Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /
© Kunstmarkt Media


Anzeige

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
www3.kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

MAK würdigt in Wien 40 Jahre kreatives Schaffen von Coop Himmelb(l)au

Widerspenstige Gegenwartskunst aus fließenden Großformen



„Coop Himmelb(l)au ist keine Farbe, sondern die Idee, Architektur mit Phantasie leicht und veränderbar wie Wolken zu machen.“ Unter diesem pogrammatischen Vorsatz gründen 1968 ausgerechnet im traditionellen, von den Unruhen der Zeit verschont gebliebenen Wien Wolf D. Prix (geboren 1942 in Wien), Helmut Swiczinsky (geboren 1944 in Posen) und Michael Holzer (geboren 1943 in Wien) die Kooperative Coop Himmelb(l)au. Fußend auf vorangegangenen Performances rütteln sie seitdem mit avantgardistisch-experimentellen Entwürfen an ver(w)alteten, abgelebten und überlebten Traditionen. 40 Jahre sind sie nun dabei, im Rahmen vieler Experimente und Versuche die sanfte Flüchtigkeit von Wolken in blauen Himmeln mit dem harten Medium der Architektur einzufangen. In Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) breitet sich nun der bislang umfangreichste museale Auftritt des seit 1988 mit einer Zweigstelle auch in Los Angeles präsenten Architekturbüros aus. Mit seinen aus dem Rahmen fallenden, unkonventionell und zukunftsweisenden Vorhaben auf den Feldern des Bauens, der Stadtplanung, der Kunst und des Designs formuliert das derweil international renommierte Büro wesentliche Tendenzen der Zeit.


Ganz nach dem Geschmack des umtriebigen MAK-Direktors Peter Noever wurde die Ausstellung als Werkschau und Raumerlebnis gleichermaßen konzipiert. Statt einer ausschweifenden Chronologie einzelner Objekte steht im Zentrum eine speziell für den mittigen großen Ausstellungssaal geformte Rauminstallation, die das Team von Coop Himmelb(l)au als kontrast- und spannungsreiche Inszenierung entwickelte. Sie veranschaulicht auf einen Blick das Spiel mit den überbordenden Raumfantasien, deren Kontinuitäten und der Vielfalt im Formenvokabulars ihres Œuvres. Auf einem überdimensionalen, schachbrettartigen Modelltisch breitet sich eine „Stadt en miniature“, eine Assemblage aus allen wesentlichen Projekten aus. Die künstliche Stadtlandschaft umfasst rund 170 Architekturmodelle zu 80 ausgewählten Bauten und unrealisierten Projekten aus aller Welt. Von einer Tribüne überblickt der Besucher die Bühne, die lichtchoreografisch von Spots in Szene gesetzt sowie von hintergründig projizierten Filmsequenzen ergänzt wird. Zudem besteht die Möglichkeit, durch Abschreiten von Umgängen sowie einer diagonalen Gasse die Modelle auf Augenhöhe zu inspizieren.

Die Alt-68er können es einfach nicht lassen: Diese Installation ist natürlich eine explizite Kritik des Büros an heutiger Stadtplanungspolitik mit ihren banalen Typologien, Materialien, Ornamenten. Sie soll anregen, mit Mut Besseres anzugehen. Als Pedant dazu ist im Umgang eine konzentrierte Auswahl dreier aktueller Projekte in Großmodellen, Plänen, Ansichten und Beschreibungen platziert. In je einem Saal stehen die kürzlich vollendete BMW-Welt in München (2001-2007), das Musée des Confluences in Lyon (2003-2010) und das Projekt der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main (2003-2011) zum detaillierten Studium bereit.

Was dem Besucher durchgängig begegnet, ist eine schiere Unmenge an Einfällen, fast schon ein unsittlicher Appetit auf Neues. Die talentierte Kühnheit wurde nie an der Realisierung gehemmt, machten Prix, Swiczinsky und Holzer doch stets verwegene Entwicklungssprünge in der Bautechnik. Alle Gebäude verweigern sich einer artigen Einfügung in Bestehendes oder in ein Pogramm. Anpassung ist für die oft als Rock-and-Roll-Büro titulierte Firma ein Fremdwort. Offenheit, schlängelnde und verflochtene Erschließungswege, eine Umhüllung der eigenständigen Gebilde mit durchlässigen Membranen in Form aus dem Lot geratener Prismen oder Kegel, spitze Winkel oder schwerelos wirkende Kurven einhergehend mit Schwindel erregenden Durchblicken durchziehen als rote Linie das Werkschaffen. Vier stilistische Phasen mit formalen Bevorzugungen lassen sich eruieren: Blasen (1968-1980), Flügel (1980-1990), Wracks (1990-1997) und Nebelbänke (seit 1997).

