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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Gemälde bei Hampel in München

Aus dem Nachmittag eines Fauns



Godfried Schalcken,  Kunstbetrachtung bei Kerzenlicht

Godfried Schalcken, Kunstbetrachtung bei Kerzenlicht

Ein junger Mann und eine Frau stehen vor der weißen Marmorfigur einer knienden Frau mit nach linksgewendetem Haupt. Der Mann deutet mit dem Zeigefinger auf die Figur, blickt seine Frau an und scheint ihr etwas zu erklären, diese hört aufmerksam zu. Die ganze Szene spielt sich bei Nacht ab, nur eine Öllampe beleuchtet den dunklen Raum und wirft ein starkes Schlaglicht auf die Skulptur. Noch ein weiteres Bildwerk in Form eines großen Kopfes auf dem Tisch sowie ein grünsamtener Vorhang auf der rechten Seite treten aus dem Dunkel hervor. In den Personen werden seit alters her der Maler Godfried Schalcken und seine Gemahlin Francoise van Diemen gesehen. Insofern ist dies ein schönes Bild. Es zeigt einen Künstler, der seine Frau unmittelbar an dem teilhaben lässt, was ihm Leidenschaft und Beruf ist. Abgesehen davon, dass es in seiner Beschränkung auf wenige Gegenstände gut aufgeteilt und stimmungsvoll gemalt ist. Der Wert wurde auch auf der vergangenen Gemäldeauktion bei Hampel honoriert. 160.000 Euro waren für das Gemälde veranschlagt, 225.000 Euro ließ ein niederländischer Auftragskäufer schließlich dafür springen.



Insgesamt konnte das Münchner Auktionshaus am 8. Dezember 59 Prozent der Gemälde weitervermitteln. Allerdings muss sich Hampel wohl bei einigen Stücken noch das Einverständnis des Vorbesitzers einholen, da der Zuschlag mitunter deutlich unterhalb des Schätzpreises erfolgte. Die Vorbehalte weist die Ergebnisliste nicht eigens aus. Das betraf unter anderem zwei Gemälde der Renaissance, so eine sitzende Madonna mit Kind vor einer Landschaft, die dem im Umkreis Giovanni Bellinis tätigen und von diesem stark beeinflussten Venezianer Bartolomeo Montagna zugeschrieben wird. Die Tafel verfehlte die vorgesehenen 75.000 Euro um 10.000 Euro. Das gleiche gilt für Hans Mielichs feinem Portrait des Münchner Bürgers Andreas Reitmohr III. von 1556, das schon bei 15.000 Euro in eine neue Sammlung überging (Taxe 18.000 EUR).

Im wesentlichen aber erfüllten oder übertrafen die bedeutenden Gemälde die Erwartungen. Auf 42.000 Euro verdreifachte sich beispielsweise der Wert einer auf kleiner Tafel festgehaltenen Versuchung des heiligen Antonius, die in Gemeinschaft von Jan Brueghel d.Ä., der für die Landschaft verantwortlich zeichnet, und dem Figurenmaler Hieronymus Francken I. entstand. Allerdings ist das Teufelswerk der marternden und quälenden Dämonen harmlos gegen das, was Jacob Isaacsz van Swanenburg etwa zeitgleich erfand. Bei ihm ist die ganze weite Meeres- und Gebirgslandschaft voll von heulenden Werwölfen, gelb-glupschäugigen Eulenwesen, reitenden Totengerippen und allerlei sonstigem Getier allerschrecklichsten Aussehens. Dazu winden sich Blitze spiralförmig vom Himmel, speien Drachen Feuer, laufen Boote rettungslos mit Wasser voll und dergleichen Späße mehr. Das Auge verliert sich in diesem Bild und seinen reichen Details. Auch die Kunden bei Hampel: Flugs waren sie bei 220.000 Euro angelangt, die Pariser Handel weit über die anvisierten 40.000 Euro hinaus gewährte.

