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Die Präsentation „Mind Expanders“ im Wiener Museum Moderner Kunst thematisiert den Aufbruch der 1960er und 1970er Jahre in der Kunst

Bewusstseinerweiterungen um 1968



Weltweit fanden in den 1960er Jahren Studentenproteste unterschiedlicher Vehemenz statt. Überkommene Gesellschafts- und Beziehungsstrukturen wurden in Frage gestellt, was zu weit reichenden ideologischen Kontroversen führte. In Österreich verliefen die Jahre des Protests ruhiger als in anderen Ländern. Es gab Solidaritätsveranstaltungen für Rudi Dutschke, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und das Schah-Regime in Persien, bei denen es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei kam. Eine Veranstaltung, die nicht von Studenten, sondern von Künstlern abgehalten wurde, rief in Österreich die heftigsten Reaktionen hervor. Das in einigen Medien als „Uni-Ferkelei“ skandalisierte Ereignis „Kunst und Revolution“ fand am 7. Juni 1968 vor rund 300 Zuschauern im Hörsaal 1 des Neuen Institutsgebäudes der Universität Wien statt und wurde von Günter Brus, Otto Muehl, Peter Weibel und Oswald Wiener ausgeführt. Weiter waren Malte Olschewski und Valie Export daran beteiligt. Die nahezu vollständig versammelten Protagonisten des Wiener Aktionismus brachen bei dieser Veranstaltung gleich mehrere Tabus: Nacktheit, Masturbation, Verrichten der Notdurft, Auspeitschen und das alles unter Verwendung von staatshoheitlichen Symbolen wie der Nationalflagge und der Bundeshymne.


Den Relationen zwischen den gesellschaftlichen Aufbrüchen und den grenzüberschreitenden, architekturbezogenen und performativen Kunstformen der 1960er und 1970er Jahre widmet sich derzeit eine sehenswerte Ausstellung, die noch bis Ende August im Wiener Museum Moderner Kunst (MUMOK) läuft. Anhand von Werken aus dem Sammlungsbestand, ergänzt durch zahlreiche Leihgaben, vermittelt die Schau ein facettenreiches Bild dieser Jahre und macht deutlich, auf welch vielgestaltige Weise sich die Absage an den gesellschaftlichen Konservatismus der 1960er Jahre mit seinen traditionellen geschlechts- und klassenspezifischen Rollenbildern in zahlreichen künstlerischen Aufbrüchen widerspiegelt. Vor allem im Bereich der Architektur nehmen unkonventionelle Querdenker die Auflösung und Durchmischung der vormals streng getrennten Genres Kunst und Baukunst in Angriff.

So leitet sich bereits der Titel der Schau „Mind Expanders“ von der österreichischen Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co ab, die in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren utopische Architekturkonzeptionen entwarf, die unter dem Titel „Mind-Expanding-Program“ der Bewusstseinserweiterung gewidmet waren. Mit Aktionen und Installationen im öffentlichen Raum sollte die sinnliche Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit der Menschen aktiviert werden.

Das Interesse an der Konzeption von Gesellschaftsutopien und die damit verbundenen performativen Tendenzen erweisen sich als entscheidende Gemeinsamkeiten zwischen Architektur und Kunst. Dass es sich dabei nicht um ein lokalspezifisches, sondern ein internationales Phänomen handelt, zeigt der Vergleich zwischen österreichischen, angloamerikanischen und italienischen Künstlerinnen, Künstlern und Architektengruppen. So korrespondieren Marina Abramovics Farbfotografien aus der Performance „Die Lippen von Thomas“ aus dem Jahr 1976 auf spannende Weise mit Friederike Petzolds Schwarzweißbildern aus der Serie „Mundwerk“ von 1975. Vintage Prints aus der 1969 erschienenen „Mappe der Hundigkeit“ von Valie Export und Peter Weibel, die mit ihrem Sinn für publikumswirksame Aktionen das Geschlechterverhältnis radikalisierten, hängen neben den intensiven fotografischen Selbstbespiegelungen von Birgit Jürgenssen, die in „Hausfrauen-Küchenschürze“ von 1975 einen Herd als Teil ihrer Kleidung integrierte.