Zu den ersten Projekten, das international für Furore sorgte, allerdings in Wien selber lediglich ephemer als utopisch-unrealistisch behaftete Probe mit ideellem, feuilletonistischen Ansinnen wahrgenommen wurde und ohne Wirkung blieb, war der 1988 vollendete Dachausbau für eine Anwaltskanzlei in der Falkestraße umweit des MAK. Statt Erker oder Türmchen wurde für die Ecke des stattlichen Gründerzeithauses in 21 Meter Höhe ein elliptischer Bogen als Rückrat des Ganzen konzipiert, der das stählerne Spinnennetzdach als geschwungene Trägerkurve abspannt, zerbricht und bis in den Straßenraum hinunter ragt. Der Bogenträger dieser Konstruktion ist nicht aus statischen Prinzipien abgeleitet, sondern aus dem Entwurfsprozess, der ihn erzeugt. Zentrum des Ganzen bildet ein 90 Quadratmeter großer Sitzungssaal. Schwerelos, mobil, formbar wurde der verstaubten Vergangenheit eine verflüssigte Erlebniswelt aus Horizontalen und Vertikalen aufgesetzt, ein träumerisches, fantasievolles Funktionsgebilde, kein triviales Logo. Coop Himmelb(l)au fand einen Weg, mit Realitäten umzugehen, ohne ihre narrativen Ambitionen aufzugeben, befreite Räume zu kreieren jenseits abgestandener Ideologien.

Von den frühen 1990er Jahren bis heute tauchen immer wieder gedoppelte, an Schachfiguren erinnernde, zusammengezerrte Formen in allen Größen und Ausrichtungen auf. Fasziniert begegnet der Betrachter einer einfachen Bausätzen entlockten Ausdrucksvielfalt aus simplen Geometrien, ähnlich dem unsichtbaren Gerüst aus Kegeln und Zylindern, das Paul Cézanne seinen Naturstudien überstülpte. Ungleichgewichte, verwirrende Überlasten, schiefwinklige Raumdurchschneidungen entfalten skulpturale Energien, ja führen zu visuellen Provokationen über. Kurven und Brüche erregen das Gefühl der Anspannung bei der Suche nach dem Dahinter. In den Organismen und merkwürdigen Figuren werden Konstruktionen und Materialien an neue Grenzen geführt, fernab gewohnter Denkmuster.

Beim Betreten des zwischen 1993 bis 1998 realisierten Dresdener UFA-Kino-Palastes verspürt jeder, wie die geneigte Glashülle sich geschickt der Forderung der Schwerkraft nach Rückkehr zur Erde widersetzt. Das Kristall des Foyers mit Skybar als begehbarem Doppelkegel ist ein urbaner Treffpunkt mit frei sichtbaren Treppen, Podesten, Ebenen. Es ist als transparentes Forum ausgebildet. Ein Kinoblock aus acht Sälen mit 2.600 Plätzen schließt sich an. Die Münchener BMW-Welt ist ein Markenerlebnis samt Auslieferungszentrum. Auf wenigen Stützen schwebt ein skulpturenartiges Wolkendach über der riesigen, 75.000 Quadratmeter umfassenden Halle, das sie intelligent gliedert. Egal wo man sich aufhält, in einem der Restaurants, im Auditorium, Büros, Ausstellungs- oder Verkaufszonen, überall meint man wirbelnde Kräfte zu vernehmen, die aus dem gigantischen Doppelkegel an der Ecke fließen.

Das in Bau befindliche Musée des Confluences in Lyon soll ebenfalls ein städtischer Treffpunkt werden. Ein schwebender Kristall empfängt den Besucher. Die weiche Wolke dahinter ist ein als sanfter Raum aus Strömungen und Übergängen konzipiert. Die dynamische Landschaft aus Rampen und Ebenen spiegelt neben stetigen Veränderungen zukunftsträchtige Potentiale in den Übergängen zwischen Technik, Biologie und Ethik, die zentralen Themen des Museums. Jüngstes Projekt ist die bis 2011 auszuführende Europäische Zentralbank als neues sichtbares Zeichen an der Skylinie des Frankfurter Ostends. Zwischen zwei dynamisch in sich gedrehten Türmen liegt das vollkommen verglaste Atrium mit Räumen, Plätzen, Verteiler- und Umsteigeverbindungen als eine Art „vertikale Stadt“.

Überall stößt man bei Coop Himmelb(l)au auf imponierende, schwerelose und zugleich erstarrte Freiheiten – nonkonform und eine Absage an alt vertraute architektonische Zeichen und Machtprinzipien. Nicht Schwere, sondern heitere Beschwingtheit, ein Gefühl von Erlaubtsein und Freiheit empfängt jeden. Statt Gehorsam gebietender Ehrfurcht, Stille, Staunen, Entrückung möchte man in Coop Himmelb(l)aus Gebäuden einen Drink nehmen, umherschlendern oder mit jemandem reden. Was könnte Architektur besseres leisten?

Die Ausstellung „Coop Himmelb(l)au. Beyond The Blue“ ist noch bis zum 12. Mai zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 24 Uhr. Der Eintritt beträgt 9,90 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 39,90 Euro kostet.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at

Startseite: www.mak.at



06.05.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


12.12.2007, Coop Himmelb(l)au: Beyond the Blue

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Bericht:


Lilli Hollein leitet Wiener MAK

Bericht:


Hessischer Kulturpreis für Wolf D. Prix

Bericht:


Missing Link in Wien

Künstler:


Michael Holzer

Künstler:


Helmut Swiczinsky

Künstler:


Wolf D. Prix










Copyright © '99-'2022
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce