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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s in New York

Tausendfüßler aus Stahl



Um die 70 Millionen Dollar soll es bringen, das angeblich bedeutendste in Privatbesitz befindliche Triptychon des irischstämmigen Malers Francis Bacon. 1976 in einer seiner wichtigsten Schaffensphasen entstanden, thematisiert es erneut auf drastische Weise die Themen Schmerz und Leid, innere Fühllosigkeit und äußere Leere. Symbole huschen nur gleichsam schemenhaft vorbei – ein mit Blut gefüllter Kelch etwa oder Vögel, die sich auf Fragmente menschlicher Körperteile stürzen –, weil sie Verweischarakter besitzen, aber keine sinnstiftende, begründbare Bedeutung für die Faktizität. Wie häufig bei Bacon, bleibt auch hier die Motivik assoziativ, eine Rolle spielte möglicherweise auch die Beziehung zu George Dyer, der 1971 in Paris Selbstmord begangen hatte. 1977 zierte das Triptychon das Katalogdeckbild einer Ausstellung in der Pariser Galerie Bernard, die Documenta in Kassel, die Londoner Tate, die Berliner Nationalgalerie und die Tretjakow-Galerie in Moskau sind nur einige Stationen, an denen das Gemälde zu sehen war. Sotheby’s strebt mit diesem Werk am 14. Mai in New York erneut nach einem neuen Bacon-Rekord, den der Auktionsriese seit vergangenem Jahr bei 47 Millionen Dollar für „Study from Innocent X“ hält.


Auch diese Zeitgenossenauktion legt die Messlatte noch einmal höher. 85 Lose sollen rund 290 bis 360 Millionen Dollar einfahren, soviel wie nie zuvor in dieser Branche – wenn da nicht einen Tag vorher Christie’s wäre, wo für 57 Lose sogar bis zu 390 Millionen Dollar erwartet werden. „In excess of $35 million“ heißt es für eine rotorange Farbfeldmalerei Mark Rothkos, die 1956 entstand und seither schon öfter den Besitzer gewechselt hat. Seit den 1980er Jahren befand sie allerdings kontinuierlich in Privatbesitz. Herzstück der Auktion sind exzeptionelle Werke aus der Sammlung Helga und Walther Lauffs, die erst kürzlich aus dem Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld abgezogen wurden. Zusammen mit den Auktionen am 15. Mai werden daraus insgesamt 34 Werke unter den Hammer kommen, deren Gesamtwert Sotheby’s mit fast 50 Millionen Dollar beziffert. Den Anfang machen drei monochrome Tafeln Yves Kleins, nummeriert „MG 9“, „IKB 1“ und „MP 13“ aus den Jahren 1960/62, die zwischen 2 und 8 Millionen Dollar einfahren sollen, gefolgt von einem horizontal verknitterten „Achrome“ Piero Manzonis aus dem Jahr 1958 (Taxe 4,5 bis 6,5 Millionen USD). Ein minimalistisches rotes Eisenrechteck Donald Judds von 1964 (Taxe 5 bis 7 Millionen USD) ist ebenso darunter wie Joseph Cornells eher surreal inspirierter Bildkasten „Bird in a Box“ von 1943 (Taxe 650.000 bis 850.000 USD), Hans Arps geschmeidige Bronze „Torse de Chorée“ von 1961 (Taxe 500.000 bis 700.000 USD), Joseph Beuys’ Schraubstockplastik „Bett“ von Ende der 1960er Jahre (Taxe 750.000 bis 950.000 USD) oder ein verhängtes „Show Window“ des Verpackungskünstlers Christo von 1965/66 (Taxe 400.000 bis 500.000 USD).

