 81

www.quartier21.at



10.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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