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Gemälde bei Hampel

Die Verfolgung eines Fauns



Isaac van Ostade,  Bauerninterieur mit spielenden Kindern, 1641

Isaac van Ostade, Bauerninterieur mit spielenden Kindern, 1641

So sieht es also in einer niederländischen Bauernstube aus. Alles durcheinander! Töpfe neben der Wäsche zum Trocknen, alte Türen, die wohl demnächst im nebenstehenden Kamin verheizt werden, sonstiges Geraffel, das in der Ecke steht, und in der Mitte ein fetter alter Hund sowie drei Kinder, die auch nicht gerade zu Sauberkeit und Ordnung beitragen. Den dicken Vater ficht das alles nicht an, er wälzt sich gebeugt die wacklige Holztreppe hoch und verschwindet in irgendeinem stickigen Verschlag. „Der träge Bauer“ steht als Titel auf dem Inventaretikett der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, die das Gemälde seit 1992 als Leihgabe von einer deutschen Privatsammlung zeigten. Jetzt aber kehrt Isaac van Ostades derbe Lebensgewohnheiten ausmalendes Gemälde von 1641 wieder auf den Kunstmarkt zurück. Beim Münchner Auktionshaus Hampel soll es am kommenden Freitag für 150.000 Euro einen neuen Inhaber finden.



Der Katalog von Hampel besticht einmal mehr durch opulente Aufmachung, die den bedeutenden Gemälden ganze Doppelseiten widmet, und zum Teil gestochen scharfe Aufnahmen. Bisweilen ist das auch durchaus angemessen, denn auch manches Gemälde bezwingt durch pure Eleganz. Godfried Schalckens Kerzenscheinszene beispielsweise. Die Lichtquelle beleuchtet die kleine Skulptur eines hockenden weiblichen Aktes. Davor geben sich zwei Personen, vielleicht der Maler selbst und seine Gattin, der Kunstbetrachtung hin. Ein grüner Samtvorhang ist auf der rechten Seite um die Szene drapiert (Taxe 160.000 EUR). Auch Philips Wouwermans „Aufbruch zur Falkenjagd“ verrät schon im Titel den höfischen Anspruch. Dazu kommt die gepflegte Erscheinung der Dargestellten selbst sowie die Ausgestaltung der Hintergrundlandschaft mit einer Reihe schlossartiger Bauten und Skulpturen der Renaissance und des Barock, die vor dem grau-rosa-blauen Himmel aufragen (Taxe 180.000 EUR).

Eines der ältesten Gemälde ist eine sitzende Madonna vor einer Landschaft, die sich nicht zuletzt farblich an ähnlichen Darstellungen des Venezianers Giovanni Bellini orientiert, wenngleich sie dessen malerische Perfektion und klassischen Schönheitstypus nicht erreicht. Ihr Schöpfer ist vermutlich der knapp eine Generation jüngere Bartolomeo Montagna (Taxe 75.000 EUR). Ein italienischer Meister des 16ten Jahrhunderts schildert spannend, aber nicht unbedingt mit gestalterischer Brillanz auf drei Gemälden die Geschichte von Saul und David. Im Juni schon einmal bei Hampel für 90.000 Euro offeriert, treten die drei Leinwände nun erneut für 68.000 Euro an. Francesco del Rossi, besser bekannt als Francesco Salviati, gilt dem Auktionshaus als Schöpfer von vier Fresken in Rundbögen von etwa 1560, die Szenen aus der antiken Mythologie wiedergeben (Taxe 40.000 EUR).

Auf deutscher Seite wird die Renaissance 1556 durch ein ganz auf das fein charakterisierte Gesicht konzentriertes Portrait aus der Hand Hans Mielichs vertreten. Besonders die Gemäldegalerie in Berlin sollte sich für das Dreiviertelbildnis interessieren, befindet sich doch in deren Beständen das Gegenstück zum vorliegenden Bild, die Ehefrau des Münchner Bürgers Andreas Reitmohr III. (Taxe 18.000 EUR). Jan Brueghel d.Ä. und Hieronymus Francken I. sollen die Schöpfer einer etwas flüchtig ausgearbeiteten „Versuchung des heiligen Antonius“ auf kleiner Kupferplatte sein, die der Katalog größer abbildet, als sie in Wahrheit ist (Taxe 14.000 EUR). Ein wenig fantasievoller breitet sich dasselbe Thema über eine weite Landschaft bei Jacob Isaacsz van Swanenburg aus (Taxe 40.000 EUR). In Gaspard Dughets hervorragendem Gemäldepaar zweier Flusslandschaften mit Burgen und Figuren geht es dagegen ganz ruhig zu, auch wenn ein dunkler Gewitterhimmel dräut (Taxe 80.000 EUR).

Ein Früchtegebinde bildet Cornelis de Heem in einem undefiniertem Raum vor dunklem Hintergrund schwebend ab, sein Zeitgenosse Cornelis Kick gibt zumindest noch eine rötlich-graue Steinplatte und einen roten Vorhang als Umgebung seines üppigen Früchtestilllebens mit zahllosen Weintrauben an (Taxe je 38.000 EUR). Im Hintergrund spartanisch geht es wieder bei Jan Breughel d.J. zu, dafür sind der mit allerlei geschnittenen Blumen beladene Henkelkorb und der goldene Pokal daneben umso prächtiger ausformuliert (Taxe 200.000 EUR). Totenschädel, einen Spiegel, Bücher, Schachteln, eine verloschene Kerze, eine Uhr und jeweils einen nicht allzu üppigen Blumenstrauß arrangiert ein spanischer Meister im 17ten Jahrhundert zu zwei eindringlichen Memento Mori-Gemälden vor tiefschwarzem Hintergrund. Die beiden zusammengehörigen Bilder sollen 70.000 Euro kosten.