Insgesamt achtmal beehrt Andy Warhol die Auktion. Die untere Gesamtschätzung allein für diese Werke liegt bei fast 30 Millionen Dollar. Helga und Walther Lauffs tragen etwa mit vier gestapelten Verpackungskisten der bekannten amerikanischen Marken Brillo, Heinz, Campbell’s und Del Monte von 1961 bei (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Höhepunkt aus ungenannter Quelle ist aber mit 10 bis 15 Millionen Dollar seine Verhundertzwölffachung von Christi Antlitz aus Leonardos Abendmahlsfresko des Jahres 1986. Robert Indianas quadratische Vervierfachung des Wortes „LOVE“ in Rot, Grün und Blau hing prominent im Treppenhaus des Kaiser Wilhelm Museums, jetzt bei Sotheby’s für 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar. Vorreiter der Pop Art war Robert Rauschenberg, dessen collageartiges „Overdrive“ 1963 zu Beginn jener Bewegung entstand (Taxe 10 bis 15 Millionen USD). Aus der Sammlung Lauffs stammt sein wandskulpturales Combine Painting „Slug“ von 1961 inklusive leuchtender Glühbirne (Taxe 3 bis 4 Millionen USD). Strenger verfährt Roy Lichtenstein. Fast scheint es, als sei Lyonel Feininger durch seine „Sailboats“ gehuscht, die 1975 in See stachen. Auch die weißen Möwen fliegen übers Wasser, doch ist alles so schematisiert und abstrakt in die Fläche gebannt, das man es kaum wahrnimmt (Taxe 6 bis 8 Millionen USD). Wenig beruhigend, dass ein elf Jahre jüngeres Werk Lichtensteins „Imperfect Painting“ heißt und trotzdem 3 bis 4 Millionen Dollar verlangt.

Den doppelten Preis trägt „Great American Nude No. 48“, in der Tom Wesselmann die Grenzen zwischen Malerei, Plastik und Raumkunst zerfließen lässt. Eine gemalte und collagierte Schönheit räkelt sich da auf dem Sofa, das vergilbte Kunstposter eines Matisse-Stilllebens hängt über ihr, doch nebendran steht ein echter Plastiktulpenstrauß, ebenso echt und greifbar wie der Heizkörper, die Jalousie oder der Teppich, der diese zweidimensionale Wand in den Raum überführt. 1963 entstand dieses unbescheidene Raumbild, gefiel den Lauffs und war jahrelang ein Blickfang im Krefelder Museum. Einen nicht minder plakativen Stil bevorzugt auch der 1933 geborene Russe Erik Bulatov 1989 für den in den Wolken schwebenden Schriftzug „New York“. Bulatovs bildlich aufs Korn genommener Realsozialismus machte auch vor westlichen Klischees nicht halt (Taxe 700.000 bis 900.000 USD).

Wer es abstrakt-gestisch mag, sollte sich auf Joan Mitchell, Lee Krasner oder Hans Hofmann stürzen, deren bunte Werke bei bis zu 7 Millionen Dollar rangieren. John Chamberlain überträgt diese Richtung in die plastisch Praxis, indem er Stahlschrott wie in der Verschrottungsanlage zusammenknautscht und als ein vielfältig bemaltes Kunstwerk gelten lässt. Eine solche Skulptur „White Thumb Four“ benannt und von 1978, soll 1,5 bis 2 Millionen Dollar kosten. Nur gestisch, aber nicht abstrakt ist Jean-Michel Basquiats „Prophet I“ von 1981/82 für anspruchsvolle 9 bis 12 Millionen Dollar. Der bisherige Rekord für den früh verstorbenen Amerikaner liegt seit Mai letzten Jahres bei 13 Millionen Dollar. Hard Edge Paintings gibt es unter anderem von Ellsworth Kelly in einem schwarzweißen Querbalken für 2 bis 3 Millionen Dollar, Minimal Art von Agnes Martin, deren „Untitled #1“ von 1996 einer Altmeisterin weit jenseits der 80 zeigt. Die Preise für diese Künstlerin sind seit ihrem Tod 2004 rasant gestiegen, so dass 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar auch in diesem Fall nicht zu hoch gegriffen sein dürften.

Zu ihr treten dann noch Dan Flavin mit vier unterschiedlich langen, ultravioletten Leuchtstoffröhren von 1964 (Taxe 700.000 bis 900.000 USD), Sol LeWitt mit dem Gitterkubus „Modular Cube / Base“ auf Quadratplatte von 1967 (Taxe 700.000 bis 900.000 USD), Carl Andre mit einem 36teiligen Kupferquadrat auf dem Boden von 1968 (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD) oder Frank Stella mit einem gemalten, grau bis schwarz abgestuften „Concentric Square“ (Taxe 2 bis 3 Millionen USD) – das Ehepaar Lauffs schätzte anscheinend die ungegenständliche Minimal Art. Eine amerikanische Sammlung steuert dann noch Stellas goldenes Dreieck „Valaraiso Green“ bei (Taxe 3 bis 4 Millionen USD). Robert Mangolds geometrisch aufgeteilter olivgrüner Halbkreis „1/2 V Series“ von 1968 rangiert bei 600.000 bis 800.000 Dollar. Vor seiner Land Art-Phase ab 1968 stand Robert Smithson der minimalistischen Bewegung nahe. Davon zeugen im Katalog die sechs eisblauen „Kryosphären“ von 1966 für 600.000 bis 800.000 Dollar oder die sich verjüngenden Stahlkuben „Alogon #3“ von 1967 für 1,5 bis 2 Millionen Dollar – beide Arbeiten schon mit global-spirituellem Einschlag.