Unverkennbar rückt der menschliche Körper im Bereich performativer Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse und kritischer Selbstbehauptung ins Zentrum der Darstellung. Zeugnisse der Wiener Gruppe und des Wiener Aktionismus, überwiegend dokumentarische Schwarzweißaufnahmen künstlerischer Aktionen von Günter Brus, etwa sein „Wiener Spaziergang“ (1965), Rudolf Schwarzkogler mit der „6. Aktion mit dem eigenen Körper“ (1965) und Otto Muehls „Verschnürung eines weiblichen Körpers“ (1964) belegen dies ebenso wie internationale Positionen der Body Art, die sich mit Geschlechterrollen und Feminismus befassen, etwa von Carolee Schneemann oder Gina Pane.

Von Bruno Gironcoli stammen zwei vielteilige Objektarrangements „Spiegel und Büchse der Pandora“ (1968-1971) und „Säule mit Totenkopf“ (1971/74). Das bildnerische Verfahren der Montage und Collage wird bei Gironcoli zu einem Mittel, die Abgründigkeit der Welt, ihre Zerrissenheit, ihren Sinnverlust genauso zu thematisieren wie die Vergegenwärtigung von Sexualität, Politik und Wissenschaft. Ähnlich den Aktionsrelikten von Hermann Nitsch verweisen die Objekte auf eine bereits vollzogene Handlung und evozieren Bilder kultureller Artefakte, geheimnisvoller Zeremonien und kultischer Rituale.

Während Gironcoli sich als Bildhauer des Absurden, der Entfremdung und der Abgründe der Dingwelt präsentiert, schlägt Walter Pichler mit seinem „Fingerstreckapparat“ von 1967 eine durchaus funktionale Erweiterung der vorgegebenen körperlichen Möglichkeiten vor. Aber auch Maria Lassnigs Serie herausragender Papierarbeiten aus der 1970 entstandenen „Sesselserie“ („Playboysessel“, „Mutterstuhl“ oder „Schlafendes Mädchen im Sessel“), Arnulf Rainers „Nervenkrampf“ von 1970 oder der „Tragbare Schrein“ von Walter Pichler machen deutlich, wie sehr performative Ausdrucksformen Malerei und Skulptur erfassten und veränderten.

Auch in der konzeptuellen Kunst gewinnen Raum und Architektur als gesellschaftsrelevante Themen verstärkte Bedeutung. Arbeiten von Dennis Oppenheim, Christos Verhüllungsaktionen oder Gordon Matta-Clark mit seiner Strategie des „Unbuilding“, bei denen er in illegalen Aktionen Einschnitte in zum Abbruch bestimmte Wohnhäuser setzte, erweitern auf unterschiedliche Weise den Kunstbegriff durch Beschäftigung mit Fragen der Architektur.

In einer Zeit, in der „Schluss mit der Wirklichkeit“ gefordert wurde, wollten auch die Architekten nicht am Rande stehen. Die Ziele der jungen Architektengeneration waren auf gesellschaftliche Veränderung gerichtet. „Alles ist Architektur“ verkündete Hans Hollein und präsentierte 1963 in der Wiener Galerie St. Stephan gemeinsam mit Walter Pichler utopische Entwürfe kompakter Stadtarchitekturen. Von Haus-Rucker-Co stammt das multifunktionale Sitzmöbel „Mind Expanders“, das mittels blinkender Lichter und über Lautsprecher eingespielter Geräusche eine virtuelle Welt vorgibt.

Der menschliche Körper war das Maß einer Vielzahl von Entwürfen, die im MUMOK in einem eigenen Ausstellungsbereich vorgestellt werden. Aktionen im öffentlichen Raum sollten die Menschen zur Teilnahme aktivieren, Wahrnehmungs- und Bewusstseinsvorgänge auslösen. Von Raimund Abrahams „Megastructures“, der „Überbauung Ragnitz“ von Günther Domenig und Elfried Huth, den erotischen Architekten von „Zünd-Up“ bis zu den provozierenden Projekten von Coop Himmelb(l)au, wie etwa der Aktion „Riesenfußball“ von 1971 am Wiener Stephansplatz, zeigt der informative Überblick, wie das Interesse an einer skulpturalen Architektur traditionelles Formen- und Funktionsbewusstsein veränderte und mit nachhaltigen Verbindungen zum Aktionismus andere Perspektiven öffnete.

Die Ausstellung „Mind Expanders. Performative Körper – utopische Architekturen um ´68“ ist bis zum 30. August zu sehen. Das MUMOK hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at

Startseite: www.mumok.at



26.06.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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