Welche ruhevolle Melancholie dagegen bei einem spanischen Meister des 17ten Jahrhunderts. Er arrangiert in zwei zusammengehörigen Gemälden nur ein paar ausschlaggebende Geräte – Totenschädel, Uhr, Buch, Rahmen, bescheidene Blumensträuße, Kerzenleuchter und verknitterte Zettel – zu zwei signifikanten Memento Mori, die ein österreichischer Sammler auf 75.000 Euro hob (Taxe 70.000 EUR). Mit 280.000 Euro setzte derselbe Bieter Jan Breughels d.J. Stillleben mit blumengefülltem Henkelkorb und goldglänzender Tazza an die Spitze der Auktion (Taxe 200.000 EUR). 48.000 Euro von einem Prager Sammler fuhr ein vor schwarzem Hintergrund hängendes Früchtestillleben Cornelis de Heems ein (Taxe 38.000 EUR). Etwas bescheidener und karger nur mit ein Paar Bissen Brot oder Maroni sowie je einem gefüllten Glas ist Balthasar Denners kleinformatiges Stilllebenpaar eingerichtet, das bei 21.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 12.000 EUR). Unveräußert blieben dagegen die Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Kirschen und zahllosen Weintrauben, die Denners Zeitgenosse Cornelis Kick auf einer Steinplatte angehäuft hat (Taxe 38.000 EUR).

Die flämische Landschaftsmalerei wurde durch Abraham Govaerts fast miniaturhafte Waldlandschaft mit einer im Vordergrund zu sehenden Darstellung der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten auf einer Kupferplatte vertreten, die einen süddeutschen Sammler 34.000 Euro kostete (Taxe 15.000 EUR). Wieder etwas mehr Staffage gönnt sich Philips Wouwerman in seiner eleganten Wiedergabe eines Aufbruchs höfischer Gesellschaft zur Jagd. Das von einem Schweizer für taxgerechte 180.000 Euro übernommene Gemälde besticht durch die Weichheit seines Kolorits und die Dynamik der fast theatralisch angeordneten Figuren vor einer vornehmen Architektur- und Landschaftskulisse.

Bei 40.000 Euro unter Vorbehalt endete der Wettstreit um Pieter Jacobsz Coddes geistlos in ihr Tun versunkenen Spieler in einem dunklen Raum. Die Genretafel war mit 52.000 Euro bewertet. Dafür konnte sofort darauf Isaac van Ostades 1641 gegebener Einblick in ein schmuddeliges Bauerninterieur mit spielenden Kindern und einem trägen Bauern, der sich eine klapprige Holztreppe hinaufwälzt, die vorgesehenen 150.000 Euro für sich gewinnen. Auf französischer Seite beeindruckte eine bei 52.000 Euro wiederum dem österreichischen Sammler zugeschlagene „Heilige Familie in einer Ruinenlandschaft“ von Jean-Baptiste Oudry, der stilistisch geschickt zwischen höfischer und religiöser Malerei vermittelt (Taxe 48.000 EUR). 55.000 Euro waren dagegen für ein Gemäldepaar mit klar gegliederten und kräftig, wenngleich nicht bunt kolorierten Landschaften mit Burgen im Hintergrund 25.000 Euro zu wenig. Vielleicht hätte man dazuschreiben sollen, dass es sich bei dem Maler Gaspard Dughet immerhin um den Schwager Nicolas Poussins handelte, nach welchem er sich später auch benannte. 89.000 Euro investierte ein griechischer Reeder in ein feines Portrait, das François-Hubert Drouais1768 vom Marquis de Briges in einem ovalen Tondo aufnahm (Taxe 50.000 EUR).

Enttäuschend waren auch die 35.000 Euro, bei denen das Interesse für Joseph Viviens repräsentatives und allegorisch überhöhtes Staatsportrait König Max Emanuels von Bayern nach der Schlacht bei Mohács am Berg Harsan verebbte. Es musste zurück ins Depot (Taxe 42.000 EUR). Von 1.800 Euro auf 17.000 Euro verzehnfachte sich das private Bildnis der traurig dreinschauenden Königin Josepha von Spanien aus dem 18ten Jahrhundert. Ohne Abnehmer blieb Angelika Kauffmanns Portrait der Madame Latouche, dessen Pendant ihres Gatten John Latouche vor vier Jahren bei Sotheby’s versteigert wurde (Taxe 22.000 EUR). Groß war der Andrang der Bieterschar, als es um eine Geißelung Christi ging, die ein italienischer Meister des 17ten Jahrhunderts mit der Lichtführung, Inszenierung des Körperlichen und realistischen Brutalität eines Caravaggio organisierte. Gegen 25 Telefonbieter großteils aus Italien setzte sich schließlich mit einem Gebot von 127.000 Euro ein Mailänder Händler im Kampf um das nur mit 6.500 Euro bewertete Gemälde durch.