Jeff Koons versucht es viermal auf dieser Auktion. Nach bisherigen Erfahrungen dürfte er mit einem Porzellanguss wie „Naked“ aus der „Banality“-Serie keine Probleme haben. 1,5 bis 2 Millionen Dollar sind für diese in drei Exemplaren vorhandene Arbeit aus dem Jahr 1988 veranschlagt, die den Feind unerträglichen Kitsches ebenso provoziert wie den Detektiv subtiler erotischer Anspielungen. Täuschend echt einem Gummischlauchboot nachempfunden ist sein Tausendfüßler „Caterpillar Chains“ aus dem Jahr 2005, doch das bunt bemalte Kinderspielzeug, das auch noch an dünnen Gliederketten an der Decke befestigt werden muss, besteht in Wahrheit aus tonnenschwerem Stahl. Die Auflage beträgt ebenfalls drei Stück (Taxe 5,5 bis 6,5 Millionen USD). Ob dieser formidable Plastiker auch malen kann, wird der Betrachter des einbeinigen Piraten „Peg Leg“ im Haifischbecken seit 2005 selbst beurteilen müssen (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen USD). Stark vertreten wie bei Christie’s ist auch Richard Prince, darunter mit einer „Millionaire Nurse“ von 2002 (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen USD).

Yue Minjun, Takashi Murakami, Yoshitomo Nara oder Subodh Gupta sind die Newcomer aus dem fernen Osten, die mit ihrer plakativen Gegenständlichkeit wieder auf Millionenpreise bis in die mittlere Siebenstelligkeit hoffen, Murakami etwa mit der Spermafontäne aus dem ergierten Penis des „Lonesome Cowboy“ (Taxe 3 bis 4 Millionen USD) Gupta mit der fotografisch gemalten Flughafenszene „Saat Samunder Paar“ von 2003 (Taxe 500.000 bis 700.000 USD). Aus dem Westen mühen sich Matthew Barney mit fünf Fotos aus dem Cremaster-Filmzyklus (Taxe 400.000 bis 600.000 USD), Jeff Wall mit der inszenierten, wie authentisch wirkenden Schwarzweißfotografie „The Forest“ von 2001 (Taxe 600.000 bis 800.000 USD) oder Mike Kelley mit dem verführerischen, bunt schimmernden Mosaikbild aus Knöpfen „Memory Ware Flat #2“ um Aufmerksamkeit (Taxe 450.000 bis 650.000 USD).

Die deutsche Kunst schickt unter anderem Gerhard Richter ins Rennen, der schon 1974 wie Damien Hirst zwanzig bis dreißig Jahre später eine Ansammlung regelgerechter Rechtecke auf die Leinwand zauberte und „1025 Farben“ nannte (Taxe 4 bis 6 Millionen USD). Ins Jahr 1990 datiert sein „Abstraktes Bild“ Nummer 722-2 (Taxe 5 bis 7 Millionen USD), sieben Jahre später entstand Nummer 842-2 (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen USD), beides Einlieferungen der Edwin C. Cohen and Victoria Shaw Collection. Daneben beeindruckt Georg Baselitz mit seinem 1965 gemalten schreitenden Sämann „Bonjour Monsieur Courbet“, der seit 1968 ununterbrochen im bisherigen Privatbesitz war (Taxe 4,5 bis 5,5 Millionen USD). Für eine etwas grobschlächtige Kuh aus dem Jahr 1969 müssen nur 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar bezahlt werden. Wenigstens stehen beide Lebewesen auch bei Baselitz noch auf ihren Füßen. Sigmar Polke ist mit einer 1985 auf Stoffmuster gemalten „Spirale“ vertreten, die zudem durch ein milchiges Geflecht von Mikrostrukturen und einigen lustigen Gesichtern aufwarten kann (Taxe 1 bis 1,5 Millionen USD).

Kontakt:

Sotheby’s New York

1334 York Avenue (at 72nd Street)

US-NY 10021 New York

Telefon:+1 (212) 606 70 00

Telefax:+1 (212) 606 71 07

Startseite: www.sothebys.com



09.05.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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