Für ein weiteres großes Thema der flämisch-niederländischen Malerei sorgt Pieter Jacobsz Codde. Seine Genreszene derber Spieler verlegt er wie de Heem ohne viel Aufwand in einen ansonsten leeren Raum, so dass er sich ganz auf die Zeichnung der teilweise etwas geistesabwesend wirkenden Gestalten konzentrieren kann (Taxe 52.000 EUR). Viel zu entdecken gibt es dagegen auf der Interieurszene Jan Josef Horemans’ d.J. von 1779, aber so richtig bei der angesagten „Musikstunde“ scheint keiner der grobschlächtigen Menschen zu sein (Taxe 37.000 EUR). Feinsinniger und eleganter geht es dann wieder in der französischen Malerei zu. Für 48.000 Euro ist vielleicht Jean-Baptiste Oudrys „Heilige Familie in einer Ruinenlandschaft“ zu haben, die die galante französische Landschaftsmalerei mit der religiös-andachtsvollen Innigkeit einer Altartafel verbindet.

Auf dem Übergang zum Klassizismus steht das Knabenportrait des Marquis de Briges, das François-Hubert Drouais 1768 im Oval abkonterfeite (Taxe 50.000 EUR). Joseph Viviens pathetisches und allegorisch überhöhtes Bildnis Max Emanuels in seinem Feldherrnzelt als Sieger nach der Schlacht bei Mohács am Berg Harsan lässt Bayernherzen höher schlagen (Taxe 42.000 EUR). Bei dem Venezianer Giovanni Battista Cimaroli ist das wilde Reitergemetzel auf einem Hügel über einer fernen Stadt noch im Gange (Taxe 30.000 EUR). Im Vordergrund eine Ziege, dahinter eine weite, allmählich dunstig werdende Berglandschaft – das sind Thema und Bildsprache Jakob Philipp Hackerts, auch noch in diesem Spätwerk von 1804 (Taxe 24.000 EUR). Von Abraham Louis Rodolphe Ducros gibt es um ungefähr 40.000 Euro vier realistische, fast bauzeichnerisch wirkende Aquarelle mit antiken Ruinen und Personenstaffage, römische Ansichten, aber auch die beiden Tempel in Paestum auf Sizilien.

Elbaufwärts an Meißen vorbei geht der Blick, den Johann Alexander Thiele um 1730 einfing. Rechts auf dem Berg ist die Albrechtsburg mit dem Dom, dessen Westtürme damals noch nicht standen, zu sehen (Taxe 25.000 EUR). Im März 2002 wurde bei Sotheby’s das Portrait John Latouches aus der Hand Angelika Kauffmanns versteigert. Nun kommt seine Frau, Madame Latouche, für geschätzte 22.000 Euro unter den Hammer. Das Angebot aus dem 19ten Jahrhundert fällt gegenüber den Alten Meistern ein wenig ab. Heinrich Heinlein staffierte 1858 einen bewegten Eindruck aus dem Salzburger Land mit Hirten und antiken Ruinen aus und liefert damit gleich den Gründungsmythos von Salzburg um den heiligen Robert mit (Taxe 28.000 EUR). Georg Friedrich Eberhard Wächter belegt mit seinem Historienbild „Belisar als Bettler“, dass viele Klassizisten hervorragende Zeichner, aber nur mittelmäßige Koloristen waren (Taxe 14.000 EUR). Charles-François Daubignys schöne Freilichtlandschaft mit Gewässer, auf denen allerlei Enten ihr Unwesen treiben, steht eventuell schon für 10.000 Euro bereit.

Höchst unterschiedlich reagieren die Kinder auf Großvaters Nachahmung eines Soldaten. Von Begeisterung über Skepsis bis hin zu nackter Angst beim Kleinsten reicht Hugo Kauffmanns Beobachtung auf dem Gemälde von 1875 (Taxe 19.000 EUR). Neckisch geht es bei seiner Abbildung eines „Mädels und eines Burschen vor der Almhütte“ zu (Taxe 38.000 EUR). Mit einem Schätzpreis von 95.000 Euro ist Johann Sperl er Kunst des 19. Jahrhunderts am teuersten. „Nach der Kirche“ gehen alle Menschen in einem bayerischen Dorf beseelt nach Hause. Die Sehnsucht nach dem Süden verkörpert Richard Ansdells Wiedergabe spanischer Hirten mit Ziegen und Pferd, die sich über einen Hügel bei der Stadt Granada schleppen. Im Hintergrund leuchtet das Vegagebirge auf (Taxe 30.000 EUR). Wer sich auf einen kleinen Spaß Arnold Böcklins einlassen möchte, der „Die Verfolgung“ eines erschrocken davonlaufenden kleinen Satyrn durch eine Gans mit schier endlos lang vorgerecktem Hals schildert, muss bloß 8.500 Euro in eine kleine Holztafel investieren. Der Betrachter steht dabei am Wegesrand, als seien die beiden vorbeilaufenden Gestalten das Selbstverständlichste von der Welt.

Die Auktion beginnt am 8. Dezember um 11 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 6. Dezember von 10 bis 18 Uhr und am 7. Dezember von 9 bis 12 Uhr möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.hampel-auctions.com einsehbar.

Kontakt:

Hampel Kunst-Auktionen München

Schellingstraße 44 - Gartenvilla

DE-80799 München

Telefon:+49 (089) 28 80 40

Telefax:+49 (089) 28 80 43 00

E-Mail: office@hampel-auctions.com

Startseite: www.hampel-auctions.com



06.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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