Lange Gesichter gab es dagegen bei der dreiteiligen Geschichte, die ein etwas steifer malender Italiener im 16ten Jahrhundert über Saul und David erzählt. Hier stoppte das Scharmützel bei 50.000 Euro schon 18.000 Euro unterhalb der Schätzung. Auch vier rundbogige Gemälde mit zum Teil deftigen Szenen aus der antiken Mythologie, die Francesco del Rossi, auch Francesco Salviati gerufen, um 1560 geschaffen haben soll, verfehlten die vorgesehenen 40.000 um 4.000 Euro. Johann Alexander Thieles um 1730 riskierter Blick die Elbe hinauf mit einer Ansicht des rechts gelegenen Burg- und Dombergs von Meißen schaffte nur 21.000 Euro (Taxe 25.000 EUR). Ein Paar vedutenhafter Italienlandschaften des Berliner Malers Adolf Friedrich Harper von 1791 kletterte von 10.000 Euro auf 17.000 Euro.

Eher bescheiden mutete gegen diese durchaus exzeptionellen Kunstwerke Alter Meister die Ware aus dem 19ten Jahrhundert an. Nur wenige bedeutende Namen tauchten hier auf. Immerhin war einem Bieter Charles-François Daubignys schön von der untergehenden Sonne beschienene Landschaft mit Gewässern und umherfliegenden Enten 11.000 Euro wert (Taxe 10.000 EUR). Eine im Sinne Jakob Philipp Hackerts aufgebaute Rheinlandschaft von Andreas Geist stieg von 8.000 Euro auf 10.000 Euro. Hugo Kauffmanns 1875 mit Charme gemaltes Gemälde „Großvater spielt mit den Enkeln Soldat“ fand die Bieterschar nur bis 14.000 Euro komisch (Taxe 19.000 EUR), auch sein Alpenbild „Mädel und Bursch vor der Almhütte“ konnte niemanden ausreichend begeistern (Taxe 38.000 EUR). 10.000 Euro weniger als erhofft machte ferner Johann Sperls detailreiches Bauerngemälde „Nach der Kirche“ locker, auf dem die dörfliche Einwohnerschaft gemächlich wieder nach Hause trottet (Taxe 95.000 EUR).

Da musste schon ein Erzeugnis aus Osteuropa wie Ludwig Gedleks „Reiter bei der Rast vor tiefer Landschaft“ in Renaissancetracht ran, damit die Preise wieder anzogen, wie hier von 8.000 Euro auf 15.000 Euro. 19.000 Euro waren es für eine zügig voranziehende Karawane in der Wüste, die nach Ausweis eines wohl nachträglichen Schriftzuges von Tadeusz Ajdukiewicz gemalt worden sein soll (Taxe 14.800 EUR). Richard Ansdells Spanienimpression von Hirten mit Ziegen und Pferden, die über der Stadt Granada entlang ziehen, konnte dagegen niemanden so richtig begeistern (Taxe 30.000 EUR). Sehen wir doch lieber am helllichten Tag der Verfolgung eines Fauns durch eine offensichtlich etwas erboste Gans zu, die der junge Arnold Böcklin wie selbstverständlich an uns vorbeisausen lässt. Klar, Faune mit menschlichen Oberkörpern, beharrten Beinen und behuften Füßen sind ja auch heute noch hin und wieder in freier Wildbahn anzutreffen. 12.000 Euro wurden gegen diesen kleinen Spaß eingetauscht (Taxe 8.500 EUR).

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Hampel Kunst-Auktionen München

Schellingstraße 44 - Gartenvilla

DE-80799 München

Telefon:+49 (089) 28 80 40

Telefax:+49 (089) 28 80 43 00

E-Mail: office@hampel-auctions.com

Startseite: www.hampel-auctions.com



19.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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